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5 Monate - Vorfälle und Selbstbefriedigung?
#1
Guten Abend,

ich wollte mich heute registrieren und habe festgestellt, dass ich hier seit fast genau einem Jahr einen Account besitze. Big Grin

Mein Leidensdruck ist momentan sehr hoch. Ich bin seit ca. 5 Monaten abstinent nach über 10 Jahren und auch wahnsinnig stolz. Nichtsdestotroz ist es gerade schwer. Im Umfeld hat man keine Menschen, die das verstehen oder dasselbe durchmachen, was den Leidensdruck nur erhöht. Durch den Druck in meinem Alltag, der seit 1-2 Monaten erhöht ist, habe ich starken Suchtdruck. Fast jeden Tag. Das ist kraftenziehend ohne Ende. Habt ihr Tipps? Ich meditiere täglich mindestens 2 mal seit einem 3/4 Jahr, hab ein recht gesundes Leben. Das bewahrt mich aber nicht von dem Drang nach Pornographie.

In den 5 Monaten hatte ich zwei Vorfälle. Bei einem bin ich mir nicht sicher, ob er als Vorfall oder Rückfall zu deuten wäre und beim anderen ziemlich sicher, dass ich ihn als Vorfall sehe. Gerne hätte ich eure Meinung dazu.
Vor einigen Monaten habe ich zu einem auf Youtube öffentlichem Video masturbiert, worin sexuelle Handlungen zu sehen waren, ohne FSK Zeug. Man hat quasi nur die Bewegung und den Menschen gesehen. Da bin ich mir recht unsicher, habe dann aber festgestellt, dass für mich das Rückfallrisiko bei solchen Aktionen zu hoch ist und versuche das komplett zu unterlassen Grauzone hin oder her.
Beim anderen Vorfall hatte ich gestern Schwierigkeiten mich in ein bestimmtes Szenario hineinzuversetzen und wollte durch ein Bild die Anregung, das besser tun zu können. Das war ein ziemlich explizites Bild und verdammt, ich war wirklich kurz vor einem Rückfall, weil mir auch Videos vorgeschlagen worden sind. Das Einzige, was mich abgehalten hat war, dass ich aktuell noch in Suchtbehandlung (wegen was anderem) bin und dort offen damit umgehe, somit hätte ich das "Versagen" mitgeteilt.

Trotzdem habe ich gemerkt, dass allein dieses Bild in meinem Gehirn was hervorruft, was dem sehr Nahe kommt, wie ich mich in der Konsumzeit gefühlt habe. Ich denke, dass das Risiko auf Suchtverlagerung zu pornographischen Bildern oder das Rückfallrisiko zu hoch wäre, um sowas ab und zu mal zu machen. Ist es nun als Rückfall oder Versagen zu werten, wenn man solche Vorfälle hat?

Ich habe auch Schwierigkeiten, ein gesundes Masturbationsverhalten zu entwickeln. Es hat sich zwar stark gebessert aber ich kann nicht einschätzen, wann es nur ein Suchtverlangen oder Gewohnheitsmuster ist und wann es ein echtes Verlangen ist. Wann ich es tun sollte und es gesund für mich ist und wann nicht. Obwohl ich auch über einen längeren Zeitraum vollkommen darauf verzichtet habe, ist es immer noch schwer für mich, das zu erkennen. Ich möchte auch hier nicht in ein Suchtverhalten fallen und habe häufig Angst/verbinde schon negative Gefühle mit Masturbation weil ich mir denke: "Du darfst das nicht, das ist jetzt schlecht, das ist nur Suchtverhalten". Ich weiß nicht, ob ich zu streng bin. Ich weiß nicht, wo ich die Grenzen setzen muss. Habt ihr ähnliche Erfahrungen oder Anregungen, wie ich damit besser umgehen kann?

Danke für die Mühe!
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#2
Hi MrC,
Es gibt immer mal Phasen die schwerer sind ... wenn du Sie aber durchstanden hast wird es besser.

Was wie wo als Rückfall zu werten ist .. naja da scheiden sich die Geister ... das wichtigste ist das du merkst wenn etwas nicht richtig war und ab dann unterlässt. Gerade vermeintlich harmlose youtube können einen schnell durch vorgeschalgene Videos in eine Falle locken .. ich kenne das auch selbst aus eingener Erfahrung.

Auf Masturbation hatte ich bei meinem ersten Versuch ganz verzichtet .. nach einem Rückfall erlaube ich es mir aber ... ohne Hilfsmittel und ohne Medien ... auch dies dann nicht täglich, sondern alle paar Tage wenn der Druck zu groß wird. Damit komme ich soweit ganz gut klar und habe nicht den Eindruck das dies zu einem Suchtverhalten führt, wenn es nicht zu häufig ist.

Weiß nicht ob dir das hilft, ist nur meine persönliche Erfahrung.
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=18564]
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#3
Hey MrC!

Also meiner Meinung nach ist ersteres auf jeden Fall ein Rückfall.
Masturbation zu Material, dass Dopamin bei uns Süchtigen ausschüttet, ist ein Rückfall. Egal ob es explizite Pornos, Bilder, irgendwelche sexuellen (oder sogar nicht sexuellen) Videos oder sogar Gedanken sind.

Dein Gehirn kriegt, was es mit dem Suchtdruck erreichen will. Es kriegt das Dopamin. Und es wird sich wieder merken. Sexuelle Inhalte -> "Gut."

Zu dem anderen Vorfall:
Du hattest Schwierigkeiten dich in ein Szenario reinzuversetzen. Um welches Szenario ging es? Und ging es dir WIRKLICH um das Szenario oder hat dir die Pornosucht das nur eingeredet?
Diesen Vorfall würde ich nicht als Rückfall einstufen, aber extrem knapp davor. Es wird immer wieder Momente geben, in denen uns die Pornosucht einreden will, dass wir "nur den Artikel durchlesen wollen" oder uns halt "in ein Szenario reinversetzen wollen", obwohl es ganz klar um den sexuellen Inhalt geht. Man muss sofort in diesen Momenten aufwachen. Sich bewusst machen, dass es einem NICHT um Ausrede XY geht, sondern um die sexuellen Inhalte.

Und zu der Masturbation:
Man hat sich sehr lange antrainiert, Masturbation mit Pornos zu verbinden. Dementsprechend ist es schwierig, diese beiden Empfindungen auseinander zu halten.
Aber irgendwann merkt man den Unterschied. Nur wenn deine sexuelle Lust KOMPLETT ohne Gedanken an Pornografie ausgelebt werden kann, ist es ein gesundes Masturbationsverhalten. Alles andere ist durch den Pornosuchtdruck verursacht.

RedBlob
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=17381]


"Willensstärke ist der Kampf zwischen dem, was man jetzt will, und dem, was man wirklich will."
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#4
Danke für euer Feedback! Beide Beiträge haben mir geholfen. RedBlob, du hast wohl mit deiner Rückfall/Vorfall-Analyse recht. Auch das mit den Gedanken ist mir vor einiger Zeit mal in den Kopf gesprungen. Wir haben ja ein unglaublich großes Archiv an Pornos in unseren Köpfen abgespeichert und es ist wirklich harte Arbeit, diese nicht abzurufen.

Bezogen auf das Szenario hatte ich tatsächlich Schwierigkeiten, mir etwas vorzustellen. Ich hätte es bestimmt auch irgendwie ohne geschafft. Oder eben nicht, wäre auch nicht fatal gewesen. Immerhin weiß ich nun, dass das für mich ein zu großes Risiko ist. War eine wichtige und gute Erfahrung.

Das Masturbationsthema ist bei mir noch etwas komplexer, weil es nicht nur mit der Pornosucht sondern auch mit Traumaerfahrung verbunden ist. Pornosucht war auch eine Traumafolge. Da werde ich wohl noch andere Eckpfeiler anpeilen, bevor ich das in eine "gesündere" Richtung steuern kann. Aber der Weg aus der Pornosucht ist einer der elementarsten dazu. Ich denke da wird die Zeit und ein gesunder innerer Kritiker zeigen, wo die Grenzen liegen und welches Maß in Ordnung und gut für mich ist.

Dankeschön!
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