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Meine Geschichte - Achtung lang! - Nachtfalter - 10.07.2021

Wir sind seit 27 Jahren zusammen. Davon 20 verheiratet. Ich war 24 und mein Mann 21, als wir zusammenkamen. Ich hatte bereits ein kleines Kind aus einer 1. Beziehung. Wir lernten uns im Studium kennen. Sahen uns in der Uni und hin und wieder kam ich zum Frühstücken in die 3er WG, in der er lebte und ein Kommilitone von mir. Nach 8-9 Monaten kamen wir zusammen. Er war sehr interessiert, aber auch sehr unsicher. Ich habe ihm einige Brücken gebaut, aber am Ende kamen wir zusammen und das gleich sehr heftig. Von Anfang an spielte Sex eine große Rolle. Manche Tage verbrachten wir fast nur zwischen Bett und Badewanne. Es fühlte sich wunderbar an und wir beide verspürten schon nach wenigen Monaten den Wunsch, unsere Familie zu vergrößern. 1 Jahr und 5 Monate später kam unser 2. Kind. Und 6 Jahre später unser 3. Alles waren erwünschte Kinder. Irgendwann nach der Geburt des 2. Kindes entdeckte ich im PC geöffnete Softporno-Seiten. Das hat mich sehr irritiert. Ich behielt es für mich. War aber traurig und wütend darüber. Sagte mir, ok Masturbieren ist normal, gehört dazu. Er hatte mir ganz am Anfang unserer Beziehung - in der wir sehr offen miteinander sprachen - mal peinlich berührt erzählt, dass er unter einer chronischen Prostataentzündung leiden würde. War für mich kein besonderes Thema. Und er erzählte auch mal, dass er vor unserer Beziehung sehr viel masturbiert habe, bis 5-6x am Tag. Ok, fand ich jetzt auch nicht so schlimm. Ab und zu fand ich benutzte Handtücher in der Wohnung, manchmal sogar Geschirrtücher. OK. Habs weggeräumt.

Vor 8 Jahren kam es dann zum ersten großen Vertrauensbruch. Nach einem schönen Urlaub in Italien wollten wir uns zum Kaffeetrinken treffen. Ich hatte Dienst an diesem Wochenende in der Klinik und wir wollten mittags um die Ecke von meiner Klinik in ein Cafe. Ich rief ihn an, er reagierte aber ganz eigenartig, sagte mir, er sei jetzt schon Kaffeetrinken. Ich war völlig perplex und fragte mit wem? Er druckste herum, er sage mir das später dann. Er melde sich, wenn er zurück sei in der Klinik, dann könne er mit mir noch Kaffee trinken.... In diesen Minuten zerbrach mein Vertrauen. Mein Magen drehte sich um und ich bekam schreckliches Herzrasen. Er hatte schon öfter mal von einer Kollegin erzählt, die er sehr schätze, weil sie so geschickt sei. Ich hatte furchtbare Angst, dass er sich mit ihr getroffen hat. ER kam dann zum Kaffee noch zu mir, wir saßen in der Cafeteria und natürlich erzählte er mir, er habe eben diese Kollegin auf einen Kaffee eingeladen. ich habe aus meiner Wut keinen Hehl gemacht und ihm gesagt, dass ich das Scheisse finde, was der da macht. Und als Antwort kam von ihm, ich würde ja wohl spinnen, es sei immer noch seine Sache, mit wem er Kaffee trinke. Dieser Moment hat dazu geführt, dass ich ihm seitdem nie wieder von meinen Gefühlen erzählen konnte. Ich habe mich geschämt und für eine blöde Kuh gehalten und erst viel später wurde mir klar, es ging mir überhaupt nicht um den Kaffee, den trank er ja täglich mit seinen Kollegen und Kolleginnen. Was mich unglaublich verletzt hat war, dass er unehrlich zu mir war und zwar so, dass er versucht hat, etwas zu vertuschen, zu verheimlichen. Seine sehr brüske Reaktion führte dazu, dass ich mich für bescheuert hielt, so zu fühlen, hielt mich für krankhaft eifersüchtig und hab mich unvorstellbar für meine Verletzheit geschämt. Wollte doch eine coole gelassene Frau sein und kein Kontrollfreak. Als hätte ich etwas furchtbar schlimmes gemacht. Seitdem kann ich mich ihm nicht mehr öffnen und meine innersten Gedanken und Gefühle mitteilen.

