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nach fast 7 Jahren: Ist er tatsächlich weg von Pornos?
#21
@Lieber Mosaikstein,

ich freue mich immer sehr über Deine Antworten und mag Deine direkte, ungeschönte Art, verpackt in dennoch einfühlsame und verständnisvolle Worte (siehe Deine 1. Antwort).

Ich habe mir meinen neuen Weg die Tage immer wieder verinnerlicht und mir Strategien für die Gespräche zurechtgelegt. Er konnte mich davon nicht abbringen. Gestern hatten wir ein extrem langes, aber sehr friedliches Gespräch. Ich hatte durch die Gespräche in den letzten 3 Wochen gemerkt, dass ich die letzten Jahre vieles zu dem Thema verdrängt habe. Wir redeten ja quasi nur noch alle paar Wochen bzw. Monate über das Sexthema, also dass er nie auf mich zugeht und im Bett total passiv ist. Die ED kam ja nun dieses Jahr zum Vorschein. Zuvor war Sex fast immer möglich wenn ich bei ihm Hand anlegte.

Irgendwie hat mich die ED total getroffen und mich völlig durcheinander gebracht. Aufeinmal kamen wieder Zweifel auf, ob es doch nicht vorbei ist mit der Sucht, und alles der 1. 3 Jahre kam wieder hoch. Durch mein Nachdenken, Analysieren und die Gespräche kamen immer wieder neue Fragen auf. Ich bin leider schon immer eine Grüblerin gewesen, schon als Kind. Unbeantwortete Fragen lassen mich nicht schlafen, und ich kann mich im Alltag kaum konzentrieren, platze bald. Manchmal sehne ich einem Gespräch so sehr entgegen, halte es kaum noch aus. Meistens geht es mir danach besser, aber manchmal ist es dann noch schlimmer, und neue Fragen kreisen.

In 1. Linie habe ich die Veränderungen vorgenommen, um mich etwas abzukapseln, abzulenken und besser zu fühlen. Trotzdem denke ich ganz tief in mir drin, dass ich es irgendwie doch wieder für ihn mache und um etwas in seine Richtung zu bewirken. Das zeigt sich dann auch im Gespräch wenn ich Tatsachen anspreche, die für mich und Euch hier absolut nachvollziehbar sind und er dann aber mit Unverständnis reagiert. Ich denke, aktuell geht es mir gar nicht so darum, dass er irgendwas umsetzt sondern einfach nur darum, dass er mich versteht.

Wir haben gestern 8 Stunden geredet. Es war sehr entspannt, und keiner von uns hat ein böses Wort verloren. Er hat auch Verständnis gezeigt für vieles. Aber bei dem Sexthema ist er festgefahren, genau wie die Jahre zuvor.

Im 1. Gespräch vor ein paar Tagen war er ziemlich angepisst, sagte, ich würde die Stimmung, die wir nach dem Gespräch vor 3 Wochen hatten, damit wieder kaputt gemacht. Ich wäre so anders. Er kenne mich so gar nicht. Ich hätte ihn regelrecht niedergemacht und angegriffen. Auch hätten wir uns im 1. Gespräch so einen tollen Plan zurechtgelegt. Ich sagte zu ihm, dass das kein Plan war, denn er habe wiedermal gar keinen Vorschlag gemacht, und prompt musste von mir wieder der Vorschlag kommen, da er wohl nicht auf mich zugehen könne, mittlerweile nur, wenn ich ihn kurz vorher daran erinnere. Ich fragte ihn also, ob er, nachdem ich paarmal auf ihn zugegangen bin, es dann auch bei mir tun würde. Es folgte eine ewig lange Pause und dann sagte er: "Irgendwann schon." Damit war das 1. Gespräch beendet, und er schnallte nichtmal, dass es gar kein ausgemachter Plan war, sondern einfach nur eine Testfrage von mir, deren Antwort ich quasi schon kannte.

