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Vom Wichser zum Mann
#61
Hey Steffus!
Ich kenne solche Tage und Momente. Habe vor ein paar Tagen genau das Gleiche durchgemacht. Ein harter Tag mit einer starken Angespanntheit, weil der Suchtdruck merklich größer ist und dann auch noch irgendein Trigger.
Ich mach mir dann immer ganz klar bewust, was auch du schon geschrieben hast: Ich habe heute viel Suchtdruck und habe gerade einen Triggermoment erlebt.
Dann mache ich mir bewusst, dass die Gedanken irgendwann verschwinden werden und ich diesen Gedanken keine Beachtung schenken sollte. Das Wichtigste ist dabei immer für mich diesen allerersten Moent des Triggers zu "überstehen". Dann verschwindet der Triggergedanke meistens. Und auch wenn er dann später wiederkommt ist es leichter mit ihm umzugehen und nicht mehr so stark getriggert zu werden.

Mich würde interessieren: Ist der Gedanke an die Situation mit der Frau immer noch sehr triggernd für dich, wenn du jetzt darüber nachdenkst?

RedBlob
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#62
Hey Red, vielen Dank für deine Nachricht,

nein gar nicht mehr, also das Thema hat sich zum Glück erledigt. Aber zuletzt leide ich unter sehr starken Stimmungsschwankungen. Ich bin beruflich unzufrieden, will eigentlich was neues suchen, vielleicht in eine ganz andere Richtung. Aber mir fehlt im Moment einfach die Kraft Dinge anzugehen. Das macht mich natürlich noch zusätzlich fertig. Ich denke ich muss den nächsten Schritt meiner Reise gehen und mir doch Untersützung suchen. Außerhalb des Forums und von meiner Freundin. Ich glaube das muss jetzt sein. Ich kann nicht mehr sortieren und priorisieren, was bei mir gerade überwiegt. Ist es die berufliche Unzufriedenheit, die Suche nach meiner Aufgabe im Leben oder einfach der Suchtdruck, bzw. Spuren der Sucht.

Ich hatte außerdem einen schwachen Moment vor wenigen Tagen und habe mir selbst die gelbe Karte gezeigt. Noch so ein Moment und ich resete meinen Counter.
Warum nicht direkt? Schwache Momente gehören dazu und ohne darauf näher eingehen zu wollen, war es kein Rückfall im klassischen Sinne, so wie früher.
Deshalb ist das meine letzte Chance meine 90 Tage zu erreichen.

Wenn ich nur wüsste, ob diese Depression die ich mich momentan erlebe mit der Sucht oder der beruflichen Fehlorientierung zusammenhängt. Oder eine Mischung aus beidem ist?! Wer weiß wie viele Entscheidungen ich nur deshalb getroffen habe, weil ich meine wahren Emotionen durch Pornos immer wieder unterdrückt habe. Hätte ich diese Sucht nicht gehabt, wäre ich vielleicht direkt in einen Richtung gegangen, die ich mir gewünscht hätte.
Aber das ist natürlich etwas, das ich nie herausfinden werde.

Für mich steht fest: Weiterhin sind Pornos keine Lösung und ich will sie nicht mehr. Und ich werde mir jetzt ärztliche Hilfe suchen. Alleine ist der Kampf im Moment einfach zu aussichtslos.
Das Ziel liegt im Weg

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#63
Moin Steffus,
das ist doch eine wertvolle Erkenntnis. Freut mich, dass du immer noch keinen richtigen Rückfall erlitten hast.
Bei mir ist es so, dass wenn ich auf Porno bin, ich solch eine Mattheit und Gleichgültigkeit erlebe und meine Probleme zugedeckt sind, dass ich selbst in der Therapie einen schlechten Zugang zu mir und meinen Gefühlen hätte. In meinem Fall ist die Abstinenz damit schon fast Voraussetzung, um in der Therapie erfolge zu erzielen.
In manchen Städten gibt es psychoanalytische Institute, bei welchen du dir eine neutrale Meinung darüber einholen kannst, welches Therapieverfahren denn am besten geeignet wäre. Auch sinnvoll. Da gäbe es die Analytische, Tiefenpsychologische Psychotherapie und Verhaltenstherapie.
Am wichtigsten ist wohl, dass dir der Therapeut sympathisch ist und du Vertrauen aufbauen kannst.
Alles Liebe und bleib dran,
Rüdiger
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#64
Vielen lieben Dank Rüdiger für deinen Beitrag.
Ich kann in etwa verstehen, was du meinst. Jedes Mal, wenn ich einen Rückfall hatte, fühlte ich mich auch die darauffolgenden Tage schlecht. Ein Gefühl, welches schwer in Worte zu fassen und doch existent ist. Mit Mattheit und Gleichgültigkeit triffst du es glaube ich sehr gut.
Ich glaube auch, dass mir eine Verhaltenstherapie weiterhelfen kann. Der Weg zu einem Psychologen wird wohl einer meiner nächsten sein.

