Pornosucht und Drogensucht – Vergleichbar?

Wenn man bei Wikipedia nach Abhängigkeit oder Sucht sucht, stößt man auf die folgende Definition:

Abhängigkeit (umgangssprachlich Sucht) bezeichnet in der Medizin das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand.

In diesem Artikel wollen wir auf die Unterschiede von Pornosucht und Drogensucht eingehen.

Das Belohnungszentrum

Eine kürzlich erschienene Studie der Universität Cambridge zeigt, dass der Konsum von pornografischen Inhalten die gleichen Areale des Gehirns aktiviert wie etwa Alkoholismus oder die Abhängigkeit von Drogen.

pornoscan

Quelle: http://www.independent.co.uk/

Patienten die laut eigener Aussagen pornosüchtig waren, sowie eine Testgruppe mit Probanden, die keine Anzeichen von Pornosucht hatten, wurden durch eine Magnetresonanztomografie untersucht. (hier geht es zu unserem Test)

Wir haben vermehrt Aktivität im sogenannten ventralen Striatum Gehirnareal festgestellt, ein Belohnungszentrum, das für Belohnung, Motivation und Genuss zuständig ist.- Dr Valerie Voon

hinzu fügte sie:

Wenn ein Alkoholiker eine Werbung für einen Drink sieht werden dieselben Areale aktiviert und stimuliert wie ein ein Nutzer der sich pornografische Inhalte ansieht.- Dr Valerie Voon

Die Studie wurde in einer Dokumentationsreihe „Porn on the Brain“ Ende 2013 veröffentlicht und ist damit eine der ersten wissenschaftlichen Studien, die sich mit dem Thema Pornosucht und deren Folgen beschäftigte.

Das Thema Pornosucht ist so neu, dass das Thema erst nach und nach erschlossen wird und aktiv in den Behandlungsfokus von Psychologen rückt.

Unterschiedliche Kausalitäten und Praxis

Wie wir im ersten ausgeführten Punkt sehen können, verläuft die Such nach pornografischen Inhalten und Alkoholismus bzw. Drogen von der Art der Gehirmströmungen sehr ähnlich ab. Nun wollen wir uns die Sucht in der Praxis ansehen:

Vielfalt vs. Dosis

Die Sucht nach Alkohol oder Heroin ist einfach in Worten beschrieben. Das Gehirn hat sich auf eine gewisse Droge eingestellt und möchte lediglich mehr, um seine Dosis zu bekommen. Irgendwann nach einiger Zeit flacht der Effekt ab und man braucht für das gleiche Ergebnis (High-sein) eine höhere Dosierung. Der Körper adaptiert an die Dosis und der gewünschte Effekt stellt sich ein. Die Menge bzw. das Verlangen nach der Substanz steigern sich. (Siehe mehr beif Zimbardo)

Erkennbare Parallelen

Bei der Pornosucht verhält es sich ähnlich. Prinzipiell findet man vergleichbare Faktoren bei den „neueren“ Süchten wie Internetabhängigkeit, Sucht nach Videospielen und natürlich der Pornosucht. Der Süchtige möchte nicht unbedingt mehr, sondern eher neue und aufregende Eindrücke. Dabei ist es für Süchtige wesentlich stimulierender (Coolidge Effekt), wenn sie immer neue Pornos sehen können und immer mehr verschiedene Eindrücke erlangen – und dies mit nur ein paar Mausklicks.

Mit oftmals über 30 verschiedenen Tabs können pornografische Inhalte geladen werden,  ein Süchtiger kann in einem Monat mehr attraktive Frauen erleben als ein Mensch aus dem 19. Jahrhundert in seinem gesamten Leben.

Der direkte Vergleich zur Internetabhängigkeit sowie den Videospielen nicht weit. In der Tat erscheinen diese Süchte oft Hand-in-Hand. Bei der Internetabhängigkeit suchen Süchtige immer nach neuen aufregenden Inhalten wie Youtube-Videos oder Bildern und verfallen dabei fast in einen „Autopilot“ Modus. Oftmals wissen Süchtige nicht einmal, was sie die letzten vier Stunden auf Streaming-Portalen angesehen haben und klicken nur, um ihr Dopamin auf einem konstanten Level zu halten.

Fazit

Natürlich muss man sich des Umstandes bewusst sein, dass es verschiedenste Auswüchse und Stadien von Sucht gibt. Dass diese bei den verschiedenen Formen unterschiedlich schnell spürbar (z.b. Heroin oft nach dem ersten mal) sind, liegt auf der Hand. Vergleicht man aber Handlungsmechanismen, die sich aus einem typischen Suchtverhalten ableiten lassen, haben sowohl die Abhängigkeit nach Drogen und Pornografie eine Gemeinsamkeit, denn dass man sie beide unter dem Begriff „Sucht“ unterordnen kann.

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