Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Die Büchse der Pandora
#1
Hi,

ich bin 31 Jahre alt und auch ich habe diese Sucht. Ich mache mir sehr schwere Vorwürfe, da ich weder meinen eigenen Werten, noch den Bedürfnissen meiner Partnerin entsprochen habe. Ich habe in meinem Alltag, meinem Leben, bemerkt, dass sich etwas ändern muss, dass ich mich ändern muss. Vor einem Tag kam meine Sucht ans Licht. Meine Partnerin fand während ich schlief Nachrichten von einer anderen Frau auf einem Handy und konfrontierte mich zurecht. Ich gestand meine Sucht und entgegen aller Erwartungen bot mir meine Partnerin Hilfe an. Heute ist der erste Tag, Ground Zero an dem sich alles ändert.

[Prollog]
Es fühlt sich bemerkenswert eigenartig an hier meine Erfahrungen, Gefühle und Erlebnisse zu teilen aber ich erachte es als sehr wichtigen Schritt sein Verhalten anzuerkennen, um zukünftig damit umzugehen.

[Wie alles begann]
Als abgestoßenes Baby, bei meinen Großeltern aufgewachsen durchzog und bestimmte Hass und Gewalt mein mit Zorn erfülltes Leben. Als kleines Baby bekam ich flaschenweise Bier und Schnaps. Ich wurde weder gestillt, noch bekam ich ausreichend Nahrung und so begann mein Leben schon im ersten Jahr mit dem Kampf ums überleben. Ich wäre im alter von ca. 9 Monaten fast an Alkoholvergiftung und Unterernährung gestorben. Dies ging an meinen Großeltern nicht vorbei und schließlich wurde ich innerhalb der Familie von meinen Großeltern adpotiert. Die traumatischen Erlebnisse als Kleinkind führten dazu, dass ich seit dem ich 7 Jahre alt war agressiver und identitätsloser wurde. Mit 10 ging ich mit Baseballschlägern auf Nachbarskinder los. Auch hochprozentigen Alkohol nahm ich zu mir. mit 11 fing ich zu rauchen an. In meiner anfänglchen Schulzeit, also bis ich in die siebente Klasse kam, war ich mit all meiner Hilflosigkeit alleine. Meine Großeltern waren zum einen älter, zum andern aus einer anderen Generation. Wenig Auferksamkeit, eine harte Erziehung und Vorwürfe meiner Onkels und Tanten bestimmten meine Identität. Seit dieser Zeit befriedigte ich mich mindestens einmal am Tag. Meine Pupertät war sehr schwierig, da sich meine Identitätslosigkeit in Hass, Agression und Wut transformiert hatte. Aufgrund meiner Probleme wurde ich auch sehr oft in der Schule blutig geschlagen, manchmal so sehr. Irgendwann als meine Muskeln wuchsen schlug ich härter, öfter und fester zurück. Mein letztes Opfer 2011. Ihn habe ich fast tot geschlagen und das tut mir unendlich leid. Ein bekannter verhinderte das schimmste. Verurteilt wurde ich durch ein Verfahrensfehler der Gegenseite nicht, ich hatte Glück. Seit 2011 hatte ich keine körperliche Auseinandersetzung mehr und ich meide diese Situationen da ich nie wieder jemandem so weh tun möchte. Mittlerweile sind meine Großeltern beide verstorben. Ich bin Ihnen dankbar und ich verstehe welches Glück ich hatte. Ich flüchtete in die Dopaminsucht der Befriedigung.

[Die Erkenntnis]
Seit 5 Jahren füre ich eine glückliche Beziehung und im Laufe der Jahre habe ich gelernt mit meiner Wut und meiner Agression umzugehen, allerdings ohne diese Traumata aufzuarbeiten, was ich ändern möchte. Ich bin auch entgegen aller Erwartungen beruflich sehr  erfolgreich, da ich Hass zu kanalisieren lernte und für Antrieb nutzte. Mit meiner Partnerin habe ich 4,5 Jahre kein Sex, da ich ohne Pornos keine Errektion bekam. Ich erfand Ausreden. Heftige Streitereien, Frustrationen, Enttäuschungen und Hoffnungslosigkeiten waren das resultat. Trotzdem bleibt meine Partnerin bei mir und bietet mir Hilfe an da Sie mich liebt. Gestern gestand ich meine Traumata und mir wurde bewusst, dass ich sehr viel in Sachen Ehrlichkeit, Intigriität, Werte, Selbstbewusstsein, Wertschätzung und Reflektion nachzuholen habe. Ich erkenne, dass die beste Hilfe das Teilen meiner Erfahrungen ist und desshalb möchte ich mich anonym hier öffnen. Ich liebe meine Partnerin und ich bin Ihr sehr dankbar. Ich flüchtete in eine Welt voller Pornos um mich von meinen wahren Problemen abzulenken. Damit ist jetzt schluss!

