Die künstliche Vorliebe – neuer Reiz formt neuen Geschmack

Der Coolidge Effekt bringt den Pornosüchtigen dazu, ständig nach neuen sexuellen Eindrücken zu suchen. In unserer Natur, und das sieht man oft in der Tierwelt, ist die Neigung stückweit verankert, so viele Partnerinnen wie möglich zu suchen. Es wird demzufolge angestrebt, mit diesen Partnerinnen so viele Nachkommen wie möglich zu zeugen. Das dient dem Erhalt der eigenen Rasse.

Zwar gehen die Geburtenzahlen zurück und die Familien in der westlichen Welt werden immer kleiner, doch der evolutionäre Trieb ist nur schwer zu unterdrücken. Die Pornos haben die Möglichkeit, für Entlastung zu sorgen, obwohl der Umgang mit diesen eher schädlich als förderlich erscheint. Bei den Sexfilmen wird nämlich nicht nur der Wunsch nach Varianz an Frauen bedient, sondern auch auch ein ganz anderes Verlangen geweckt: nie dagewesene Vorlieben, die sich in unser Empfinden einschleichen.

Das Gehirn neu verkabelt – das Prinzip vom Lernen und Verlangen

Während der längstens Zeit des letzten Jahrhunderts waren Neurowissenschaftler davon überzeugt, dass das Gehirn erwachsener Menschen ziemlich genau eingestellt und ausgereift ist. Nun zeigen die letzten Erkenntnisse der Wissenschaft aber, dass unser Gehirn sich überraschend lange verändert im Laufe unseres Lebens.

Der Umgang zwischen Mensch und Umwelt oder Technologie führt zu ständigen Neuerungen im Kopf. Wir erlernen neue Techniken und durch ständig neue Eindrücke stellt sich das Gehirn stetig neu ein. Das Prinzip ist simpel erklärt: Neuronenverbindungen werden bei neuen Eindrücken neu eingestellt und „feuern“ zeitgleich. Je öfter dieser Vorgang abläuft, desto stärker wird die Verbindung.

So ist unser Hirn in der Lage, zu lernen. Allein neue technische Geräte wie Ipads oder moderne
PC´s verlangen uns viel Verständnis und damit auch neue Neuronenverbindungen ab. Alles quasi eine Gewöhnungssache, die im sexuellen Verlangen genau gleich abläuft. Denn unser Gehirn strebt nach Neuentdeckungen. Das gilt nicht nur für Prozesse, beispielsweise mit Werkzeugen. Es gilt auch für emotionale Neuentdeckungen, bei denen Sexualverhalten eine übergeordnete Rolle spielt.

Die Sehnsüchte neu definiert

Für technisches Verständnis wird man also von Profis unterrichtet, schaut sich Tutorials an oder besucht Seminare. Sexuelles „Verständnis“, oder auch das Erlernen von neuen Möglichkeiten, geschieht unbewusst mithilfe der Pornos. Oft passiert es ja, dass in den Filmen etwas präsentiert wird, was einem vorher noch nicht begegnet ist. Das kann ein bestimmter Typ Frau sein oder auch eine bestimmte Stellung oder ähnliches.

Was passiert dann also? Wir als Konsumenten sehen diese neuen Inhalten, unser Gehirn verarbeitet diese in Sekundenschnelle. Binnen weniger Augenblicke bewerten wir außerdem diese Inhalte: gefallen sie mir oder finde ich das Gezeigte abstoßend? Der Großteil der neuen Eindrücke wird eher als positiv und interessant bewertet. Wir suchen also weiter nach diesem neuen Reiz und neigen dazu, ihn letztendlich völlig auszuschlachten. Will heißen: wir sehen uns satt an dieser neuen Sehnsucht und danach geht das Spielchen wieder von vorne los.

Wohin führt die Reise der neuen Sehnsüchte?

Viele Pornosüchtige berichten davon, wie sich ihr sexueller Geschmack, oder gar auch ihre sexuelle Orientierung, sich völlig veränderte. Sie gingen neue Wege bei der Suche nach intensiver Erregung. Anstatt zu versuchen, die Pornos zu suchen, die ihren „früheren Neuronenverbindungen“ entsprachen, suchen viele nach neuen Inhalten, die sie schockieren.

Die Motive sind nicht selten die Suche nach dem Verbotenen und Dinge, die stückweit auch eine Angst lust drang bedürfnisansprechen. Da auch Angst eine intensive Emotion ist, wird diese als Mittel  zum Zweck benutzt. Es geht selbst soweit, dass die Betroffenen  Schwulenpornos schauen, obwohl sie sich eigentlich als Heteros definieren.

Wenn sie mit der neuen sexuellen Erregung in Verbindung kommen, bieten sie ihrem Gehirn einen größeren chemische. Kick, zumindest für eine bestimmte Zeit. Jede neue Verschiebung der Neuronenverbindungen lässt somit eine neue Vorliebe entstehen. Schnell findet man sich in einem Teufelskreis der Sucht wieder, der das reale sexuelle Verlangen völlig in die Irre führt.

Die Pornosucht wirkt also auch so, dass sie unserem Gehirn einen Streich nach dem anderen spielt. Wer loslässt und die Erkrankung bekämpft, der kann die Schaltzentrale wieder entlasten und sich auf ein ausgeglicheneres und stressvermindertes Leben freuen.