Es gab danach zwischen uns saure-Gurken-Zeit, er bestrafte mich mit Desinteresse. Sex gab es fast nur noch, wenn ich die Initiative ergriff. Erfüllend war es überhaupt nicht. Ich habe dann alles auf mangelndes Selbstwertgefühl von mir geschoben und beschlossen, etwas daran zu ändern. Ich tanze sehr gern und hab ihn gebeten, einen Tanzkurs mit mir zu besuchen. Auch hier kategorische Ablehnung. Ich übte, mir die Ablehnung nicht mehr zu nahe gehen zu lassen und beschloss, notfalls mit einem anderen Tanzpartner den Kurs zu machen. Hab ihm das auch so gesagt, dass ich notfalls über eine Tanzbörse einen Partner suche. Er wollte trotzdem den Tanzkurs nicht mitmachen. Nun gut, ich habs allein für ca. 1 Jahr durchgezogen. Hab mit verschiedenen Männern Kontakt gehabt, aber ohne jede Anbandelei. Wirklich nur tanzen. Hab gemerkt, dass ich wirklich an meinem Mann hänge, ihn vermisse, diese Erlebnisse lieber mit ihm als mit anderen Männern geteilt hätte. 

In der Zwischenzeit hat sich beruflich einiges geändert. Ich bin jetzt selbständig mit meiner eigenen Praxis. In dem Haus, in dem auch unsere Wohnung ist. Zwischendurch hatte ich immer wieder auch Angstepisoden, Angst zu sehr zu klammern, usw usf. Hatte dann mehrere Termine bei einem Coach in Wien, mit dem ich über meine Ehe sprechen wollte, aber wir haben nur über mich gesprochen. Das hat einiges bewegt. Trotzdem vermisse ich dieses unbedingte und ungetrübte Vertrauen, dass ich früher zu meinem Mann hatte. 
Zwischendurch gabs mal wieder sexuell aktivere Phasen, aber für mich fühlte es sich oft nicht mehr so intim und verbindend an wie vorher. 
Dann vor 4-5 Jahren musste er mir schweren Herzens beichten, dass er auf einer Pornoseite war. Es war ihm extrem peinlich. Der Grund war, dass er komische Emails mit Zahlungsforderungen von Anwälten bekommen hat und offenbar Angst hatte, mir könnte so ein Brief in die Hände fallen! Und weil er sich gerade auf eine neue, wirklich wichtige Stelle beworben hat, hatte er Angst, dass sein AG davon erfährt. Ich habe versucht, verständnisvoll zu sein und gefragt, was er das sucht. Er meinte wieder, er habe Probleme beim Sex zum Höhepunkt zu kommen und wolle sich so „trainieren“. Außerdem sei das gut bei Prostatabeschwerden. In meiner unglaublichen Naivität habe ich das geglaubt. Und ihm das als verständnisvolle Frau auch zugestanden.

Seit 7-8 Jahren hat er immer wieder diffuse Schmerzustände, Schwindelattacken, wenig greifbares. Geht viel zu Ärzten, um sich untersuchen zu lassen. Legt sich manchmal ohne auch nur ein Wort zu sagen oder zu erklären direkt nach der Arbeit schweigend ins Bett. Was er da macht, weiß ich nicht. Ich traue mich nicht hinterher zu gehen. Ein Mal war er extrem mit seinem Handy beschäftigt. Ständig drauf geschaut, rumgetippt und seltsam gelächelt. Und sobald ich in die Nähe kam, sofort weggedrückt. Mich hat das fast verrückt gemacht. Abends kam er nicht mit ins Bett. Spielte am Handy rum. Nach 1h bin ich zum trinken in die Küche gegangen und da stand er hinter der Spüle mit Handy und Handtuch in der Hand und fühlte sich ganz offensichtlich ertappt. Als er dann doch ins Bett kam, hab ich ihn gefragt, was mit ihm los ist. Ob er mir etwas sagen möchte. Warum er sich so eigenartig verhalte? Er holte tief Luft und sagte schließlich, er habe sich Pornos angeschaut. Ich war zwar kurz erleichtert, weil ich Angst hatte, er chattet mit einer anderen Frau. Aber seitdem nagt es fortwährend. Der Sex ist sehr phasenhaft. Mal 2-3x die Woche, mit wechselnder Anteilnahme seinerseits, in letzter Zeit aber auch häufiger 2 Wochen oder länger tote Hose. Manchmal auch nur durch meine Initiative. In den letzte Wochen versuchte er häufiger, Zeit zu Hause zu verbringen. Aber nicht, um mit mir zusammen zu sein, sondern um mehr SB zu betreiben. Die benutzten Tücher liegen dann mal unterm Bett oder in der Wäsche. Und nachts gibts nicht mal mehr ein Gute Nacht zu hören. Einfach umdrehen und wegbeamen.

