Rauchstopp und das Ende der Pornosucht –  Zwei neue Phasen mit Ähnlichkeiten (Teil1)

WillenskraftEs ist schon schön, das ein oder andere Laster zu haben. Natürlich kriegen wir ständig mit, wie viele Dinge so schädlich sind, dass wir eigentlich unverzüglich damit aufhören sollten. Dennoch sind die kleinen Sünden des Lebens auch manchmal das, was es lebenswert macht. Irgendwann ist aber der Zeitpunkt erreicht, an dem es „Klick“ macht im Kopf und man weiß, dass das Ende des Lasters bald kommen sollte.

Um nach diesem Prozess nicht einen langen Leidensweg angehen zu müssen, sollte man sich ein paar Dinge bewusst machen. In diesem Artikel wollen wir zwei Arten von Süchten gegenüberstellen und aufzeigen, wie sich die Aufgabe der jeweiligen Suchtstoffe ähnelt, obwohl es auf den ersten Blick zwei völlig verschiedene Dinge sind. Dafür konnten wir zwei Gast-Kolumnisten gewinnen, die kurz und prägnant von ihrer Zeit nach der Sucht berichten- und unfreiwillig deutlich machen, wie die Arten, die neue Situation zu handlen, sich überschneiden.

Sebastian (fiktiver Name), 29, Ex-Raucher:

„Ich habe vor einem Jahr aufgehört zu rauchen- das war im Alter von 28 Jahren. Seitdem ich 14 war, habe ich quasi geraucht. Und ich habe es geliebt. Rauchen gehörte bei mir immer dazu und für mich war es fast wie eine Ideologie. Trotzdem habe ich immer wieder gemerkt, wie schädlich der Rauch für mich ist. Da ich früher auch Asthmatiker war, habe ich es besonders doll gemerkt. Vor allem nach Abenden, bei denen auch Alkohol im Spiel war, war mir regelrecht schlecht, weil ich so viel geraucht hatte. Ich musste husten und hatte einen echt ekeligen Geschmack im Mund.

Da ich zu der Zeit Student war und es dementsprechend recht häufig zu Partys kam, nahm auch mein Konsum immer mehr zu. Als Student hat man aber leider in der Regel nie viel Geld- und da die Zigaretten teuer sind, machte sich mein Kontostand immer wieder bemerkbar. Eines Tages hatte ich einfach die Schnauze voll. Ich musste wieder husten, bereute wieder das extreme Rauchen in einer durchzechten Nacht. Also beschloss ich, es sein zu lassen. Das schlechte Gefühl vom Rauchen am Tag danach hielt ich mir danach immer wieder vor Augen. Ich trug diesen Gedanken und meine Entschlossenheit mit in die Woche und installierte mir eine App, die ausrechnete, wieviel Geld und „Lebenszeit“ ich durch die Abstinenz sparte. So konnte ich mir immer wieder vor Augen halten, wie lohnenwert das ganze war. Es gab natürlich immer wieder Situationen, in denen ich fast rückfällig wurde.

Doch genau die kannte ich und bereitete mich darauf vor. Ich suchte mir auf Partys andere Aktivitäten als das Rauchen. Ich kaute Kaugummi oder machte ganz einfache Atemübungen. Ehrlich gesagt ging mein Verlangen bis heute nie wirklich weg. Ich mag Zigaretten und sehe mich als „trockener Raucher“. Ich akzeptiere andere Raucher, aber zähle mich selbst nicht mehr dazu. Ich lerne es einfach, mich als Nichtraucher zu akzeptieren und gefalle mir in der neuen Rolle. Mit diesem Ansatz habe ich es bis heute geschafft, nicht mehr zu rauchen.