[Das Vorhaben]
Jeden Tag werde ich meinen Blog, sofern das hier möglich ist, um einen Tag mit meinen Erfahrungen und Emotionen meines Lebens erweitern. Außerdem möchte ich aktiv mein Leben bestimmen und daher werde ich mir noch eine annonyme Selbsthilfegruppe für sehr agressive Menschen suchen um auch mit andern darüber zu sprechen.

[Das Ziel verfolgen]
im laufe meines Lebens habe ich es geschafft meine Alkohol- und Drogensucht zu bekämpfen ohne Rückfällig zu werden. Ich habe so gut wie mit dem Rauchen aufgehört. Ich bin anderen Menschen nicht mehr Gewalttätig. Ich möchte meine sexuelle Störung heilen und auch hier Herr meines Lebens meiner Zeit und meines Glückes werden.
Antworten
#2
Hallo Dizzy,

erst einmal herzlich willkommen im Forum.

Du kannst hier gerne ein Tagebuch führen, aber das hast du bestimmt bereits selbst entdeckt.

Deine Geschichte ist mehr als heftig und sie hier so strukturiert niederzuschreiben ist stark.

Du hast mich jetzt schon beeindruckt, weil ich es hier im Forum noch nie erlebt habe, dass sich jemand so klar und strukturiert vorstellt. Ich denke du hast den richtigen Drive um deine Ziele zu erreichen.

Ganz ehrlich, und damit will ich weder die Pornossucht per se abmildern noch alle die hier kämpfen in irgendeiner Weise klein machen, bei all dem was du in deinem Leben geschafft hast ist die Pornosucht wahrscheinlich ein Problem das du „einfach“ in den Griff kriegen kannst.

Ich bin mir sicher, das 9 von 10 Menschen mit einer vergleichbaren Biographie heute im Knast sitzen, drogenabhängig sind oder leider sogar schon tot sind.

Ich ziehe meinen Hut vor dir und wünsche dir, dass der Sieg über die Pornosucht der letzte Baustein für ein glückliches Leben ist.

Deine Freundin ist fabelhaft. Vier Jahre ohne Sex auszukommen und nach der Entdeckung der Sicht so zu reagieren, zeigt dir , wie sehr sie dich liebt. Enttäusche sie nicht!
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=17732]
Antworten
#3
Hi Schokoprinz,

vielen Dank für das Lesen und deine Antwort. Du hast recht, der Grund warum ich sehr lange nicht über meine Vergangenheit gesprochen habe ist der, dass mein Leben als Tragödie angefangen hat und das in einer Form, die unglaublich erscheint. Ich dachte, mir würde sowieso keiner glauben da man solche Geschichten meist nur im Fernsehen sieht. Das war falsch. Der Preis, nicht dem gesellschaftlichen Weg ins Gefängnis, Abhängigkeit oder Tod zu folgen, war sehr hoch. Ich schwor mir ein guter Mensch zu werden, allein aus Dankbarkeit gegenüber meinen Großeltern. Der angesprochene Preis für das Durchbrechen gesellschaftlicher Normen wurde mir nach dem Verlust meiner Großmutter klar. Sie starb in der Zeit als ich meine Abi nachholen wollte und ich hatte keine Hilfe. Keine Pädagogen die mir in der Schule halfen oder entfehrnte Verwandte, die zu mir standen. Im Gegenteil man wollte mich versagen sehen. Selbst meine damaligen Klassenkameraden traten inform von Worten nach. Nur eine kleine Handvoll Freunde, ich hatte großes Glück, halfen mir. Mit Ihnen bin ich heute noch befreundet. Der Preis war die gesellschaftliche Abschottung, Alkohol, Einsamkeit, Schmerz, Selbstzweifel und Vorwürfe. Mein Großvater starb leider erst vor kurzem und der Verlust sitzt noch tief. Seit vielen Jahren schliff sich die Pornosucht ein. Seit seinem Tod wurde es von Tag zu Tag schlimmer bis zum Tag- Ground Zero, als ich mit der Sprache rausrückte.

Ich bin dankbar für jeden Teilnehmer in diesem Forum, Ihr zeigt, dass ich nicht alleine bin und das es Lösungen gibt um diese Sucht zu Therapieren. Wir schaffen das.
Antworten




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste