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Normale Version: Endlich begriffen, das ich süchtig bin...
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Hallo in die Runde,
mit dem ersten Beitrag hier möchte ich mich gerne vorstellen und meine derzeitige Situation schildern. Ich bin männlich, 46 Jahre, verheiratet, drei Kinder (eins davon aus erster Ehe). Süchtig bin ich seit ca. 13 Jahren, bin mir dessen aber erst seit gestern (!!) so richtig bewusst. Aber von vorne:
Nach der Geburt unseres zweiten Kindes hatten wir eine schwierige Zeit. Anstatt aber meine Frau zu unterstützen und ihr beizustehen habe ich mich zurückgezogen und fing an, mir die ersten Bilder anzusehen. Erst nur sporadisch, es entwickelte sich jedoch eine Art Eigendynamik. Ich fing an, die ersten Bilder und Kurzclips auf meinem Rechner zu speichern. Das ganze gipfelte darin, daß ich mich auf einer Flirt-Seite angemeldet habe und dort, nach anfänglichen „normalen“ Gesprächen auch mit einer Dame explizite Nachrichten ausgetauscht habe (nur Text). In Kontakt stand ich dort allerdings mit mehreren Frauen. Da dort viel über die Gästebücher kommuniziert wird, habe ich auch verschiedene Einträge gemacht und dort rumgemeckert, was mir an unserer Ehe nicht passt. In den meisten Fällen ging es dort um fehlendes oder unbefriedigtes Liebesleben. Meine Wortwahl dabei war herablassend und verletzend. Aus heutiger Sicht war das natürlich völlig hirnrissig, dort hat mein Verstand wohl zum ersten mal richtig ausgesetzt. Die Sache ist natürlich aufgeflogen und es gab einen riesigen Ehekrach, der um ein Haar zur Trennung geführt hätte. Meine Frau hatte mir bis dahin blind vertraut, das war natürlich nun dahin. Nach langen Gesprächen hat sie dann entschieden, das wir zusammen bleiben. Auch wegen der Kinder. Bedingung: Pornos durfte ich weiter schauen (wenn es nicht ausufert) aber kein Kontakt mehr zu anderen Frauen. An Bedingung zwei habe ich mich bis heute gehalten und das vermisse ich auch überhaupt nicht. An Bedingung eins leider nicht. Ich habe mir dann mit Absprache ein zweites Benutzerkonto auf meinem Rechner angelegt, damit die normale Oberfläche „sauber“ bleibt. Das hat auch zunächst gut funktioniert, jedoch habe ich dann angefangen, auch tagsüber, wenn hier im Haus was los war, zu surfen. Da war es mir dann zu lästig, jedes mal zwischen den Benutzerkonten hin- und her zu schalten und so fing ich an, über Firefox auf meinem Hauptprofil zu schauen und die Chronik dann zu löschen. Auch das ist natürlich aufgefallen, denn meine Frau hatte große Angst, das ich wieder Kontakt zum anderen Geschlecht suche. Danach ging es dann erst mal normal weiter. Ich durfte schauen, es uferte nichts aus und ganz langsam kam das Vertrauen zurück. Bis mich dann das gepackt hat, was viele hier auf diesen Seiten berichten: Die langsame Steigerung zu extremeren Inhalten. Ich wusste, das sie von Zeit zu Zeit meinen Rechner durchforstet, wollte aber unbedingt vermeiden das sie sieht, was ich mir dort anschaue. Es war mir peinlich. Konsequenz: Surfen mit Firefox incognito. Wieder Krach, wieder lange Gespräche und mein Versprechen, von nun an alles offen zu legen, nichts zu verheimlichen und nichts zu löschen. Das ging auch wieder lange gut, ich war relativ abstinent und war nur hin und wieder kurz drin. Hab ein paar mal auf dem Handy geschaut aber das hat mir nicht gefallen. Zu klein und ruckelt. Unsere Ehe hat in der Zeit auch große Fortschritte gemacht, wir sind wieder mehr zusammengewachsen, haben gemeinsam was unternommen und das Liebesleben war auch gut. Jeder hat sich eingebracht. Rundum super also. Bis letzten Sonntag. Ich war auf einer Fetisch – Seite unterwegs und bin dann auf einen Inhalt in der rechtlichen Grauzone gestoßen (extremer Inhalt). Anstatt dort zu verschwinden habe ich mir die Videos angeschaut, auch an den folgenden Tagen. Das kuriose ist, ich neige überhaupt nicht zu den gezeigten Inhalten und finde diese Praktiken im realen Leben widerwärtig. Trotzdem war ich fasziniert davon. Das ganze ist natürlich gestern aufgeflogen und ich habe keinerlei Erklärung parat, warum ich mir das angesehen habe. Ich hab auch nichts gelöscht oder mir überhaupt die Mühe gemacht, was zu verbergen. Warum tue ich das? Warum setzte ich meine Ehe, mein ganzes Glück auf`s Spiel für etwas, das mich nicht mal erregt? Ich habe nun beschlossen, mir professionelle Hilfe zu holen. Am Montag werde ich versuchen, schnell irgendwo einen Termin zu bekommen, damit mir ein neutraler Mensch sagt, was mit mir nicht stimmt und wie ich das bekämpfen kann. Habe heute erst mal Porno-Blocker auf meinem Rechner und dem Handy installiert um gar nicht erst in Versuchung zu geraten. Ich hoffe, meine Ehe ist noch zu retten. Im Moment sieht es eher nicht danach aus, zu oft habe ich schon gelogen und hintergangen. Alles wegen dieser blöden Pornos.

