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Normale Version: Tipps zum Distanzieren?/Unterstützen?
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Hallo zusammen 

Mein freund (24) ist nun seit gut 10 Jahren Porno-süchtig, vielleicht noch länger. Wir sind nun fast zwei Jahre zusammen. Ich (24) wusste von Anfang unserer Beziehung bescheid. Er hat 89 Tage ohne Pornografie geschafft als wir Frisch zusammengekommen sind. Danach gab es mehr Rückfälle als gedacht sicherlich alle 2 Wochen, Fasen weise auch jeden Tag. Eigentlich gehen wir sehr offen damit um, er möchte auch aufhören. Aber durch die Scham hat er mir nicht immer alles erzählt. Was ich durchaus verstehe. Aber gemerkt hab eich es immer dann, wenn er keinen Sex mit mir wollte da er schiss hatte zu versagen (ED/ VE (Anorgasmie haben wir überwunden)). Das Fass ist dann überlaufen als er sein zweites Studium abgebrochen hat. Dazu kam  es auch noch zu einem ungewollten "Outing" bei seiner Familie, was dazu geführt hat, dass er Unoffiziel bei mir wohnt um seinem Vater aus dem Weg zugehen. Jetzt ist er endlich bereit in die Suchtberatung zu gehen. Bei dem ersten Termin war ich dabei. Nur hat mir, dass nichts gebracht. Der Suchtberater war so überfordert, weil ich mit dabei war. Der hat sich mehr geschämt als wir. Und hat nur UNS eine Aufgabe gegeben. Keinen Tipp für ihn oder mind. etwas das er alleine ausprobieren könnte. 

Wie mehr ich mich mit seiner sucht befasse oder informiere um so deprimierter werde ich. Ich habe das Gefühl das Problem zu sein. Obwohl ich weiss, dass dies nicht stimmt, nur schon von diesem Fakt, dass es diese sucht länger gibt als mich. Ich möchte nicht Egoistisch sein, aber irgendwie auch doch. Denn es bin nicht ich diejenige die süchtig ist.  Ich liebe ihn und er liebt auch mich. Aber momentan ist es wirklich sehr schwer für uns beide. Bin für alle Tipps offen...
 
Habt ihr Tipps wie ich mich distanzieren kann? 
Oder vielleicht auch von den Männern hier… wie wollt ihr unterstütz werden? 

GLG DieAndere
Hallo DieAndere,

dass du da so viel Verständnis zeigst finde ich tatsächlich sehr ungewöhnlich, du bist ja aber scheinbar auch mit diesem Wissen in die Beziehung eingestiegen. Respekt dafür!

Nun, ich empfehle nicht unbedingt die Suchtberatung zu kontaktieren, sondern eine richtige Therapie anzufangen. Bestenfalls bei einem Sexualtherapeuten der Erfahrung mit Porno- und Masturbationssucht hat.  Dort kannst sowohl du, also auch er völlig frei sprechen und eure Fragen werden auch sicher beantwortet. Ich glaube die Suchtberatung ist mehr eine erste Anlaufstelle, aber nichts was dauerhaft Abhilfe schafft. Ein Therapeut betreut letztlich den (Heilungs-)Prozess und kann auch dir Tipps geben, damit umzugehen. Ob die Therapie nun bei einem Mann oder einer Frau stattfindet, ist relativ unerheblich, solange ihr frei reden könnt vor ihr/ihm. Das wichtigste ist, dass die Person ein Konzept hat und auch sicher durch abstinente Phasen führen kann. Das solltet ihr auf jeden Fall ansprechen.

Auf der andern Seite finde ich es top, dass dein Freund an den 90 Tagen schon gekratzt hatte, wobei ich auch hier natürlich betonen muss: Pornosucht ist eine dauerhafte Verwundung. Nach 90 Tagen ist man mitnichten geheilt. Das habt ihr ja sozusagen selbst erlebt.

Zu deiner Frage wie ich als Mann unterstützt werden will... Ich persönlich habe lange versucht das Problem alleine für mich zu bekämpfen, auch aus Scham und um meine Frau zu schützen. Alleine dagegen vorzugehen ist allerdings aussichtslos. So viel hab ich mittlerweile verstanden. Ich denke auch (und auf so mancher Website von Fachtherapeuten schon gelesen), als Frau sollte man nicht über alle noch so kleinen Details informiert sein. Zum einen aus Eigenschutz und auch deshalb, weil es für den weiteren Prozess, d. h. Wiederaufbau von Intimität, Vertrauensbildung etc. unzuträglich ist.

