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Normale Version: Unglücklich am Arbeitsplatz
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Sisyphos

(altgriechisch Σίσυφος, latinisiert Sisyphus) war König zu Korinth und Sohn des Aiolos. Er soll um das Jahr 1400 v. Chr. gelebt, sich durch große Weisheit ausgezeichnet und zur Vergrößerung Korinths sehr viel beigetragen haben.

Die Götter hatten Sisyphos dazu verurteilt, unablässig einen Felsblock einen Berg hinaufzuwälzen, von dessen Gipfel der Stein von selbst wieder hinunterrollte. Sie hatten mit einiger Berechtigung bedacht, daß es keine fürchterlichere Strafe gibt als eine unnütze und aussichtslose Arbeit.

Montag 04:30 Uhr mein Handy läutet auf unliebsame Weise den Tag ein. Schon wieder Montag! Mit den Nachwehen des wilden Wochenendes im Nacken quäl ich mich hoch, der erste Gang geht ins Badezimmer, Zähne putzen, Gesicht waschen, Haare kämmen, anziehen. Die hohe Kunst besteht darin während des ganzen Ablaufs mein Spiegelbild zu meiden. Der Automatismus setzt ein, alle Abläufe sind einstudiert und werden ohne größere Überlegung ausgeführt. Es ist Winter, draußen ist es dunkel, die Straßen sind leer gefegt. Meine erste Zigarette habe ich im Treppenhaus im Halbschlaf, gedreht. Vor der Haustür zünde ich mir diese an. Ich atme tief durch und spüre wie der Rauch meine Lungen füllt. Tut das Gut! Mir verbleiben zwischen der ersten Zigarette bis zur Ankunft meines Busses noch 2 Minuten, ich wühle die 2,80 EUR aus meinem Portemonnaie zusammen und warte die letzte Minute ab. Ich setze mich in den mit ein paar Menschen gefüllten Bus, um mich herum nur gähnende oder gar schlafende Gesichter, die mit mir das gleiche Leid teilen. Erinnerungsfetzen der vergangenen Tagen blitzen auf, es wurde mal wieder viel getrunken, die Nächte waren sehr lang, das letzte Mal, dass ich auf die Uhr am Samstagmorgen geschaut habe, war um 7:39 Uhr. Es sind keine 48 Stunden her und hier sitze ich wieder! Das Wochenende ist eigentlich dazu gedacht sich von der Arbeitswoche zu erholen, denke ich, nur davon leider keine Spur. Wie konnte diese Zeit wieder so schnell vergehen? Gefühlt saß ich vor ein paar Stunden noch im Proberaum, wo ich jeden Freitag meinen Feierabend einläute.

Es gleicht einem Ritual, 14:45 Uhr Feierabend, schnell nach Hause, eben umziehen, frisch machen, kurz zum Supermarkt, die nötigsten Sachen besorgen und ab in den Proberaum. Spätestens um 15:30 Uhr gieße ich mir den ersten Drink ein, drehe meine Feierabend Zigarette und warte bis der Rest der Band so langsam eintrudelt. Ich spüre wie Erleichterung sich breit macht, der Drink zeigt seine Wirkung und die Zigarette rundet das Ganze ab. Die ganze Woche arbeite ich auf diesen Moment hin. Der Stress fällt von einer Minute auf die andere von mir ab, die Gedanken an die Arbeitswoche verblassen. Endlich!

Die nächste Sequenz, die mir in den Kopf schießt sind ca. zwei Stunden später. Ich schaue zu meinen Bandkollegen rüber, wir studieren grade ein neues Set für den Gig in zwei Wochen ein, wir sind alle Feuer und Flamme, eine Mischung aus Rausch und Trance, eines der letzten Bastionen, die ich für mich verteidigen konnte, wo ich mit meiner Umgebung verschmelzen und all meine alltäglichen Sorgen von mir abwenden, kann. Schade, dass ich für mich verlernt habe das ganze ohne Rauschmittel genießen zu können, lang ist es her. So lange her, dass ich mich nur an vereinzelte Erlebnisse in der Schule erinnern kann, wie ich mit Schulkollegen zusammen in meiner Freizeit, meine ersten Bandversuche gestartet habe, damals noch hinter dem Schlagzeug, obwohl ich selber Gitarrist bin. Auch da habe ich ohne Rauschmittel viel Freude am Musizieren gehabt, wie sich das ganze so verselbstständigen konnte ist eine sehr gute Frage.