Zwei Sachen sind mir hier noch aufgefallen, die bei anderen wohl ausgeprägter sind als bei mir:
Ich habe seit Jahren viel Spaß am gemeinsamen Sex und unter Erektionsstörungen leide ich auch nicht. Auch nach über 18jähriger Beziehung finde ich meine Frau noch ausgesprochen hübsch und begehrenswert. Desweiteren habe ich sehr selten zu den Filmen masturbiert. Kam schon vor, aber nicht oft. Und bei mir trat die Sucht immer in Schüben auf und kam dann mit dem Verlangen nach hefigeren Inhalten zurück, als vorher. Einige davon haben mich angesprochen, einige nicht. Angesehen hab ich alles. So ist es ja dann auch zu diesem Fiasko gekommen.
Ich will das nicht mehr. Ich habe alles und mache alles kaputt.
Hallo erst mal,

ich finde es einen wichtigen Schritt, dass du deinen Sucht und die Folgen deiner Sucht eingesehen hast. Das ist im ganzen Prozess eigentlich das schwierigste. Alles andere danach sind Herausforderungen, aber die lassen sich bewältigen.

Wir beide sind circa im selben Alter und wie du beschreibst, habe wir auch weitere Gemeinsamkeiten, was das "vertuschen" unseres Suchtverhaltens angeht. Schon bemerkenswert, was wir uns so alles ausdenken und glauben, dass niemand es mitbekommt?

Ich wünsche dir, das du hier eine Gemeinschaft findest, die dich in deinem täglichen Kampf unterstützt.

Was deine Ehe angeht, da bin ich der falsche Partner ;-) Auch ich habe seit Jahren (sexuelle) Probleme in meiner Beziehung. Leider habe ich/wir keine Lösung gefunden. Außerdem habe ich bis heute immer noch meine Pornossucht und meine häufige Selbstbefriedigung vor meiner Frau verheimlicht (und da sie mich noch nie drauf angesprochen hat, denk ich, dass sie vielleicht was ahnt, aber nichts genaues weiß).

In deinem Fall ist deine Frau ja schon "eingweiht" und das finde ich es klarer Pluspunkt bei dir. Sag ihr doch aktuell, das du dir jetzt Hilfe suchst - das es dir jetzt wirklich ernst ist. Bitte sie, dich täglich zu fragen, ob du erfolgreich warst. Und ganz wichtig: Wenn du wieder das Verlangen hast Pornos zu schauen (das sie dir das "erlaubt" hatte, finde ich zwar ungewöhnlich, aber wie du siehst, hat es dir nicht wirklich geholfen), dann offenbare dich ihr. Geh zu ihr und bitte sie, dir Motivationshilfe zu geben.

Wenn du solche ernsthaften und konkreten Schritte für dich und gemeinsam mit ihr unternimmst, dann sieht sie, das es dir ernst ist. Bestimmt gibt sie dir dann eine Chance. Was meinst du?
Hallo Ralf,
vielen Dank für deine ehrlichen und motivierenden Worte. Die letzten zwei Tage habe ich den Rechner ausgelassen. Seit dem mir klar ist, was für einen Bockmist ich mit diesem Ding fabriziert habe, mag ich hier nicht mehr gerne sitzen. Ich habe mir für die nächste Woche zwei Termine bei verschiedenen Psychologen besorgt. Es wird sicherlich schwer, darüber zu reden mit einem fremden Menschen, vor allem, weil eine davon eine Frau ist. Auch sind beide nicht auf Sexualtherapie spezialisiert. Da ich etwas ländlicher wohne, ist es schwer, so jemanden hier zu finden. Mit Sucht als Solches kennen sich aber ja viele Therapeuten aus, da die Muster ja immer recht ähnlich sind, ob es sich nun ums Rauchen, spielen, kaufen, Alkohol oder Drogen geht. Verleugnen, schön reden, verstecken, sich selbst nicht einschätzen können ... das kommt wohl bei jeder Sucht vor. Meine Frau verhält sich in dieser Situation genau richtig. Sie überlässt mir allein den Prozess der Heilung und der dazugehörigen Maßnahmen, so das ich mich auf mich selbst verlassen muss und diese Verantwortung nicht in ihre Hände legen kann. Unser Umgang ist z.Zt. distanziert aber höflich.
Habe auf dem Handy schon einen Block-Browser installiert und Chrome und Firefox runtergeschmissen. Da kann ich nun gar nicht erst in Versuchung kommen. Für den PC ist es gar nicht so einfach, einen wirklich funktionierenden Blocker zu finden. Falls hier jemand mitliest, der einen guten Tipp hat, kann sich gerne melden. Zur Not auch kostenpflichtige Programme. Hauptsache, das Ding ist sicher. Für mich selbst hab ich mir noch was überlegt, was vielleicht erst mal etwas albern klingt: Ich werde mir ein Puzzle kaufen und jeden Tag nur ein Teil hinzufügen. So werde ich 1. jeden Tag aktiv daran erinnert und 2. kann ich durch das "wachsende" Bild meinen Fortschritt erkennen. Außerdem werde ich mal wieder ein paar gute Bücher lesen um mich abzulenken. Da bin ich die letzten Jahre nicht wirklich zu gekommen.
Toll wie du das ganze Thema angehst. Besonders dass du dir gleich auch professionelle Hilfe suchst und dadurch einen begleitenden Aspekt hinzufügst.

Zu dem Thema "Pornblocker" möchte ich nur eines sagen: Egal welchen du installierst - du kannst ihn auch jederzeit wieder deinstallieren oder zumindest deaktiveren. Wenn man also auf Seiten kommen will, die pornographische Inhalte anbeiten, dann wird es immer Mittel und Wege geben. Solche Software hilft meiner Erfahrung nach nur, dass man nicht unabsichtlich irgendwas angeboten bekommt, was als Trigger dienen könnte. Will man aber, warum auch immer, diesen Schutz umgegen, dann wird man Mittel und Wege dazu finden (Ein paar der Tagebücher hier, beschreiben genau das)

Das mit dem Puzzle ist eine super Idee. Wäre ich nicht drauf gekommen. Und da deine Frau ja informiert/involviert ist, ist das auch für sie ein sichtbares Signal, wie es um deine Genesung steht - und Außenstehende meinen einfach nur, das du angefangen hast zu puzzeln ;-)