Ich hoffe das hilft schon mal für den Anfang um die Situation einzusortieren Smile

Gruß
Thunder
(19.05.2022, 10:17)ThunderDome schrieb: [ -> ]Hallo DieAndere,

dass du da so viel Verständnis zeigst finde ich tatsächlich sehr ungewöhnlich, du bist ja aber scheinbar auch mit diesem Wissen in die Beziehung eingestiegen. Respekt dafür!

Nun, ich empfehle nicht unbedingt die Suchtberatung zu kontaktieren, sondern eine richtige Therapie anzufangen. Bestenfalls bei einem Sexualtherapeuten der Erfahrung mit Porno- und Masturbationssucht hat.  Dort kannst sowohl du, also auch er völlig frei sprechen und eure Fragen werden auch sicher beantwortet. Ich glaube die Suchtberatung ist mehr eine erste Anlaufstelle, aber nichts was dauerhaft Abhilfe schafft. Ein Therapeut betreut letztlich den (Heilungs-)Prozess und kann auch dir Tipps geben, damit umzugehen. Ob die Therapie nun bei einem Mann oder einer Frau stattfindet, ist relativ unerheblich, solange ihr frei reden könnt vor ihr/ihm. Das wichtigste ist, dass die Person ein Konzept hat und auch sicher durch abstinente Phasen führen kann. Das solltet ihr auf jeden Fall ansprechen.

Auf der andern Seite finde ich es top, dass dein Freund an den 90 Tagen schon gekratzt hatte, wobei ich auch hier natürlich betonen muss: Pornosucht ist eine dauerhafte Verwundung. Nach 90 Tagen ist man mitnichten geheilt. Das habt ihr ja sozusagen selbst erlebt.

Zu deiner Frage wie ich als Mann unterstützt werden will... Ich persönlich habe lange versucht das Problem alleine für mich zu bekämpfen, auch aus Scham und um meine Frau zu schützen. Alleine dagegen vorzugehen ist allerdings aussichtslos. So viel hab ich mittlerweile verstanden. Ich denke auch (und auf so mancher Website von Fachtherapeuten schon gelesen), als Frau sollte man nicht über alle noch so kleinen Details informiert sein. Zum einen aus Eigenschutz und auch deshalb, weil es für den weiteren Prozess, d. h. Wiederaufbau von Intimität, Vertrauensbildung etc. unzuträglich ist.

Ich hoffe das hilft schon mal für den Anfang um die Situation einzusortieren Smile

Gruß
Thunder

Hallo Thunder 

Ja ich denke nicht das ich besonderen Respekt verdient habe, jeder von uns hat seine Macken und seine ist eben diese. Ich war froh war er von anfang an so ehrlich zu mir. Aber trotzdem vielen Dank. 

Danke für den Tipp mit dem Therapeuten/Therapeutin, ich werde mich mal umschauen was es bei uns so gibt.  Smile

Ja da war ich ganz schön stolz auf ihn, dass er es so lange geschafft hat. Solange hat er es seither nicht mehr geschafft  Undecided ... leider. Ich bin mir bewusst, dass seine Pornosucht immer ein Thema bleiben wird. Aber ich hoffe das es bessere Zeiten geben wird und wie man so schön sagt die Hoffnung stirbt zu letzt.

Vielen Dank 
GLG DieAndere  Smile
Liebe DieAndere,

aus meiner Erfahrung gehen Menschen in die Porno Ecke, weil sie sich "intensiv spüren müssen", meine Hypothese ist, dass es entsteht, weil sie sich aus irgendeinem Grund (Kindheit) zu wenig spüren konnten, sei es aus zu wenig Aufmerksamkeit heraus oder auch weil die Stimmung zu Hause so war, dass nix/wenig passiert ist und man einen Weg finden musste sich zu spüren... Meist waren auch zu wenig Sozialkontakte da... Wenn sich das dann mal so eingeschleift hat dann ist es ein schweres Entkommen, Pornos lassen einen ja "wirklich viel spüren" (wenn auch verbunden mit Scham und Absturzgefahr)... Daher ist meine - vielleicht etwas platte - Strategie, Pornosüchtige ins Leben zu stellen - heißt Alternativen entwickeln, die auch "sich spüren" bedeuten können.... Idealerweise ist erfüllter Sex mit dem Partner/Partnerin eine davon, aber es sollte mehr sein... Die Rückfallgefahr wird dann zumindest geringer... Sport, Tanzen, Hobbys vertiefen, Freunde, aber natürlich auch Psychotherapie (Traurigkeit der Vergangenheit aufspüren, spüren spüren spüren) ..... so mal....
(19.05.2022, 22:15)DieAndere schrieb: [ -> ]Danke für den Tipp mit dem Therapeuten/Therapeutin, ich werde mich mal umschauen was es bei uns so gibt.  Smile

Liebe Andere,

du hast anfangs gefragt, wie du dich distanzieren kannst.
Ich gebe dir den Rat, distanziere dich, indem du eben nicht nach einer Therapie suchst, sondern es ihm überlässt.
Wenn er selbst raus will aus der Sucht, dann kann er das schon. Er ist ein erwachsener Mensch und du bist nicht verantwortlich für ihn. Du musst neben ihm auf Augenhöhe stehen und nicht die Führungsrolle in der Beziehung einnehmen, weil er "krank" ist. Du musst akzeptieren, dass er seine Entscheidungen alleine trifft.