Nach 27 Minuten Fahrtzeit und einigen Songs, die aus meinen Kopfhörer dröhnen später, erreiche ich meine Ziel Haltestelle. Kurz vor dem Aussteigen drehe ich mir natürlich noch eine Wege Zigarette. Die letzten 5 Minuten in Freiheit, bevor mich die große Halle verschlingt und ich für die nächsten 9 Stunden, inklusive Pausen, von dieser der Freiheit beraubt werde.

„Lass mal noch rüber in den Veranstaltungsraum, da spielt noch die letzte Band, die sollen gar nicht so schlecht sein!“ brüllt Patrick zu mir rüber. Ich bejahe und wir torkeln uns den Weg an die Leute vorbei in Richtung Veranstaltungssaal. Viele Reize umgeben mich, viele teils unbekannte Gesichter begrüßen mich, ich nicke zurück. Je weiter ich in den Saal eindringe, umso mehr Fragen überkommen mich. Wer war das eben und wieso begrüßen die mich? Kenne ich die noch vom letzten Wochenende und wieso erinnere ich mich nicht daran?! Naja, die Frage geraten in Vergessenheit als Patrick mit zwei Bier und zwei Jägermeister um die Ecke kommt: „Prost mein Freund!“

Dafür, dass ich seit 4:30 Uhr schon wach bin, bin ich noch relativ fit, kein Wunder bei dem Zeug den ich mir schon alles durch die Nase gejagt habe heute. „Moin Christian, alles klar?! Willst du was trinken!?“ Ein mir sehr vertrautes Gesicht spricht mich von der Bar aus an, es ist meine gute Freundin Bea, die zu mir rüber winkt. Ich bahne mich den Weg zu ihr rüber und plausche ein wenig; „Na wie war die Probe, waren alle da?!“ Ich nicke, ich rede irgendwas vor mich hin und setze schon zum nächsten Kurzen an.

7:30 Uhr, Meisterrunde. Ich und einige Arbeitskollegen schalten die Anlage ab und gehen rüber ins Office II um uns, wie jeden Morgen, unserem ersten Kaffee des tage zu widmen. Wir tauschen uns über das vergangene Wochenende aus, bzw. dem was davon noch in Erinnerung geblieben ist. Mir geht es nicht gut, das merke ich deutlich. Der Kater, die Nachklänge der Drogen, machen es mir merklich schwer den Gesprächen der Kollegen ganz zu folgen.

„Die Anlage muss heute noch fertig und wenn die Monteure so weit sind, dann kann schon jemand mit der nächsten Anlage anfangen!“ sagt Eddie in einem lustlosen Ton. Immer wieder derselbe Scheiß. Seitdem der Projektingenieur bei uns für 3 Monate da war, muss in immer kürzerer Zeit immer mehr produziert werden. Die Engpässe in der Materiallieferung passen sich leider immer noch nicht unseren Produktionszeiten an. Die Probleme waren schon vor dem neuen Takt Plan da und scheinen sich auch nicht zu ändern. „Da bring auch ein Produktionsingenieur nichts, wenn man das eigentliche Problem nicht an der Wurzel packt!“ höre ich mich sprechen, meine Arbeitskollegen nicken. Heute will der Chef nach dem Mittagessen eine Ansprache halten, es geht um die Arbeit am Wochenende. „Das wollen die uns auch noch nehmen, am besten auch noch die Früh und die Spätschicht!“ wütet Dennis verärgert.

„Hey Christian, lass mal noch auf ein Bier in die Bürger!“ Wie oft ich den Satz in meinem Leben gehört habe und wie oft es wirklich bei einem Bier geblieben ist? Eigentlich nie. Bunte Lichter bahnen den Weg in unsere Stammkneipe, die Musik dröhnt dumpf in meine Gehörgänge, viele verzerrte Gesichter um mich, kein klarer Blick. Getuschel von mir unbekannten Personen, die zu mir aufschauen als würde die mich kennen, egal, Patrick kommt erneut mit einem „Herrengedeck“ um die Ecke und wir setzen an. „Ich verschwinde mal eben auf Klo, halte du uns schon mal zwei Plätze in der Raucherecke frei!“, flüstere ich zu ihm rüber. Wieder zurück sitzt Patrick mit zwei Bekannten Damen an einem Tisch und deutet auf dem neben ihm freien Platz, ich lass mich auf die Bank fallen.