Ich vermute, dass sein hypersexuelles Verhalten schon vor unserer Beziehung da war. Dann hatte er es ein paar Jahre ganz gut im Griff, mit viel echtem Sex zwischen uns. Und so ganz schleichend hat es mehr und mehr Raum eingenommen. Er geht nicht mehr mit einkaufen oder etwas erledigen, sondern nutzt die Zeit, wenn ich weg bin, um sich Handysex zu gönnen. Er hat jetzt einen freien Tag in der Woche, hängt aber nur schlaff auf dem Sofa zu Hause rum und erledigt nix. Nicht mal Geschirrspüler einräumen oder so. Im Urlaub hab ich ihn unfreiwillig beim Handysex gesehen. Ich wollte einkaufen, hatte mein Geld aber vergessen und musste zurück ins Ferienhaus, hoch ins Schlafzimmer. Er hörte mich nicht, weil er Kopfhörer aufhatte. Saß mit runtergelassener Hose auf dem Bett. Mit einem seltsamen Grinsen schaute er auf sein Handy und versuchte sich in Fahrt zu bringen. Wir beide waren total erschrocken. Ich habe mein Geld gegriffen und schnell geflohen. Darüber gesprochen haben wir nie. Ich habe mir eingeredet, das sei normal. Männer machen mehr Masturbation. Und trotzdem stört mich diese ganze Scheiß Heimlichtuerei. Das ist einer Partnerschaft so unwürdig. Ich bin nicht seine Mutter, ich will ihn nicht kontrollieren, denke aber darüber nach. Ich weiß, wenn ich kontrolliere, bin ich für ein paar Sekunden beruhigt, dann kommt der Zweifel zurück. Ich will erkenne jetzt deutlich, dass mein Verhalten seins begünstigt. Ich habe - wie so oft - gedacht, ich muss nur cooler und lässiger werden. Aber das funktioniert nicht. Eine Paarbeziehung unterscheidet sich von allem durch eine besondere Offenheit untereinander. Es ist das genaue Gegenteil von dem, was diese Pornoglotzerei aus einer Beziehung macht. Meine Gefühle sagen mir, Mädel, pass auf, das läuft schief, da stimmt was nicht. Aber ich lasse mir gern einreden, dass ich das Problem bin und mal meine Eifersucht in den Griff bekommen muss. Dass meine Gefühle falsch sind. Ich möchte meine Freiheit zurück. Und das geht nur, wenn wir es schaffen, offen und ehrlich darüber zu sprechen. Und wenn er sich seiner Verantwortung für unsere Beziehung bewusst wird. Vor diesem Gespräch habe ich furchtbare Angst. 

Ich werde noch einen 2. Teil hier schreiben, was ich ihm gern sagen möchte. Das hilft mir, meine Gedanken zu sortieren. Ich muss das vorher sortieren, sonst überfallen mich meine Gefühle und das Gespräch fährt gegen den Baum. 
Ich habe hier schon so krasse Geschichten gelesen, dass ich meine eigene nicht dramatisieren will. Ich sehe eine Chance für uns, wenn wir schaffen, wieder offen und ehrlich zueinander zu werden. Und wenn er bereit ist, für seine Pornoglotzerei eine Alternative zu finden.

Liebe Grüße
Nachtfalter


RE: Meine Geschichte - Achtung lang! - Geduldige - 10.07.2021

@Hallo meine Liebe,

danke für Deine Geschichte.

Du nimmst wirklich sehr viel Rücksicht auf Deinen Mann und lässt ihm zuliebe so einiges unter den Tisch fallen. Das kenne ich selbst nur zu gut und kann bestätigen, dass diese Strategie bei Süchten nicht fruchtet. Noch dazu fühlst Du Dich selbst immer schlechter.

Du hast beschlossen, mit ihm zu reden, und das ist gut so. Nur musst Du leider damit rechnen, dass er das Problem wahrscheinlich nicht gleich einsehen wird und Du auf Ablehnung stößt. Bei meinem Mann hat die Einsicht ca. 1 Jahr und viele Gespräche gedauert.

Ich hoffe aber, dass Du ihn mit Deinen Worten erreichst und das Gespräch gut verläuft. Gut finde ich zumindest, dass er Dir das mit den Pornos erzählt hat. Und lass Dir bitte nicht einreden, dass Du übertreibst oder krankhaft eifersüchtig bist.