Carsten (fiktiver Name), 25, ehemals pornosüchtig:

„Ich kann schon behaupten, dass ich an die 3 Jahre lang pornosüchtig war. Na klar, jeder Mann hat heutzutage schon mal einen Porno gesehen. Das ist auch nicht unbedingt schädlich, würd ich behaupten. Was da allerdings am Ende bei mir abging, war nicht  mehr normal. Die Filme haben regelrecht mein Leben bestimmt. Nach dem Aufstehen, vor dem Einkauf, nach dem Einkauf, vor der Uni…ach, ich wollte immer und immer wieder Pornos sehen. Mit einem gesunden Maß hatte das nicht mehr viel zu tun. Irgendwann habe ich gemerkt, wie ich Probleme damit bekommen habe, mit „echten“ Frauen zu reden.

Da ich in der Pornowelt gefangen war, gab ich mir kaum noch Mühe, wurde abwertend oder gar beleidigend gegenüber Frauen. Die Reaktionen waren dementsprechend. Ohne echte Frau wollte ich aber natürlich auch nicht leben, das wurde mir dann irgendwann klar. Irgendwie kam es mir so vor, als würde ich von Frauen nur noch als Sonderling wahrgenommen werden. Nicht als einer, der in seiner Art irgendwie interessant wirkte, sondern als einer, der einfach nur respektlos ist und nervt.

So bekommt man natürlich keine Sexualpartnerin, oder geschweige denn eine feste Freundin. Die negativen Konsequenzen der Pornosucht wurden mehr als deutlich. Mir war völlig klar, dass ich übertrieben hatte und mich schleunigst ändern musste. Das schwierige war, einfach mal Initiative zu ergreifen. An einem Tag durchbrach ich meinen Trott einfach, klappte den Laptop zu und ließ die Filme geschlossen. Es klappte erstaunlich gut. Ich fing ehrlich gesagt wieder an, ohne Pornos zu masturbieren- das ist weniger schlimm als die Pornos und macht den Entzug nicht so „kalt“. Mir fiel auf, dass ich mit der Zeit wesentlich entspannter wurde und ich mich selbst nicht mehr dazu zwingen musste, Pornos anzuschauen.

Nach und nach verstand ich mich auch wieder besser mit weiblichen Personen aus meinem Umfeld und der erste Sex nach der Pornosucht ließ auch nicht zu lange auf sich warten. Mein Leben war deutlich besser. Ich weiß, dass man ständig mit sexuellen Inhalten in den Medien konfrontiert wird. Doch ich gehe nun gelassener an die Sache heran. Ich habe gelernt, mich selbst zu beobachten. Bei jedem sexuellen Reiz bin ich früher direkt auf eine Pornoseite gegangen, um mir Filme anzuschauen. Heute lass ich die Bilder einfach so stehen, atme einmal durch und klicke weiter. Mir ist inzwischen klar, dass diese Reizüberflutung krank machen kann und die Inhalte nicht der Realität entsprechen. Die Libido ist glücklicherweise immer noch da, doch ich kann Sie heutzutage wieder in echte Beziehungen kanalisieren.“

Zwei Schlaue, ein Gedanke

komfortzoneObwohl die Abhägigkeiten sich auf solch verschiedene Dinge beziehen, haben sie doch so viel gemeinsam. Sebastian und Carsten haben von sich aus irgendwann den Entschluss gefasst, ihr Leben zu ändern. Ihnen wurde klar, dass ihr derzeitiges Verhalten sie ruiniert – psychisch oder auch körperlich. Außerdem ist ihnen offensichtlich genau aufgefallen, welche Situationen besonders riskant für sie sind. Mittlwerweile können sie beide mit diesen Gefahrensituationen umgehen, weil sie sich kennen- und adäquat darauf reagieren!

Es ist imposant, wie man durch Akzeptanz der Reize, mit denen man so oft konfrontiert wird, die Sucht bekämpfen kann. Die beiden hier präsentierten Erfahrungsberichte können gleichermaßen Inspiration und Motivation sein für Menschen, die sich noch einer Sucht ausgesetzt fühlen.

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