Die Zeit schleicht, wie jeden Montagmorgen, sehr langsam vor sich hin. Ich blicke im 15 Minuten Takt auf meine Armbanduhr und denke nur, Verdammt nochmal! Noch eineinhalb Stunden bis zur Mittagspause, das kann doch nicht angehen! Um die Ecke kommt unser Chef, fragt nach dem aktuellen Stand der Anlage. „Wird alles pünktlich fertig, Chef!“, sagt Daniel im leicht gehässigen Ton. Genau das was der Chef von uns hören will. Bei der Frage nach unserem Wohlbefinden ist er schon auf dem Weg zur nächsten Station um da nach dem Rechten zu schauen. Eigentlich kann er sich die Frage auch sparen, wenn er keine Antwort darauf haben will, denke ich mir nur und widme mich wieder meiner Arbeit. Naja, es ist nur noch eine drei viertel Stunde bis Mittag.

Wie kann man so viel Müll auf einmal von sich geben und sich dabei auch noch so geil fühlen? , schießt es mir durch den Kopf bei dem Anblick der beiden Gestalten, die mir und Patrick gegenüber sitzen. Was die wohl genommen haben? Möglicherweise ähnliche Substanzen wie ich. Es ist 3:05 Uhr, aus einem Bier wurden jetzt mittlerweile 3 und noch umso mehr Kurze. Der Laden ist voll. Gepöbel und Gelalle dröhnen im Hintergrund. Da hat jemand anscheinend ein Problem damit, dass seine Freundin von einem Gast dumm angemacht wird. Es wird lauter. Die Security rennt vom Eingang aus Richtung Raucherecke zur Auseinandersetzung. Er versucht zu beschwichtigen, doch der sich in seiner Ehre Verletzte Freund lässt sich nicht zur Ruhe bringen. Die Freundin kreischt auf ihren Freund ein, am Ende müssen alle Drei gehen. Es wird wieder ruhiger. „Hast du das jetzt eigentlich mit deiner Freundin geklärt, Christian?!“, fragt Maylin in meine Richtung. Eine Frage, die ich jetzt grad überhaupt nicht gebrauchen kann. „May, lieb dass du fragst, habe jetzt aber keinen Bock drüber zu reden.“ Erfolgreich abgewürgt. Ich gehe nochmal los um für uns alle Nachschub zu bestellen.

Endlich Mittag! Gott sei Dank! Ich sitze mit meinen liebsten Arbeitskollegen am Tisch und wir essen unsere Stullen. Langsam habe ich wieder Appetit, das sah beim Frühstück noch ganz anders aus, da hatte ich noch hart mit der Übelkeit zu kämpfen. Das ich mir das immer noch so antue! Seit 15 Jahren gebe ich am Wochenende immer Vollgas, das kann es doch auf Dauer nicht sein. Wenn ich das ganze mal so Revue passieren lasse, ist es wirklich so, wir waren 15 Jahre alt als ich und mein bester Freund Lukas uns das erste Mal im Keller meiner Eltern, an deren Spirituosen bedient haben. Statt mal mit einem Bier anzufangen, nein, wir haben uns gleich mit Weinbrand abgeschossen. Lieber von Rembrandt gemalt als vom Weinbrand gezeichnet! , muss ich lachend an den Spruch von Heinz Strunk denken, auch wenn dieser Spruch vom Inhalt her gar nicht mal so witzig ist. Seitdem haben wir uns fast jedes Wochenende getroffen um uns Bier, Schnaps und Kippen zu kaufen und uns später mit Klassenkameraden im Park zu treffen, um das zu tun was Jugendliche in unserem Alter so machen: Abhängen!

