10 praktische Strategien gegen den Suchtdruck

Kalte Duschen helfen der Willenskraft!

In unserem vorigen Artikel haben wir bereits beschrieben, wie man auf eine psychologisch adäquate Weise mit dem Suchtdruck während der Pornosucht bzw. der Abstinenz davon umgehen kann. Das Personalisieren des Suchtdrucks wurde vorgeschlagen. Auf diese Art und Weise setzt man sich aktiv mit dem Problem auseinander. Bei den meisten Betroffenen dürfte das allein allerdings eher nicht ausreichen.

Der Suchtdruck bei der Pornosucht entsteht dadurch, dass immer mehr Dopamin-Rezeptoren im Gehirn entstehen, die auf intensive sexuelle Stimulation in Form von Pornos ausgerichtet sind. Sie werden aufgebaut, um den Bedarf der Aufnahme während der Überstimulation zu decken. Wird der Süchtige nun mit Pornos oder pornoähnlichen Inhalten konfrontiert, aber konsumiert sie nicht (samt Masturbation), dann melden die Rezeptoren einen Mangel an. Daraufhin reagiert der Körper auf Befehl des Gehirns mit Entzugserscheinungen und Suchtdruck entsteht.

In diesem Artikel wollen wir 10 Strategien für den praktischen Umgang mit dem Suchtdruck präsentieren. Die so genannten Anti-Craving Maßnahmen haben den Auftrag, unser Gehirn zu bedienen und dadurch weniger dem Suchtdruck zu verfallen. Diese Ersatzhandlungen können nach und nach das Suchtmittel namens Pornos ersetzen.

Strategie Nummer 1: Sport und Bewegung

  • Bewegungstherapie: Laufen / Walking
  • Jogging, Schwimmen, Gymnastik
  • Spaziergang / frische Luft
  • Ergometer („Rad fahren“), Kraftraum
  • Haushaltsaktivitäten: Putzen, Aufräumen…
  • Treppensteigen

Ziel: Druckabbau durch erhöhte Muskelaktivität, d.h. Die Unruhe, der gesteigerte Antrieb, die Gereiztheit, die Aggressivität oder einfach der DRUCK wird in angemessener Form abgebaut.

Strategie Nummer 2: Beschäftigungen und Hobbies

  • Kreative und künstlerische Aktivitäten
  • Fernsehen / DVD
  • Musik hören, Hörbücher
  • Lesen (vorzugsweise Print und nicht im Internet: Buch, Zeitung, Illustrierte,…
  • Puzzle und ähnliche Spiele

Ziel: Ablenkung vom Suchtdruck durch dominantere, interessantere und emotional prägnante Beschäftigungen. Geben Sie ihrem Leben wieder Sinn, anstatt es dauerhaft mit giftigen Reizen zu konfrontieren!

Strategie Nummer 3: Reize setzen

Durch Gerüche, Akustik, Optik, Kinästhetik (durch die Sinne wahrgenommene Bewegung) kann ein neuer, sinnvoller „Input“ für den Geist geschaffen werden. Natürliche Reize (und nicht die medialen) rücken wieder in den Vordergrund.

Strategie Nummer 4: Essen und Trinken

  • Scharfes Essen (z.B. Peperoni)
  • Saures Essen (z.B. Gurken)
  • viel Wasser trinken
  • Heißes oder Kaltes trinken – Eis / Eiswürfel etc. pp.

Strategie Nummer 5: Außenreize

  • Heiß / kalt duschen
  • Frische Luft (vor Allem im Winter)
  • Laute Musik ( CD-/Mp3 – Player)
  • Kaltes Wasser ins Gesicht, Unterarme oder Beine
  • „Igelball“, Bürste
  • Intensive Gerüche (Ammoniak , Pfefferminzöl)
  • Helles Licht (Sonne / Lampe)

Ziel: Mittels starker Sensorreize können selbständige subcorticale (unbewusste, biologische) Regelkreise durchbrochen und Druckentlastung erreicht werden.

Strategie Nummer 6: Diverse Arten der Entspannung

  • Meditation
  • Autogenes Training
  • Akupunktur
  • Yoga
  • Entspannungsbad: bei ca. 38 Grad, ca. 15-20 Minuten lang: mit Melisse oder Lavendel

Ziel: Suchtdruck bedeutet für die Betroffenen extreme Anspannung. Entspannung ist die gezielte Regulierung von Muskeltonus, Blutdruck, Atmung, Puls, sowie bewusster und unbewusster Steuerungsmethoden (z.B. das automatisierte Surfen auf Pornoseiten).

Strategie Nummer 7: Tee trinken

  • „Tee gegen Suchtdruck“: Baldrianwurzel, Rosmarinblätter, Hopfenzapfen, Engelwurz, Passionsblume
  • Schlaf- und Entspannungsfördernde Teemischung

Strategie Nummer 8: Aromabehandlung

  • Duftlampen, Duftkerzen, Räucherstäbchen, usw.

Ziel:

  • Reiz durch Wärme (innerlich und äußerlich)
  • Reiz durch ätherische Öle, Düfte
  • Die motorische Unruhe durch örtliche Bindung wird unterbrochen
  • es wird zusätzliche Zeit durch die Dauer der Vorbereitungen überbrückt
  • Ziel für die zu überbrückende Zeit wird bewusst verfolgt

Strategie Nummer 9: Soziale Kontakte in Anspruch nehmen

  • Angehörige und Bezugspersonen
  • Fachkräfte (Ärzte, Therapeuten…)
  • andere Betroffene (z.B. in unserem Forum)
  • Freunde

Strategie Nummer 10: Durch Gedanken am Ball bleiben

Positives Denken: „Ich kann es schaffen! Wenn ich jetzt nicht rückfällig werde, kann ich stolz auf mich sein!“

Negatives Denken: „Denk an die Konsequenzen! Wenn ich jetzt rückfällig werde, bin ich wieder am gleichen Punkt wie damals. Ich muss weiter auf die Pornos verzichten!“

Ziel: Bewusstmachung der Konsequenzen des eigenen Handelns. Beide Arten des Denkens können vor einem Rückfall schützen.

Den eigenen Rhythmus finden

Im vorigen Abschnitt haben wir so einige Strategien präsentiert, die dabei helfen können, mit dem Suchtdruck umzugehen. Manche helfen einem mehr, andere weniger. Wichtig ist es, sein eigenes „Equipment“ zusammen zu stellen. Es ist ratsam, einfach mal dies und das auszuprobieren und dann zu schauen, wie es auf einen wirkt.

Alles in Allem gilt: lass dich nicht verrückt machen! Die Angst vor einem Rückfall kann dich zwar davor bewahren. Allzu übertriebene Angst aber könnte zweifelsohne auch zu einem Rückfall führen. Und dann wäre genau das eingetreten, was man tunlichst verhindern wollte. Der Suchtdruck, sowie die Postentzugssymptomatik, verschwinden in der Regel schnell wieder, genauso wie sie erschienen sind. Wichtig ist, diese Zeitspanne zu überbrücken. Das bedeutet natürlich harte Arbeit. Aber behalte immer im Hinterkopf, wofür man das alles tut. Am Ende des Tunnel wartet nämlich endlich wieder ein unbeschwerteres Leben ohne den Zwang, ständig Pornos konsumieren zu müssen.