Du machst gerade den klassischen "Anfängerfehler", den so viele hier machen. Dabei ist die passive Rolle die richtigere. Du kannst für ihn da sein, wenn er sagt, er braucht dich. Aber du kannst ihn nicht aus der Sucht schieben. Es ist wichtig, dass er selbst die Energie aufbringt, Therapeuten zu finden. Und es nützt nichts, wenn er dir zuliebe zum Therapeuten geht und nicht aus eigenem Wollen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Und ich würde dir raten, nimm dich zurück und lass ihn vor allem alleine hingehen. Man kann zusätzlich eine Paartherapie machen, aber die Suchttherapie mit Partnerin halte ich für keinen guten Weg. Er muss frei reden können und dürfen. Nicht alles geht dich was an. Das wäre umgekehrt auch so.

Liebe Grüße

(20.05.2022, 06:11)Alobar77 schrieb: [ -> ]Liebe DieAndere,

aus meiner Erfahrung gehen Menschen in die Porno Ecke, weil sie sich "intensiv spüren müssen", meine Hypothese ist, dass es entsteht, weil sie sich aus irgendeinem Grund (Kindheit) zu wenig spüren konnten, sei es aus zu wenig Aufmerksamkeit heraus oder auch weil die Stimmung zu Hause so war, dass nix/wenig passiert ist und man einen Weg finden musste sich zu spüren... Meist waren auch zu wenig Sozialkontakte da... Wenn sich das dann mal so eingeschleift hat dann ist es ein schweres Entkommen, Pornos lassen einen ja "wirklich viel spüren" (wenn auch verbunden mit Scham und Absturzgefahr)... Daher ist meine - vielleicht etwas platte - Strategie, Pornosüchtige ins Leben zu stellen - heißt Alternativen entwickeln, die auch "sich spüren" bedeuten können.... Idealerweise ist erfüllter Sex mit dem Partner/Partnerin eine davon, aber es sollte mehr sein... Die Rückfallgefahr wird dann zumindest geringer... Sport, Tanzen, Hobbys vertiefen, Freunde, aber natürlich auch Psychotherapie (Traurigkeit der Vergangenheit aufspüren, spüren spüren spüren) ..... so mal....

@ Alobar Wenn ich das lese, dann fühlt es sich so an, als würdest du über meinen Mann schreiben. So muss es in seiner Kindheit auch gewesen sein. Danke für die Erklärung.

Vielleicht ist dann die beste Prävention die, Kinder viel Liebe spüren lassen und dafür sorgen, dass sie viele Sozialkontakte haben?
(20.05.2022, 13:01)Chiara schrieb: schrieb: [ -> ]Du machst gerade den klassischen "Anfängerfehler", den so viele hier machen. Dabei ist die passive Rolle die richtigere. Du kannst für ihn da sein, wenn er sagt, er braucht dich. Aber du kannst ihn nicht aus der Sucht schieben. Es ist wichtig, dass er selbst die Energie aufbringt, Therapeuten zu finden. Und es nützt nichts, wenn er dir zuliebe zum Therapeuten geht und nicht aus eigenem Wollen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Und ich würde dir raten, nimm dich zurück und lass ihn vor allem alleine hingehen. Man kann zusätzlich eine Paartherapie machen, aber die Suchttherapie mit Partnerin halte ich für keinen guten Weg. Er muss frei reden können und dürfen. Nicht alles geht dich was an. Das wäre umgekehrt auch so.

Liebe Grüße


Liebe Chiara 

Ja ich hatte an eine Paar Therapie gedacht. Bis jetzt hat er alles selbst entschieden, auch dass ich bei der ersten Sitzung dabei bin. Nun geht er auch alleine da hin. Es ist mir nur schräg vorgekommen, dass der Suchtberater sich geschämt hat und nicht mit dieser Situation klar kam obwohl er gesagt hatte ich könne mit kommen, darauf hin hat mein Freund mich gebeten mitzukommen. Ich habe mich nur gefragt ob es etwas besseres gibt für uns beide. 

Hätte ich hier wirklich die Strippen in der Hand hätte ich wohl nicht (knapp) zwei Jahre gewartet um ihn anzumelden. Wink  

GlG
DieAndere