Willenskraft trainieren – Geht das überhaupt?

WillenskraftSpeziell beim Thema Sucht spielt die Willenskraft eine extrem große Rolle. Man muss sich aktiv dazu zwingen auf etwas zu verzichten, sei es physisch wie bei manchen Drogen oder psychisch, wie etwa beim Fingernägelkauen.

Doch was ist Willenskraft eigentlich und kann man diese trainieren? Ein sehr abstraktes Thema und schwer zu umfassendes Thema, das hier zumindest in seinen Grundzügen erklärt werden soll.

  1. Willenskraft ist wie eine Leiste

„Wenn du mal Computerspiele gespielt hast weißt du was ich damit meine. Oftmals wird Willenskraft hier als „Mana“ bezeichnet, das man für Zauber verwenden kann oder das die Leiste für Lebensenergie darstellt. Eine etwas abstrakte Erklärung, die aber auf unser Thema bezogen schnell deutlich macht, worum es gehen könnte.

Speziell für Männer, die süchtig nach Pornographie sind, ist diese Erkenntnis enorm wichtig. Willenskraft verhält sich wie eine Leiste, die jeden Tag aufs neue verbraucht wird. Je nach körperlichen Voraussetzungen, Umwelt etc. startet man in den Tag und verbraucht bei jeder Entscheidung einen Bruchteil seines „Manas“ bzw. eben dieser Willenskraft. Die Leiste leert sich, je nachdem was für Entscheidungen getroffen werden.

  1. Willenskraft ist wie ein Muskel

Wie bei Muskeln kann diese Willenskraft jedoch trainiert werden. Wie beschrieben leert sich eine fiktive Leiste je nach Art und Weise der Entscheidung die man zu treffen hat. Lernt man also seine Entscheidungen zu verbessern, kann man diese Leiste wie einen Muskel trainieren und wachsen lassen. Die Leiste an vorhandener Willenskraft vergrößert sich auf Dauer, als würde man in ein Fitnessstudio gehen und seinen Bizeps trainieren.

Doch wie kann man das für sich selbst nutzen? Ganz einfach: Man trifft Entscheidungen, auch wenn sie noch so klein sind absolut bewusst und fokussiert darauf, was man eigentlich tut. Jedes Mal, wenn Ihr Körper bzw. Ihr Kopf mit Ihnen spricht und sagt: „Schau einen Porno an!“ und Sie sch dagegen entscheiden, wächst die eigene Willenskraft. So ist es beim nächsten Mal wesentlich einfacher dem Drang zu wiederstehen (vgl. auch Aufhören – Aber wie?).

Wie kann man diese Punkte nutzen, um seine Willenskraft zu optimieren?

Entscheide bewusst, wofür du deine Willenskraft verwendest.

Doch wie funktioniert das? Ganz einfach: Indem du bewusst Entscheidungen triffst, wann du Willenskraft „verbrauchst“ bzw. wann du Willenskraft einsparen kannst. Das erste, was wir beim Coaching machen ist beispielsweise rauszufinden, welche Gewohnheiten und Muster der Süchtige hat bzw. in welchen Situationen er den Drang hat Pornos zu schauen. Haben wir das getan, versuchen wir zuerst diese Gewohnheiten durch andere Gewohnheiten zu ersetzen, um Willenskraft zu sparen, die man für andere Situationen braucht.

In der Praxis sieht das beispielsweise dann folgendermaßen aus:

Oftmals schauen sich junge Männer im Bett Pornos auf Ihrem Laptop an, gerade bevor sie schlafen gehen. Hat man das erkannt, kann man einfach Abhilfe verschaffen, indem man den Laptop einfach nicht mehr ins Bett nimmt oder im Wohnzimmer lässt, um garnicht auf die Idee zu kommen im Bett zu konsumieren. Hat man das getan, spart man die Willenskraft die man benötigt um NICHT Pornos im Bett zu sehen ein. Natürlich ist dies nur ein kleiner Anfang, aber der richtige Schritt, um sich nach und nach einen bewussten Entscheidungsfokus anzutrainieren und damit die eigene Willenskraft zu stärken und zu schonen.

Ein anderes praktisches Beispiel, welches otmals bei jungen Männern der Fall ist. Sie wollen keine Pornos schauen und surfen dafür auf Facebook oder Youtube herum. An sich kein Problem, würde man nicht irgendwelche kleinen Bilder sehen, die Ihre Sucht ankern (beispielsweise attraktive Frauen,  Dekoltees etc.) – womit sie relativ schnell wieder in alte Muster verfallen und auf Pornografie zurückgreifen – der Rückfall durch versteckte Auslöser findet statt.

Wie kann man üben?

Der erste Schritt hier wäre beispielsweise die bei Facebook zu minimieren, in der man nicht masturbieren KANN, sprich vielleicht nur Vormittags um 10 Uhr in der Universitätsbibliothek oder bei der Arbeit, wo man sich unter Menschen befindet (Hier: Sechs Tipps zum Aufhören). Damit kann man automatisch sogenannte „Anker“ ausschalten. Abhilfe können hier vor allem am Anfang Webseiten Blocker sein, bei denen die Zeit für Webseiten eingestellt werden kann. Natürlich mögen diese Ratschläge auf den ersten Blick schwer greifbar erscheinen, jedoch ändern sie in ihrer Masse eine gesamte Wahrnehmung, ohne dass es der Betroffene merkt – genau so wie es Internet-Pornografie vorher anders herum getan hat.

Ein weiteres Beispiel: Nehmen wir an, dass Sie abnehmen möchten und auf Kohlenhydrate verzichten, aber auswärts essen wollen. Nun bestellen Sie einen Salat und sehen auf der Karte, dass ein Stück Brot inkludiert ist. Der richtige Schritt wäre nun dem Kellner zu sagen, den Salat bitte OHNE das Brot zu liefern. Somit kommen sie nicht in Versuchung, sparen sich Ihre „Willenskraftleiste“ auf, die vielleicht später im Tage noch voll genug ist, um sie zum Joggen zu schicken.

Auch hier – schwer vorstellbar, dass genau solche Handlungen Auswirkungen auf die eigene Psyche haben. Wenn man jedoch überlegt, wird relativ schnell klar, dass ein normaler Tag im Endeffekt nichts anderes ist, als eine Masse eben genau dieser kleinen Entscheidungen. Wenn man also lernt, die eigene Leiste durch das Vermeiden negativer Entscheidungen zu schonen, spart man nicht nur an Energie, sondern stärkt auch das eigene Bewusstsein zu handeln – und die Willenskraft wächst.

 

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