Sein Argument mit der Onanie gegen seine Prostataprobleme stimmt so nicht ganz. Nicht die Onanie ist gut für die Prostata, sondern die Ejakulation. Somit könnte er genauso gut Sex mit Dir haben oder ohne Pornos masturbieren. Dass er nur schwer zum Orgasmus kommt, liegt am stundenlangen Pornokonsum. Damit trainiert er also genau das Gegenteil, und der Sex wird nicht nur immer schlechter und seltener sondern vielleicht irgendwann nur noch schwer oder gar nicht mehr möglich sein.

Hat er denn überhaupt wirklich ein Prostataproblem oder diese Schmerzen, von denen Du schreibst? Dass er sich so oft zurückzieht, hängt meiner Meinung nach mit seiner Sucht zusammen. Entweder konsumiert er da auch oder ist einfach müde von der Pornoglotzerei wenn er so lange wach bleibt. Bei meinem Mann war es so.

Dass er im Haushalt gar nichts tut oder sich am Einkauf beteiligt, ist typisch und auf jeden Fall ein Alarmzeichen.

Ich sehe für Euch auch eine Chance, dass Ihr es schaffen könnt. Dafür muss er aber auch was tun.

Stell Dich mental auf Gegenwehr ein und lass Dir nichts gefallen, versuche aber ruhig und sachlich zu bleiben und auch positive Dinge zwischendurch zu erwähnen, damit er nicht die Flucht ergreift und Dir zuhört. Dass Du Dich darauf vorbereitest, finde ich super.

Und es ist nicht schlimm, wenn Du hier viel schreibst. Bisher hat, glaube ich, nur meine Geschichte den Rahmen (hoffentlich nur fast) gesprengt.

Du schaffst das schon! Ich drücke Dich.

Geduldige


RE: Meine Geschichte - Achtung lang! - schnacki - 10.07.2021

Hallo Nachtfalter,

das klingt so als hätte dein Mann mit Depressionen zu tun. Antriebslosigkeit, Mangel an Motivation, Lustlosigkeit und ein vernachlässigter Haushalt sind wohl eher Zeichen von Depressionen. Pornosucht und Depressionen sind auch gute Freunde.

Auch diese Schmerzzustände und Schwindelattacken würde ich eher als psychosomatische Beschwerden sehen. Meiner Erfahrung nach (mehrere Jahre in Gruppentherapie), steht so etwas ebenso wie Depressionen im allgemeinen häufig für "unterdrückte Wut" oder "unterdrückte Unzufriedenheit".

Oft sind "Geheimnisse voreinander" die größten Blocker zwischen zwei Menschen. Diese Geheimnisse stehen dann wie eine große Glasscheibe zwischen ihnen und man kommt einfach nicht richtig zum anderen durch. Oft verschweigen sich Ehepartner die Unzufriedenheit miteinander, um die Beziehung nicht zu belasten. Sie entwickeln also Geheimnisse voreinander und belasten die Beziehung am Ende doch. Die Belastung ist allerdings nur unterschwellig spürbar (Glasscheibe). Oberflächlich sieht alles gut aus.

Bei dir handelt es sich beim Thema Pornosucht auch um eine unterdrückte Unzufriedenheit, die du mit deinem Mann hast, ihm aber verheimlichst.
Und du schreibst, dass du große Angst hast das Thema anzusprechen, hast es vielleicht schon eine Weile vor dir hergeschoben, bist also im gewissen Sinne blockiert.

Dein Mann wiederum verheimlicht dir alles was mit seiner Sucht zusammenhängt. Womöglich ist das mit den Jahren ein gigantischer eigenständiger Kosmos geworden in dem er sexuelle Vorlieben entwickelt hat, die er mit dir nicht mehr teilen kann. Vielleicht schämt er sich sogar, so stark, dass er das auch nicht mehr ansprechen kann. Dementsprechend stark ist auch die Blockade in ihm.

Seine Pornosucht klingt auch ganz stark nach einer Art von "innerer Immigration". Er blendet die Außenwelt einfach weg. Und irgendwie scheinst du dabei zu stören. Seine Unzufriedenheit muss aber nicht unbedingt mit dir zu tun haben. Oft ist es auch die berufliche Situation. Pornos werden häufig zum Stressabbau genutzt. Vielleicht hat dein Mann auch eine allgemeine Lebenskrise. (Mann trauert der Jugend hinterher, die man hätte mehr ausnutzen sollen. Weil das nicht mehr geht, bleibt man lieber bei seiner Frau und kuckt sich dafür Pornos mit jungen Mädels an.)

Ich vermute ihr habt erst mal ein allgemeines Beziehungsproblem. Ich schätze da liegt ganz schön was im Argen, wenn er dir nicht mal mehr "gute Nacht" sagt. Dann fühlt er sich auch nicht mehr wohl - redet sich aber vielleicht ein "alles ist ganz normal". Da müssen viele klärende Gespräche geführt werden. Seine Pornosucht ist dann ein spezielles Thema. Du musst das auf jeden Fall ansprechen, einfach um deine eigene Belastung damit mal loszuwerden.




P.S. Bei 5 - 6 mal Onanieren am Tag wird die Prostata ganz schön stark belastet. 1 mal täglich wäre ja schon viel. Ich schätze das Onanieren ist Ursache für die Beschwerden und nicht eine Therapie dafür. Ich will nicht sagen er lügt dir was vor. Womöglich lügt er sich was vor, um seine Sucht vor sich selbst zu rechtfertigen.


RE: Meine Geschichte - Achtung lang! - Benutzer 1998 - 10.07.2021

Liebe Nachtfalter,

ach was, dafür ist dieses Forum doch da! Schreib was und wieviel du willst. Smile

Ich hab mir deine Geschichte durchgelesen und möchte ein paar Worte dazu beisteuern.

Du hast geschrieben: "Wollte doch eine coole gelassene Frau sein und kein Kontrollfreak. Als hätte ich etwas furchtbar schlimmes gemacht."
Das kann ich absolut nachvollziehen. Es ist aber Quatsch. Ich glaube die wenigsten fänden es toll wenn sich der Partner mit der Kollegin auf einen Kaffee trifft und, das ist der springende Punkt, sich so verhält als wäre da mehr. Hinterher wirft er dir aber Eifersucht vor. Macht alles keinen Sinn. Wenn es denn ein Problem ist, warum das Kind nicht beim Namen nennen? Sich dann eifersüchtig oder gekränkt zu verhalten ist absolut normal. Er hat die Situation einfach schlecht erklärt.

Mir hat mein Ex gerne vorgeworfen, dass ich eifersüchtig wäre, weil ich es nicht toll fand wenn er sich stundenlang am Tag leer-masturbierte und mich dann nicht mal anschaute wenn ich nackt vor ihm war. Natürlich ist es nicht schön zu wissen, dass der Mann mit einigen Pornodarstellerinnen schon jeweils ein vielfaches an Höhepunkten hatte als mit einem selbst. Dabei ist man doch der Partner. Da sollte man die Sexualität doch zumindest teilen und nicht aneinander vorbei leben.

Eine schöne Ausrede die ich dann auch immer wieder gehört habe, war: Ich will dich ja nicht verletzen.
Dabei war die einzige Sorge, dass man einen stressigen Tag haben könnte, weil man erneut auf die Sucht angesprochen wird.
Ziemlich perfide, die eigene Unfähigkeit Verantwortung zu übernehmen dann auch noch so hinzudrehen, dass man es ja nur aus Seelengüte tut.

Lass dir bitte nicht einreden, du wärest krankhaft eifersüchtig. Deine Gefühle sind echt. Sie sind richtig. Ihm kommen deine Gefühle komisch vor weil seine eigene Emphatie durch die Sucht schon gelitten hat, oder, weil er eben den bequemsten Weg gehen will.
Man sagt nicht umsonst, dass getroffene Hunde bellen.

Du schriebst:
"Ich vermute, dass sein hypersexuelles Verhalten schon vor unserer Beziehung da war."

Das denke ich auch. Und diese Hypersexualität wird tiefliegende Ursachen haben, von denen er vermutlich selbst nichts weiß, und an die man ohne Therapie auch nicht rankommt. Daher kann man nur die Symphtome bekämpfen, aber nicht die Ursache. Und das ist seine Aufgabe. Sein Problem zu erkennen, ist seine Aufgabe. Natürlich kann man ihm dabei helfen, aber letztlich muss er es verstehen. Ich habe damals 2 Jahre auf meinen Ex einreden müssen ehe er es überhaupt angenommen und begriffen hat. Nach dieser Zeit war meine Batterie aber schon leer und es blieb mir nichts anderes übrig als die Reißleine zu ziehen.
Man kann nur helfen, wenn der andere die Hilfe auch annimmt.

