AussenseiterSoziale Folgen der PornoSucht

Trotz des völlig freizügigen Internets gilt der Konsum von Pornos noch weitestgehend als Tabuthema. Außer in sehr engen männlichen Freundeskreisen wird kaum über das Thema gesprochen. Dies ist kein Wunder, da es kaum etwas intimeres gibt als die eigene Sexualität. Das hochsensible Thema ist ein Phänomen. Trotz des nachweislich massiven Konsums von digitalen sexuellen Inhalten, wird die Sache kategorisch unter den Teppich gekehrt.

Kaum einer ist so liberal und redet öffentlich davon, wie viele Pornos er schaut oder wo die Vorlieben liegen. Und das muss natürlich auch nicht sein. Wer weiß, vielleicht würde der Konsum noch weiter zunehmen, wenn das Schauen von Pornos salonfähig gemacht werden würde.

Heimlich, still und leise

Wer Pornos konsumiert, tut dies im stillen Kämmerlein. Man geht auf Nummer sicher und achtet tunlichst darauf, dass man nicht auf frischer Tat erwischt wird. Dies ist damit zu erklären, dass das Erwischt werden höchst peinlich ist. Diese mit Scham besetzte Situation führt dazu, dass man Vorsorgemaßnahmen treffen muss. Also sieht man zu, dass man alleine im Raum oder der Wohnung ist, dass die Tür gut verschlossen ist oder das irgendwie anders verhindert wird, dass jemand etwas mitbekommt. Die ist nicht gerade mit wenig Aufwand verbunden. Dieser Aufwand beinhaltet nicht einmal den körperlichen Stress, sondern die psychische Belastung. Es ist dafür zu sorgen, oft wachsam zu bleiben und immer ein Auge darauf zu haben, dass niemand in das Zimmer kommt, wo die Pornos konsumiert werden.

Da man normalerweise alleine schaut, kann dies bei extremem Konsum zu sozialer Isolation führen. Wem die Pornofilme mit Schauspielerinnen wichtiger werden als echte Menschen, der läuft Gefahr, sich nach und nach zurück zu ziehen. Ein weiteres Problem sind die Spuren, die man im Internet hinterlässt. Da ist auf der einen Seite die sogenannte History im Internet-Browser, in der die zuletzt besuchten Seiten allesamt aufgelistet werden. Würde man sich ausmalen, wie manche nahestehenden Personen dies registrieren würden, könnte man teilweise vor Scham im Boden versinken. Und positiv für den eigenen Ruf ist das mit Sicherheit auch nicht.

Auf der anderen Seite sind es die Gefahren, die sonst im Internet lauern. Ehe man sich versieht, geht man vielleicht auf den oft sehr unseriös gestalteten Pornoseiten auf ein Abonnement oder Ähnliches ein. Sollte letztendlich echt mal Post von einem Porno-Vertrieb bei einem landen und die Mitmenschen würden das mitbekommen, wäre es mit Sicherheit ebenso unangenehm.

Ansprechen oder schweigen- das Dilemma des Konsumenten

Wer erkennt, dass er unter Porno-Sucht leidet, kann sich danach Hilfe suchen. Doch wo fängt man an? Normalerweise zieht man bei Problemen seine engsten Vertrauten zu Rate. Aber ist das bei dieser Thematik auch passend? Man weiß nie, wie die anderen reagieren. Manche könnte das Thema belustigen, andere könnten angewidert reagieren. Die eigene Freundin wäre mit Sicherheit nicht gerade erfreut über die selbst gestellte Diagnose. Oft stößt diese Problematik jedenfalls auf totale Ablehnung.

Um nachhaltige negative soziale Konsequenzen zu verhindern, sollte man sich genau überlegen, ob und wem man sich öffnet. Wenn man selbst Techniken zur Hand hat, die die Sucht bekämpfen können, ist ein Ratschlag aus dem Umfeld auch nicht einmal notwendig. Deshalb gilt: Vorher abwägen, ob die, Vorteile oder Nachteile beim „Outing“ überwiegen.

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