Solche "Pläne" hatten wir die ganzen Jahre genug gemacht, und es lief immer gleich ab. Ich wartete, nichts passierte, bis irgendwann wieder ein Gespräch von mir folgte. Nach 4 Jahren schaffte er es dann zumindest die 1.Tage nach dem Gespräch, mich an unser "Date" zu erinnern. Aber kurz darauf schlief es wieder ein. Ich habe ihm gesagt, dass mir dazu inzwischen einfach die Kraft fehlt. Es würde nie 100%ig von ihm kommen wenn ich mit ihm immer vorher darüber reden muss. Egal, ob ich 3 Wochen oder 3 Monate bis zum nächsten Gespräch gewartet habe. Es änderte nichts.

Das 2. Gespräch war auch sehr holprig, und wir zofften uns auch kurz. Er kriegte sich aber wieder ein und führte das Gespräch sachlich mit mir fort.

Gestern lief es dann richtig gut, aber einige seiner Aussagen beschäftigen mich seitdem. Aber vielleicht habe ich jetzt eine Ahnung, warum er natürlichen Sex so ablehnt.  Wenn ich gesagt habe, dass wir es mit dem Sex auch ganz sein lassen können, wirkte er sehr verletzt und sagte, dass das nicht das wäre, was er will. Spreche ich aber mit ihm darüber, dass mir der Sex fehlt, hat er Ausreden. Wie soll man daraus schlau werden? So ging das die ganzen Jahre.

Nicht mal, als wir uns ein Kind wünschten (er mehr als ich), hatte er Sex mit mir. Ich fragte ihn dann, wie er sich das vorstellt, wie das klappen soll? Das gin 3 Jahre so, und ich sagte ihm immer wieder, dass ich mit 40 nicht mehr schwanger werden will. Darauf meinte er immer nur, dass er genug Leute kennen würde, die älter sind und noch Kinder bekommen haben.

Nun kam gestern heraus, dass er, bis auf die Beziehung mit seiner Ex-Frau, fast immer nur Affairen hatte bzw. mit Frauen intim wurde, die bereits vergeben waren, meist auch Kinder hatten. Durch die damaligen Mails und und WhatsApp, wusste ich, dass er immer nur 2, 3x Sex mit Frauen hatte, die er kennenlernte und dann nicht mehr. Das waren auch nur sehr wenige Frauen, und manchmal wurde er mit Frauen auch gar nicht intim, selbst wenn sie eindeutig wollten. Außer mit seiner Ex-Frau vor der Ehe und mit den Affairen. Da gab es regelmäßigen Sex. Er sagt ja auch ständig seit Jahren, dass Sex in einer Beziehung für ihn nicht wichtig ist. Was meint er damit? Hat er Angst, die Beziehung würde durch Sex zerstört? Oder ist die Beziehung etwas Heiliges für ihn, wo kein Sex hingehört? Ich habe sowas mal über Porno-/Sexsüchtige gelesen, dass die Partnerin etwas unverdorbenes, reines für diese Süchtigen ist. Aber, er schaut doch nun seit Jahren keine Pornos mehr? Und zu der Zeit der Affairen war er auch noch nicht süchtig, sagt er zumindest. Was läuft da in seinem Kopf falsch?

Er sagte auch, dass er sich an den Sex vor den Pornos erinnern kann. Trotzdem sei es ihm nie so wichtig gewesen, dass er jede Situation hätte ausnutzen wollen und ihm manchmal auch seine Schüchternheit im Weg stand. Manchmal wollte er es aber auch einfach nicht.

Ob er als Kind misshandelt wurde, weiß er nicht. Er erinnert sich nicht, nur an merkwürdige Träume, die er damals hatte und ihn bis heute nicht loslassen. Seine Mutter wurde wohl von ihrem Mann, seinem Vater, geschlagen und vergewaltigt und kann nicht zu 100% sagen, ob er davon was mitbekommen oder sogar selbst was abbekommen hat. Sie hat ihn zwar beschützt, kann es aber nicht ganz ausschließen.

Uff, ganz schön viel Text. Schäm. Aber mich beschäftigt das alles so sehr.

Danke, dass Du mir Mut machst.

LG Geduldige

@Lieber Schokiprinz,

Ich freue mich so, dass auch Du mir schreibst. Besonders Deine Beiträge und die von Mosaikstein habe ich im Forum verfolgt. Mir gefällt Eure Art zu schreiben und dass Ihr kein Blatt vor den Mund nehmt. Auch Frasier bleibt im Gedächtnis.

Du hattest mir von langen Gesprächen abgeraten. Leider konnte ich ihm das nicht ausschlagen. Es gab lange keine Gespräche mehr, und es hat sich wohl einiges aufgestaut, vor allem bei mir. Ich war so froh, dass ER mal ein Gespräch wünschte.

Du meinst also, die ED könnte er bekommen haben, ohne dass er die letzten 4 Jahre noch konsumiert hat? Bis einschließlich 2019 funktionierte es noch mit Hand anlegen, auch wenn er beim Sex natürlich immer verdammt schnell kam. Trotzdem blieb auch danach die Erektion meist noch etwas bestehen, wenn auch nur für gefühlt 10 Sekunden. Oder hat er vielleicht 2 neue Süchte oder gar 3? Nach den Pornos kamen Handyspiele, Serien, und er ist ein richtiger Workaholic geworden die letzten Jahre.

Bei allem anderen, was Du schreibst, bin ich sofort dabei und werde das genauso beherzigen sowie umsetzen. Habe ja quasi schon damit angefangen.  Angel Deine Worte habe ich ihm übrigens so ähnlich auch an den Kopf geknallt. Er hat ja offensichtlich schon mit den wenigen Tagen, in denen ich mich verändert habe, ein Problem. Diese Wirkung ist mein Vorteil, denn er kennt mich so nicht und ist ziemlich verunsichert sowie irritiert. Seitdem kommt er jeden Tag mehrmals zu mir und umarmt mich, streichelt mein Gesicht, und er beobachtet mich ziemlich oft. Das gab es monatelang nicht mehr (vielleicht auch länger...). Von mir kommt bisher keine Initiative. Das ist von mir auch so beabsichtigt.

Danke, dass Du hinter mir stehst!

LG Geduldige
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#22
Hey du Liebe,

das tut mir sehr, sehr leid, was du erleben musstest!

In dem Kontext finde ich deinen letzten Absatz schwierig.
Du hast von einer positiven Veränderung bei dir berichtet, nachdem du selbst in Bewegung gekommen bist.

In deiner Situation und mit deiner Geschichte finde ich, dass du deinem Partner nicht aus seinem Schlamassel helfen musst.
Generell muss niemand einem pornoabhängigem Partner aus dem Schlamassel helfen. Er muss sich bewegen.
Wenn er das aber nicht tut, dann kann man ihm nicht helfen.

Bitte kümmere dich weiter um dich!
Du brauchst das jetzt. Gehe deinen Weg weiter! Es hat dir gut getan.

Wie läuft es die letzten Tage bei dir?
Hat dein Partner noch weiter reagiert auf deine Veränderung?

Fühl dich gedrückt.
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#23
@Liebe Mira62,

danke für Deine lieben Worte. Du siehst das richtig, und ich halte an meinem neuen Weg fest. Ich habe immer gewartet, dass sich was bessert, auch aktiv kommuniziert aber mich dabei letztendlich hinten angestellt. Ich habe mir eingeredet, dass ich mich erst ändern darf wenn sich etwas bei meinem Partner vorher zum Positiven ändert. Immer wieder habe ich mir eingeredet, dass ich mich erst bewegen kann wenn er sich bewegt weil er es missverstehen könnte, und mir vorwerfen, ich würde mich nicht mehr für ihn und die Beziehung interessieren. Und wie so oft habe ich es bereut, das eine oder andere nicht gemacht zu haben, obwohl ich es mir wünschte und wusste, es würde mir gut tun. Ich dachte, bewege ich mich weg, tut er das auch. So ist es nicht! 

Ich merke, wie er sich seit meiner Veränderung auf mich zubewegt. Er sucht wieder die Nähe zu mir. Und das ist ein toller Erfolg.

Meine Intuition sagt mir, dass es da wohl Sachen gibt, ob nun heute oder damals präsent bzw. beides, die er mir nicht sagen kann oder will. Aber das ist für mich aktuell nicht das Wichtigste. Es kann Vergangenheit sein, denn meine und seine Veränderung zählt mehr für mich als die ganze Wahrheit. Entscheidend ist für mich, was wir im hier und jetzt tun.