Ich weiß jetzt, dass mein Ex extreme Probleme aus seiner Kindheit mitgenommen hat. Unglückliche Freundschaften haben diese Probleme noch weiter gefüttert und der einzige Ausweg für ihn war in obsessiven Verhalten. Erst seine Hobbies, dann Sprachen, dann Arbeit bis hin zur Pornografie. Ein hypersexuelles Verhalten war aber schon immer bei ihm da. Nur hat er es selbst nie gesehen und auch ich habe es lange Zeit nicht begriffen. Es war halt normal für uns.

Ich sehe bei dir, dass es sehr schwer ist dich ihm mitzuteilen. Ich hoffe sehr, dass du das irgendwie überwinden kannst. Und wenn es nur für dich selbst ist, denn nichts ist wichtiger als sich mitteilen zu können, gerade wenn es um so ein wichtiges Thema geht.

Ich wünsche dir viel Kraft!

LG, rabitten


RE: Meine Geschichte - Achtung lang! - Nachtfalter - 10.07.2021

(10.07.2021, 15:40)schnacki schrieb: Hallo Nachtfalter,

das klingt so als hätte dein Mann mit Depressionen zu tun. Antriebslosigkeit, Mangel an Motivation, Lustlosigkeit und ein vernachlässigter Haushalt sind wohl eher Zeichen von Depressionen. Pornosucht und Depressionen sind auch gute Freunde.

Auch diese Schmerzzustände und Schwindelattacken würde ich eher als psychosomatische Beschwerden sehen. Meiner Erfahrung nach (mehrere Jahre in Gruppentherapie), steht so etwas ebenso wie Depressionen im allgemeinen häufig für "unterdrückte Wut" oder "unterdrückte Unzufriedenheit".

Oft sind "Geheimnisse voreinander" die größten Blocker zwischen zwei Menschen. Diese Geheimnisse stehen dann wie eine große Glasscheibe zwischen ihnen und man kommt einfach nicht richtig zum anderen durch. Oft verschweigen sich Ehepartner die Unzufriedenheit miteinander, um die Beziehung nicht zu belasten. Sie entwickeln also Geheimnisse voreinander und belasten die Beziehung am Ende doch. Die Belastung ist allerdings nur unterschwellig spürbar (Glasscheibe). Oberflächlich sieht alles gut aus.

Bei dir handelt es sich beim Thema Pornosucht auch um eine unterdrückte Unzufriedenheit, die du mit deinem Mann hast, ihm aber verheimlichst.
Und du schreibst, dass du große Angst hast das Thema anzusprechen, hast es vielleicht schon eine Weile vor dir hergeschoben, bist also im gewissen Sinne blockiert.

Dein Mann wiederum verheimlicht dir alles was mit seiner Sucht zusammenhängt. Womöglich ist das mit den Jahren ein gigantischer eigenständiger Kosmos geworden in dem er sexuelle Vorlieben entwickelt hat, die er mit dir nicht mehr teilen kann. Vielleicht schämt er sich sogar, so stark, dass er das auch nicht mehr ansprechen kann. Dementsprechend stark ist auch die Blockade in ihm.

Seine Pornosucht klingt auch ganz stark nach einer Art von "innerer Immigration". Er blendet die Außenwelt einfach weg. Und irgendwie scheinst du dabei zu stören. Seine Unzufriedenheit muss aber nicht unbedingt mit dir zu tun haben. Oft ist es auch die berufliche Situation. Pornos werden häufig zum Stressabbau genutzt. Vielleicht hat dein Mann auch eine allgemeine Lebenskrise. (Mann trauert der Jugend hinterher, die man hätte mehr ausnutzen sollen. Weil das nicht mehr geht, bleibt man lieber bei seiner Frau und kuckt sich dafür Pornos mit jungen Mädels an.)

Ich vermute ihr habt erst mal ein allgemeines Beziehungsproblem. Ich schätze da liegt ganz schön was im Argen, wenn er dir nicht mal mehr "gute Nacht" sagt. Dann fühlt er sich auch nicht mehr wohl - redet sich aber vielleicht ein "alles ist ganz normal". Da müssen viele klärende Gespräche geführt werden. Seine Pornosucht ist dann ein spezielles Thema. Du musst das auf jeden Fall ansprechen, einfach um deine eigene Belastung damit mal loszuwerden.