4:35 Uhr, der Laden leert sich langsam, ich schaue auf mein Handy: 4 Anrufe in Abwesenheit und 12 Neue Whatsapp Nachrichten, alle von Ina. Ich steck mein Handy wieder ein und ignoriere die Nachrichten, so wie ich es immer tue. „Die macht sich doch nur sorgen, ruf mal zurück oder schreib ihr zumindest wo du mit wem bist.“, versucht mir Patrick gut zu zureden. Auch das ignoriere ich mit den Worten: „Ich bin kein Kleinkind mehr und in einem Kontrollstaat leben wir auch nicht.“ Er schüttelt mit dem Kopf: „Musst du selber wissen!“ An sich hat er ja recht, es würde mir immens viel Ärger ersparen, würde ich Sie auf den laufenden halten, doch habe ich nie Lust mit ihr zu diskutieren, wann ich wo zu sein hab. An Abmachungen kann ich mich immer schlecht halten, dafür bin ich einfach zu stur. Und wenn ich ihr von vorneherein mitteile, wie ich den Abend gestalten möchte, dann hab ich schon die nächste Diskussion am Laufen. Deswegen, meine ich, ist es die bessere Lösung, das Gespräch auf den nächsten Morgen zu verschieben, wo ich eh Zerstört vom Vorabend auf der Couch liege und ihr nach dem Mund rede. Naja, wir haben ja schon den nächsten Morgen und die Abmachung, dass ich spätestens um 1:00 Uhr wieder zu Hause bin, habe ich mal wieder nicht einhalten können.

13:35 Uhr: „Lass mal eine rauchen“, sagt Finn mit einem Augenzwinkern in meine Richtung, ich geh mit ihm raus und zünden uns eine Zigarette an. „Was ging bei dir am Wochenende?!“ „Das übliche, weißt du doch!“ „War wieder im Proberaum, so wie immer, bei dir?!“. „Hatte Freitagabend Training und dann war ich noch auf einem Geburtstag, schön Vollgas gegeben. Kira und der kleine waren zu Hause, war mal wieder ein langer Abend. Samstag war ich noch bei meinen Schwiegereltern, da gab es auch wieder einen Kleinen. „So wie immer also!“, frage ich. Naja nur noch eine Stunde und wir haben wieder unsere Freiheit!“ „So sieht das aus min jung!“ Wir stiefeln zurück in die Halle um langsam die Schichtübergaben vor zu bereiten. „Der schlimmste Tag der Woche wäre dann geschafft! Jetzt nur noch vier Mal schlafen und dann kommt die langersehnte Freiheit und der ganze Trouble geht wieder von vorne los!“

7:39 Uhr: Ich mache einen „polnischen Abgang“ nach Hause.

Was mich wohl gleich wieder erwartet? , denke ich und leg mir schon mal meine Ausreden zurecht, wie ich ihr diese Eskapade erklären kann. Oh Mann, Christian was hab ich wieder gemacht? Tat das Not? Ist es das wert? Ich werde wieder nichts von dem Wochenende haben und das auch nur weil ich alles wieder vergessen wollte. Montag geht alles wieder von vorne los!

Nachtrag:

Ich für meinen Teil habe diesen immerwährenden Zyklus ganze 15 Jahre lang meines Lebens geopfert. Mit intensiveren und weniger intensiveren Konsum Phasen, dennoch war irgendeine Droge Teil meines Lebens. Die Geschichte spielt irgendwann in dem letzten und intensivsten Jahr meiner Drogenkarriere. Wie man schon herauslesen konnte, hab ich jegliche Kontrolle über mein Leben verloren und das an mehrere Drogen. Es war keine Selbstbestimmung mehr vorhanden, eher ein Automatismus der jedes Wochenende eingesetzt hat. Ich habe gemerkt, dass ich nicht nur mich selber kaputt mache, sondern auch die Beziehungen zu Menschen, die mir sehr am Herzen liegen. Meine Passion zur Musik konnte ich auch nur begrenzt genießen. Man sagt ja, dass bewusstseinserweiternde Drogen förderlich für kreative Aktivitäten wären. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Anfangs war es Gewiss aufregend durch Hilfe von Drogen Sachen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und klar kann sich das förderlich auf kreative Prozesse auswirken. Doch irgendwann geht das bei immer stetig steigendem Konsum verloren. Irgendwann hat die Droge einen beherrscht und nicht anders herum. Bevor ich alles verliere war es höchste Zeit für mich die Reißleine zu ziehen, das habe ich auch gemacht. Nun sitze ich hier und schreibe an dieser Geschichte und mir geht es besser denn je.

Ich bleibe erstmal mit meinem Felsblock auf dem Gipfel stehen und genieße die Aussicht.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sisyphos
http://schmieder.fmp-berlin.info/collectibles/pdf/sisyphos.pdf
Hat Spaß gemacht zu lesen und ich fühlte mich direkt in diesen Alltag, diesen Zirkel versetzt. Frei nach dem Motto: Und täglich grüßt das Murmeltier.
Es liegt in unserer eigenen Hand, jeden Moment zu leben bzw. uns genau in diese Richtung zu entwickeln.