Danke für Deine aufbauenden Worte und dass Du an mich glaubst.

Auch ich wünsche Dir ganz viel Stärke, Selbstbestimmung und Glück.

Heart liche Grüße

Geduldige

@Liebe Lea76,

Vielen Dank für Dein Verständnis und den Einblick in Deine Geschichte. Schlimm, was auch Dir widerfahren ist, bereits mit Deinem damaligen Freund.

Ja, das erste Entdecken, was man noch gar nicht so richtig wahrhaben will, herunterspielt, sich schön redet... Ich war damals noch in der "Ich bin verliebt"-Phase. Da sieht man sowieso über vieles hinweg und weiß nichts von einer Sucht, den Auswirkungen. Man nimmt nur ungewohnte Verhaltensweisen im Alltag war (Worte, Blicke, Launen, dass der Sex auf der Strecke bleibt...), bringt es aber nicht damit in Zusammenhang. Man will ja auch nicht die zickige, eifersüchtige Partnerin sein und muss den Partner erst für sich "gewinnen". Ich wollte im 1. Jahr perfekt für ihn sein.

Ich wusste nicht soviel über ihn, aber soviel, dass er schwer zu erobern war. Hätte ich ihn, als mir das Ausmaß seines Konsums und die daraus resultierenden Folgen bewusst wurden, eiskalt konfrontiert und ein Ultimatum gestellt, hätte er mich schlichtweg rausgeschmissen. Ich wollte ihn nicht verlieren und wusste, ich muss es behutsam angehen. GEGEN die Sucht war das definitiv falsch von mir. Um ihn damals zu halten, war es aber der einzige Weg für mich. Wie soll er auch merken, was er an mir hat wenn er seine Umwelt durch die Sucht kaum wahrnimmt? Und er war vor mir jahrelang allein mit den Pornos? Für ihn war ich in dem Moment der Entdeckung und des Ansprechens schlichtweg ein Störfaktor. 

Er sagte selbst irgendwann zu mir, dass ER nicht verliebt war. Dafür wäre ich ihm zu vertraut gewesen weil wir uns bereits kannten. Gefühle hätten sich erst später bei ihm entwickelt und er habe mich lieben und schätzen gelernt. 

Aber später hätte ich konsequenter sein müssen und ihm Grenzen setzen sollen mit einer klaren Ansage. Das weiß ich. Ich war einfach zu weich.

Ich wünsche Dir Alles Alles Liebe.

Ein Knuddler auch von mir für Dich.

LG Geduldige
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#24
@Lieber Mosaikstein,

keine Sorge, ich bleibe auf meinem Weg!

Ich habe es vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt mit dem Schlamassel, ihm da raus zu helfen. Ich hätte eher, ihn unterstützen oder beistehen schreiben sollen.

Mir ging es die Tage sehr schlecht weil mich die alten Gefühle und damit verbundene Fragen, ohne Vorankündigung wie eine Lawine erfasst haben. Dazu kamen die Gespräche. Es war nervenaufreibend und kräftezehrend. Gestern früh wusste ich gar nicht mehr, wohin mit mir, bin weinend zusammengebrochen. Obwohl das Gespräch quasi perfekt verlief. Ich hatte wieder nur 3 Stunden geschlafen und war mit meinen Kräften am Ende. Da war ein extremer Schmerz, als hätte ich mich gerade von meinem Mann getrennt oder er sich von mir. Ich konnte mich mit Arbeit ablenken und bis zum Abend meine Gedanken ordnen. Noch besser ging es mir dann hier im Forum, als ich las und schrieb.

Diese Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, die ich u. a. empfunden habe, sehe ich aber nicht rein negativ. Ich hatte lange das Thema verdrängt, und nun kam es wieder hoch mit allem drumherum. Dazu meine Veränderung, eine ganz neue Erfahrung, ungewohnt für mich und ein großer Schritt. Ich sehe das Ganze als Prozess. Vielleicht wollte der Schmerz nochmal zugelassen werden, damit er nun heilen kann...

Wir hatten für den Tag kein großes Gespräch geplant, wollten zum Abend nur alles "sortieren". Einiges vom Vortag kam nochmal zur Sprache. Er schien endlich verstanden zu haben, hatte nichts mehr entgegenzusetzen, war völlig bei mir.

Weder am Freitag noch gestern hatte er mir signalisiert, genervt zu sein oder mich ausgebremst. Ich konnte so frei und ungehemmt reden wie noch nie mit ihm.

Er hat Vorschläge gemacht! Zum 1. Mal gingen diese nicht nur in seine Richtung. Zunächst schlug er 1 arbeitsfreien Tag je Woche vor (wir hatten seit Jahren so gut wie nie frei, kein Wochenende etc.). Er wolle so mehr Zeit mit mir verbringen, etwas unternehmen oder einfach nur mit mir entspannen, kuscheln und an den Tagen seine ED mit mir angehen, quasi "üben". Sollte es dauerhaft zu nichts führen, ist ein Arztbesuch Thema, worum er sich dann kümmert. Auch bezüglich eines Therapeuten ist er nicht mehr abgeneigt. Er bat wiederholt um Lesestoff und hat bereits einen Artikel online gelesen nach unserem Gespräch.

Ich habe mich dazu positiv geäußert, ihm aber gleichzeitig deutlich gemacht, dass ich so eine Ignoranz und Passivität wie sie die letzten Jahre an der Tagesordnung war, nicht mehr dulde und er erstmal eine Weile "liefern" muss, bevor ich mich wieder 1 Schritt auf ihn zubewege. Sobald er es "schleifen" lässt, heißt das für mich, 1 Schritt zurück oder weiter weg.

Er war einverstanden.

Die letzten Tage, kam er immer wieder angeschmust, hat mich geküsst, mich angesehen, mich beachtet. Ich lasse ihn gewähren, bleibe aber vorerst passiv, zum ersten Mal. Er muss dranbleiben, so wie ich dranbleibe, unabhängig von ihm, meinen "Wohlfühlweg" zu gehen und es ihm nicht leicht zu machen.

Es wird für ihn leichter werden, je öfter er die Initiative ergreift. Und irgendwann werde ich das auch mal wieder für ihn tun aber nie wieder immer nur ich! Ein Geben und Nehmen, das wünsche ich mir.

Ich drücke Dich zurück und alle hier! Ihr habt mir schon so sehr geholfen.

Den Austausch möchte ich nicht mehr missen und freue mich über Eure Zeilen. Egal, wie es jetzt weitergeht. Ich werde hier berichten und Euch daran teilhaben lassen.

Der Anfang scheint gemacht. Ich kenne meinen Weg! Alles andere wird sich zeigen.

GLG Geduldige
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#25
Liebe Geduldige,

ich unterstütze dich gerne und du bist wirklich eine starke Frau.

Ich habe heute morgen nochmals deine Geschichte gelesen und bin dann erst mal eine Runde Joggen gegangen. Dabei habe ich nochmal über all das nachgedacht, was du geschrieben hast und bin zu einer Schlussfolgerung gekommen, die ich dir gerne darlege.

Was ich schreibe ist vielleicht schmerzhaft, aber wenn ein Funken Wahrheit dran ist und wenn es für dich auch bedeutet Veränderungen vornehmen zu müssen, so ist es doch besser als sich weiter Jahre im Kreise zu drehen.

Ich glaube dein Mann hat dir eigentlich schon mitgeteilt, was mit ihm los ist . Zwar nicht durch eine klare Botschaft, aber durch Äußerungen, die er gemacht hat.

Ich glaube nicht, dass die Pornosucht ursächlich ist, für dein unbefriedigendes Sexualleben. Ich kenne nicht den Fachbegriff für das, was dein Mann hat, aber ich nenne es mal egosexuell. Ich glaube, dein Mann hat nicht wirkliches Interesse mit anderen Menschen Sex zu haben. Dennoch sehnt er sich danach eine Beziehung zu haben und ist dem ständigen Dilemma gefangen, dieser Beziehung in sexueller Hinsicht nicht gerecht werden zu können.