P.S. Bei 5 - 6 mal Onanieren am Tag wird die Prostata ganz schön stark belastet. 1 mal täglich wäre ja schon viel. Ich schätze das Onanieren ist Ursache für die Beschwerden und nicht eine Therapie dafür. Ich will nicht sagen er lügt dir was vor. Womöglich lügt er sich was vor, um seine Sucht vor sich selbst zu rechtfertigen.
Hi Schnacki,
danke für deine Einschätzung. An Depression habe ich auch schon gedacht. Er hatte schon vor unserer Beziehung mal eine derartige Episode, auch mit körperlichen Beschwerden.


RE: Meine Geschichte - Achtung lang! - Nachtfalter - 14.07.2021

Hallo Ihr geduldigen Mitleser,
Heute hab ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und bin aus meiner Deckung raus.
Wir waren vorher lange spazieren, aber ich wollte das Gespräch unter 4 Augen so führen, dass er mich anschauen muss und ich ihn ansehen kann.
Mittags war er zu Hause, ging dann natürlich erst wieder zur Arbeit, als ich schon längst wieder in meiner Praxis war. Es war so was von klar, was er in der Zwischenzeit in der Wohnung gemacht hat. Und das hat mich ermutigt, heute wirklich das Heft in die Hand zu nehmen.
Dann kam mir der Zufall zu Hilfe. Kaum waren wir zu Hause, knipste er den TV an und da kam eine Vorschau für eine Reportage über Rachepornos. Eigentlich wollte er im Handy rumgucken, aber ich konnte sehen, wie er plötzlich innehielt und gebannt auf den TV starrte. Offenbar traf ihn, was er dort im Tv sah, verpixelte Pornoseiten etc.. Dann ging er ins Schlafzimmer und legte sich aufs Bett. Fühlte sich nicht wohl. (Kann ich mir sehrgut vorstellen!). Ich dachte mir, das ist jetzt DIE Gelegenheit, etwas nagt gerade an ihm.
Ich hatte mir aber überlegt, dass ich erstmal wieder Bereitschaft zum Sprechen schaffen muss. Wir sind das so nicht mehr gewohnt. Wir reden viel, aber wirklich „unter die Haut“ gingen die Gespräche schon länger nicht mehr. Also kann ich ihn nicht sofort überfallen und alles auskotzen, was mir quer im Magen liegt. Und sollte er wirklich depressive Gedanken haben, dann wäre das vorher in Angriff zu nehmen, bevor wir über Pornokonsum reden.
Er lag auf dem Bett und schaute ins Handy. Ich setze mich also auf den Bettrand und sage ihm, ich glaube, es wird Zeit, dass wir mal wieder richtig miteinander reden. Seine Augen wurden sehr groß und ihm war sicher unwohl.
Ich habe ihm dann ganz ruhig gesagt, dass ich das Gefühl habe, da da was nicht stimmt. Dass ich mir Gedanken mache, weil er oft müde ist, wenig Antrieb hat. Dass es manchmal auch sehr schön ist. Aber oft auch viel versteckte Aggressivität und unterschwellige Sticheleien.
Er meinte dann, er fühle sich nicht so wohl, habe Schmerzen im linken Arm und Kopfschmerzen. Er wolle jetzt mal zum Arzt gehen, weil da möglicherweise etwas operiert werden muss. Habe ihm zugestimmt. Habe auch gesagt, dass ich keinen Urlaub in Portugal machen muss, wenn es ihm nicht gut geht und er eine OP braucht (da liegt tatsächlich objektiv was vor, was behandelt werden muss). Seine Gesundheit ist mir wichtiger als ein Urlaub. Und dass ihm oft der Antrieb zu fehlen scheint, etwas zu unternehmen oder auch notwendige Dinge zu erledigen. Er zählte dann auf, was wir in letzter Zeit alles gemacht hätten. Und ich habe gemeint, ja, das stimmt und das war auch sehr schön und ich habe es genossen.
Dann hab ich ihn gefragt, ob das aus seiner Sicht alles ist. Ja, eigentlich schon. Ich hab dann erzählt, wie es mir geht, dass ich das Gefühl habe, seit so 4-5 Monaten hat sich wie eine Mauer, eine Distanz zwischen uns aufgebaut. Dass wir vorher viel öfter auch miteinander geschlafen haben, 2-3x/ Woche und jetzt immer weniger. Und ich nicht weiß, woran das liegt. Und wenn ich das nicht weiß, verunsichert mich das und ich kann nichts daran ändern, weil ich eben nicht weiß, was ich anders machen soll. Dass es nicht an mir liegt, meine Lust ist nicht weniger geworden. Und dass ich mich von ihm manchmal so versteckt angegriffen fühle und ich dann den Eindruck habe, als würde er mich als blöd oder dumm ansehen. Das tat ihm offenbar leid und er hat sich dafür entschuldigt und mir einen Kuss gegeben.
Ich habe ihm dann noch gesagt, dass ich jetzt froh bin, dass wir darüber gesprochen haben, so wie früher, als wir volles Vertrauen zueinander hatten. Dass das einfach sehr wichtig ist.
Dann habe ich gesagt, dass ich ihn jetzt in Ruhe lasse und bin aus dem Schlafzimmer raus. Er lag dann noch 1 Stunde im Bett und kam dann wieder zu mir, um sich normal zu unterhalten.
Jetzt ist er zu Arbeit und beim Abschiedskuss habe ich mich bei ihm bedankt, dass er mir zugehört hat.
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Über die Pornogeschichte habe ich noch nichts gesagt. Wenn ich gestern mit der Tür ins Haus gefallen wäre, hätte er dicht gemacht und das wärs dann gewesen. Er hat sehr starke Schamgefühle nach außen, und er hätte das sicher als Bloßstellen wahrgenommen, was es ja nicht sein soll. Wir müssen uns erst noch ein bisschen wieder an offene ehrliche Kommunikation gewöhnen.
Ich werde jetzt einen Abend pro Woche finden, wo ich ganz regelmäßig diese Gespräche mit ihm suchen werde. Nichts ausuferndes, so 10-15min reichen. Das gibt mir die Möglichkeit, Dinge die mir gefallen haben oder auch Dinge, die mich sehr geärgert haben, anzusprechen. Wenn ich das prompt mache, habe ich meistens meine Emotionen nicht so gut im Griff. Ein fester Tag macht das einfacher.
Ich werde weiter beobachten, wie sich sein Pornokonsum verhält. Ich bin mir sehr sicher, er hat Angst bekommen, als er diesen ntv Beitrag über Rachepornos gesehen hat und dass unser Gespräch danach, in dem ich zumindest kurz das Thema partnerschaftlichen Sex angesprochen habe, nicht ganz ohne Wirkung verpufft. Sollte ich merken, dass er weiter Handysex betreibt, dann werde ich das an diesem gemeinsamen Gesprächsabend zum Thema machen.
Jetzt bin ich erstmal erleichtert. Ich habe mich nicht von meinen Gefühlen überrollen lassen, war aber schon emotional beteiligt, musste ein bisschen mit den Tränen kämpfen. Aber alles ohne eine Szene zu machen. Das war mir wichtig, weil das bisher immer zum Abbruch aller GEspräche geführt hat.
Ihr habt mir sehr geholfen, schnacki, rabitten. Ich habe jetzt einen Fuß in der Tür und einen Weg, wie ich weitermachen kann.
Ich halt euch auf dem Laufenden.