Das fängt schon bei seiner Ehe an.1-2 mal Sex und dann nichts mehr. Das Gleiche bei dir. Es geht weiter damit, dass er dir gesagt hat, dass er die Pornos für die frühere Affäre aufgeben würde. Wohlgemerkt für die Affäre, nicht für die Beziehung mit dieser Frau. Dann hat er dir ausführlich beschrieben wie seine Hand und sein Penis beim Betrachten der Pornos eins werden. Was bedeutet das; er braucht die totale Kontrolle. Du hast seinen Gesichtsausdruck gesehen, als er zu Pornos masturbiert hat und gesagt, das du noch nie einen solchen Ausdruck beim Sex gesehen hast. Seine Listen mit Prostituierten und Preisen. Er wollte gewappnet sein, sich genau das aussuchen zu können ,was er braucht. Aber er braucht es in Wirklichkeit nicht, den die Erfüllung ist sein Penis in seiner Hand.

Auch die Teilnahmslosigkeit beim Sex. Er hat kein wirkliches sexuelles Interesse an Frauen. Er merkt nicht, wenn er in dir kommt. Weil er sich eben nicht hingeben kann, weil es ihm nichts gibt.

Seine aktuelle ED hat wahrscheinlich nichts mehr mit Pornos zu tun. Sie ist einfach der Ausdruck dessen, dass Sex mit einer Frau für ihn nicht erregend ist. Er kann deshalb nicht.

Ob er ganz von den Pornos weg ist oder nicht spielt auch aktuell nicht die größte Rolle. Er hat es wahrscheinlich drastisch reduziert , weil er gemerkt hat, dass eure Beziehung in Gefahr ist. Das dies aber nur die Hälfte der Miete ist und die andere Hälfte mehr Sex mit dir ist, kriegt er nicht gebacken.

Er hat dir gesagt, das er anders ist als Andere. Er hat davon gesprochen, dass er sich wahrscheinlich umgebracht hätte, wenn euere Beziehung gescheitert wär. Das sind alles Zeichen dafür, dass er eine Beziehung will, aber er will keinen Sex mit seiner Partnerin.

Es erklärt auch, warum er trotz monatelanger Flaute im Bett nicht wusste, warum du mit ihm sprechen willst. Ihm fehlt der Sex nicht, weil er ihn nur mit sich in erfüllter Form erleben kann.

Es ist auch verständlich, warum er immer erst von dir andere Gegenleistungen fordert und dann dafür Sex in Aussicht stellt.

Bitte verstehe mich richtig; Ich glaube, dass er dich liebt und das er gerade aktuell hart mit sich ringt. Durch deine Veränderung sieht er eure Beziehung in Gefahr und er merkt, dass seine bisherigen Lösungsschema; ich fordere etwas und stelle dafür Sex in Aussicht nicht mehr funktionieren.

Er merkt, du meinst es ernst und es kommt zu dem Punkt, wo du sagst, das es so nicht mehr weitergeht.

Ich denke er braucht eine echte Therapie, damit er sich zu dem bekennen kann, was er wirklich will.

Mir fällt es schwer zu glauben, das am Ende dabei herauskommt, dass ihr zu einem Paar mit einem erfüllten Sexleben werdet, wie du es dir vorstellst. Aber vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit für euch, das beide bekommen, was sie brauchen. Was das ist und wie es geht, mag ich nicht zu sagen, aber es wird besser sein als die schmerzhafte Beziehung , die ihr gerade führt.

Ich denke du solltest mal in dieser Richtung mit ihm sprechen. Aber bitte, brich nicht deinen Weg ab, den du eingeschlagen hast. Wenn du nachgibst und wieder nur in eure Beziehung investierst, wird er sofort wieder in die Passivität gehen und sich denken; ist doch alles gut, sie ist wieder bei mir und das Sexthema wird wieder ungelöst bleiben.

Sag ihm ,was du brauchst und das du darauf nicht verzichten kannst. Sag ihm, er soll endlich anfangen herauszufinden, was wirklich mit ihm los ist. Wenn am Ende steht, das eine Beziehung zwischen euch nicht funktioniert dann ist das zwar schmerzhaft, aber besser als noch Jahrzehnte zu leiden.

Liebe Geduldige, es liegt nicht an dir persönlich, das er keine Lust hat. Was du hier über dich schreibst, zeigt mir das du eine liebevolle und verständnisvolle Frau bist. Du brauchst auch keine Selbstzweifel zu haben, wegen deiner sexuellen Bedürfnisse. Die sind völlig in Ordnung. Wenn sich meine Vermutung bestätigen sollte, musst du auch nicht die Beziehung sofort aufgeben. Vielleicht ist dann in eurem Falle eine offene Beziehung die Lösung. Aber ihr wisst dann beide, warum ihr diesen Weg geht und es kann dann durchaus bedeuten, dass eure Beziehung glücklich wird.

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag.
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#26
@Lieber Schokiprinz,

vielen Dank. Ich muss Deine Worte erstmal wirken lassen, Deinen Text noch mehrmals lesen, will nicht einfach "drauflos" schreiben und werde später noch darauf eingehen.

Dein Begriff egosexuell existiert tatsächlich. Ich hatte mich früher schon bezüglich meines Mannes mit Narzismus befasst, auch ein Buch gelesen und heute folgendes online herausgesucht, was ich hier gern posten möchte:

https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/375502#Ursachen

Zunächst nochmal danke an Dich und bis bald.

Geduldige
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#27
Liebe Geduldige,

deine Vergangenheit macht mich wirklich sprachlos...
Es ist einfach unfassbar und richtig beklemmend.  Sad

Ich möchte Dir am liebsten soviel dazu schreiben... aber ich denke, wir lassen die Vergangenheit jetzt erstmal ruhn.

Deine Zukunft steht jetzt im Fokus!!   Angel

Wenn Du aber mal Zeit hast oder Dich die Vergangenheit wieder einholt...

https://dubistgenug.de/vergangenheit-loslassen/

"Der Kopf muss loslassen, damit die Seele wieder atmen und das Herz wieder zur Ruhe kommen kann."

Heart

Alles Liebe
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#28
@Lieber Schokiprinz,

ich konnte die letzten 2 Nächte gut schlafen (1x 6 Stunden und zu heute sogar 8h). Die Wochen davor waren es nur 2 bis 5 Stunden.

Dein Beitrag hat mich zunächst in eine Art Schockstarre versetzt, und ich habe in den letzten 2 Tagen viel über das Thema gelesen. Es ist Wahnsinn, wie viele Arten/Typen von Narzissmus es gibt. In einem Typ habe ich meinen Mann zu 100% wieder erkannt. Er hat sich ja auch - unabhängig vom Sex oder dem Thema Sex - oft merkwürdig verhalten, so dass mich meine Eltern, sein Bruder sowie seine Mutter und auch Freunde ab und zu ansprachen weil sie sein Verhalten manchmal nicht nachvollziehen konnten. Ich hatte auch mit ihm darüber geredet. Gesagt hat er dazu nie etwas.

Im Moment weiß ich nicht so recht, wie ich damit umgehen soll, wenn es wirklich so sein sollte. Gegen Pornos sah ich immer eine Chance, gegen Narzissmus hilft nur eine Therapie, und selbst die ist schwierig, habe ich gelesen.

Einerseits fühle ich mich erleichtert, da ich dann den Grund für sein sexuelles Desinteresse kennen würde. Andererseits wäre es auch wie ein Todesurteil für unsere Beziehung, denn ein Narzisst ist nicht nur im Bezug auf Sex ein Narzisst sondern auch im Bezug auf alles andere. Ich habe viele Artikel dazu gelesen und konnte nicht 1x einen Satz darüber finden, dass ein Narzisst seine Partnerin liebt. Er will sie nur um sich haben, solange sie ihm von Nutzen ist. Das ist nicht das, was ich mir unter einer glücklichen Beziehung vorstelle. Narzissten spielen allen Menschen um sich herum etwas vor und lügen ständig. Ich will nicht, dass man mit mir spielt und mich belügt.

Eine offene Beziehung wäre leider für uns beide keine Option. Eine Beziehung ist für mich etwas Exklusives, das auch den Sex beinhaltet. Mein Mann legt auf Treue großen Wert und hat den Vorschlag, dass ich zu anderen Männern sexuellen Kontakt haben könne, nur gemacht weil er wusste, dass ich es nicht tun würde. In dem Moment, als ich darauf einging, hat er Panik bekommen.

Ich hatte mich so auf das wöchentliche Kuscheln und evtl. Sex (wenn es funktioniert) gefreut. Der 1. Tag wäre am Samstag gewesen. Er hatte daran gedacht, und ich habe mich darum gedrückt, es auf Sonntag verschoben. Auch da habe ich mich rausgewunden und es auf heute verschoben. Er hat wieder daran erinnert, und ich habe wieder eine Ausrede benutzt. Mit diesen Gedanken im Kopf will ich ihm gerade gar nicht nah sein, ihn auch nicht umarmen oder küssen oder dass er es macht.

Was soll ich jetzt nur tun? Schon wieder mit ihm reden?

LG Geduldige
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#29
Liebe Geduldige,

ich würde dir raten, jetzt (noch) nicht mit ihm zu reden.

Was ich geschrieben habe, ist eine Vermutung. Ob sie wirklich richtig ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Das kannst nur du oder Leute die ihn schon länger kennen.

Im Prinzip hast du nichts zu verlieren, wenn du dich aktuell auf ihn einlässt und versuchst herauszufinden, was wirklich los ist.

Wenn du gelesen hast was der Narzissmus-Typ , der deinem Mann entspricht , dann weisst du auch wie du ihn herausfordern kannst.

Du bist intelligent und du wirst ihm die richtigen Fragen stellen, um herauszufinden, was wirklich los ist. Erst wenn du mehr Sicherheit hinsichtlich deiner Vermutung hast, würde ich ihn ansprechen.

Das ist auch fair ihm gegenüber. Bestätigt sich deine Vermutung nicht und er zeigt dir jetzt wirklich , das er dich liebt, geht auf dich ein, zeigt echtes sexuelles Interesse, dann ist ja alles gut.

Merkst du hingegen, dass seine aktuelle Annäherung nur darin begründet ist, dass er Angst hat dich zu verlieren und der Narzisst eben Angst hat die Kontrolle zu verlieren, solltest du mit ihm sprechen.

Aber ich muss immer wieder betonen. Bleib bei deiner Veränderung, ordne dich nicht wieder unter oder lasse dich auf Deals ein, die er nur aushandelt, um dich zufrieden zu stellen, dich aber nicht weiter bringen.
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#30
@Lieber Schokiprinz,

danke für Deine schnelle Antwort.

Intuitiv hatte ich auch zuerst den Gedanken, ihn nicht gleich darauf anzusprechen. Wenn er wirklich ein Narzisst ist, kann ich da auch auf keine ehrliche Antwort oder gar Einsicht hoffen. Ich muss denken wie er und ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen, und ich muss es "durch die Blume" tun.

Zunächst konzentriere ich mich weiterhin auf meine Veränderungen und das, was mir gut tut.

In einem meiner Beiträge hatte ich mal den Hure-Madonna-Komplex indirekt angesprochen, der ebenfalls ein Grund für sein Verhalten sein kann. Hier ein Link dazu:

http://primal-page.com/d-madonn.htm

Das würde ebenfalls auf ihn passen. Egal ob Deine oder diese Vermutung, läuft beides auf eine Therapie hinaus, wobei mir die 2. Vermutung natürlich eher eine Hoffnung auf die Fortsetzung der Beziehung mit ihm gibt, da er mich in dem Fall doch lieben könnte, wogegen der Narzisst niemanden wirklich lieben kann. Ob er sich damit auseinander setzen will und wird, nimmt mir die Entscheidung, zu bleiben oder zu gehen. Denn für mich gibt es dann nur Bleiben wenn er sich Hilfe sucht und herausfindet, was mit ihm los ist oder Gehen wenn er es weiter ignoriert.

LG Geduldige
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