RE: Meine Geschichte - Achtung lang! - schnacki - 15.07.2021

Hallo Nachtfalter,

ich finde das gut, dass du erst mal ein einfaches Gespräch gesucht hast. Ich glaube du hast das schon ganz gut gemacht. Ich hoffe du bleibst am Ball.

Wenn du dabei weinen musst, sollte das eigentlich OK sein. Immerhin liegt dir das alles sehr am Herzen und das muss er ja auch begreifen.

Noch besser wäre es, wenn du eine Atmosphäre schaffst, in der er sich frei genug fühlt ebenso aktiv mit dir das Gespräch zu suchen.

Du schreibst, dass es dir gegenüber versteckte Aggressivität und unterschwellige Sticheleien gibt. Das ist nicht schön.
Auch wenn es hart klingt, ich glaube es wäre besser, wenn dein Mann die Möglichkeit bekommt dir aktiv direkte Kritik zu geben. Ihr müsst eine Methode finden, dass er seine ehrliche Meinung zu dir äußern kann in einer angemessenen Form. Wenn er diese Form wahrt, nimmst du ihn vielleicht ernst und es kommt zu einem Kompromiss. Mit Sticheleien wird er nichts erreichen, bei einem Kompromiss schon.

Und dann kommst du mit deiner Kritik!
Die selben Regeln, auch für dich!


RE: Meine Geschichte - Achtung lang! - Benutzer 1998 - 16.07.2021

Liebe Nachtfalter,

super, dass du ein ruhighes Gespräch mit ihm geführt hast! Smile Ich hoffe, dass hilft ihm sich dir etwas weiter zu öffnen. Bleib am Ball!
Ganz viel Kraft dir und ein schönes Wochenende!

LG, rabitten