Ich wünsche dir auch alles Gute!

90 Tage und doch erst der Anfang.

Meine Uhr zeigt jetzt 92 Tage. Ich bin also seit 48 Stunden geheilt.

Wenn es doch nur so einfach wäre... Die letzten Tage verliefen ganz unterschiedlich.
Neben Tagen an denen Bilder in meinem Kopf nur nebensächlich waren, gab es auch diese an denen ich am liebsten hingeschmissen hätte. Für den einen Klick. Für den kurzen Kick... Zuletzt habe ich, immer dann, wenn die Bilder zu viele und das Verlangen zu groß wurden, meistens morgens unter der Dusche, masturbiert. Druck, Suchtdruck abgelassen. Ich fühle mich oft matt, abgeschlagen. Und ich habe nicht die Energie, die Motivation und den Ehrgeiz, die ich mir mit meinen 27 Jahren wünsche.
Ich versuche jetzt eine Stufe weiter zu gehen und auf die Masturbation zu verzichten. Was aber mache ich, wenn der Suchtdruck kommt und wenn er vielleicht zu groß wird?
Diese Antwort versuche ich in der Meditation zu finden. Atemübungen, Achtsamkeit, Autosuggestion. Mithilfe einer App, nehme ich mir täglich 10-15 Minuten Zeit um mich etwas zu erden und mein Gedankenkarussel abzustellen.
Und genau so möchte ich jetzt auch gegen meinen Suchtdruck vorgehen. Ich bin gespannt ob es mir durch die schwierigen Augenblicke helfen wird.

90 sind nur der Anfang. Zum ersten Mal seit ich mir meiner Sucht bewusst bin, hab ich es geschafft für ganze 90 Tage nicht zu Pornographie zu masturbieren. Es war sicherlich nicht zu 100% clean. Mal habe ich hier ein Bild gesehen, mal da die "legalen" Grenzen von Youtube ausgelotet. Das grenzwertigste war ein Video mit pornografischem Inhalt, zu dem ich aber nicht masturbiert habe. Ich habe ca eine Minute lang geschaut. Und trotzdem: Der eine Rückfall, dieser Moment in dem ich nach mehreren Videos und mehreren Stunden vor dem PC und nach dem Kommen wach werde und merke, dass ich es wieder einmal nicht geschafft habe... Diesen Moment hatte ich jetzt seit über 90 Tagen nicht. Und das ist extrem wichtig für mich. Es zeigt mir, dass es möglich ist!
Ich hab selbst nach diesem einen Video nicht aufgehört und bin stark geblieben. Ich habe erkannt in welche Situation ich mich wieder begebe und konnte gegensteuern.

Jetzt beginnt eine Phase in der ich mein Verhalten abseits der Pornographie weiterentwickeln möchte. Durch Meditation, Sport und viel Versuchen und Scheitern, will ich mehr Klarheit und Fokus in meinem Alltag haben. Ich möchte weniger Zeit mit unwichtigen Dingen verbringen.

Ich freue mich auf neue inspirierende Artikel hier von euch, in diesem Forum. Ich möchte gern weiter in diese Gemeinschaft, die wir hier gemeinsam entwickeln, reinwachsen und meinen Teil dazu beitragen, dass es jeder von uns schafft, seine Ziele zu erreichen.

Einen schönen Abend euch und alles Gute.

PS: Noch einmal, damit es jeder weiß, der hier noch keine 90 Tage auf der Uhr stehen hat. Ich selbst habe am 25.12.2017, 15:27 meinen ersten Beitrag in dieses Forum geschrieben. So lang hat es jetzt bei mir gedauert eine 90 zu erreichen, von der ich behaupten kann, dass sie eine verdiente 90 ist. Und trotzdem stehe ich ganz am Anfang. Smile
Das Ziel liegt im Weg

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#65
Hilfe!

Ich habe gerade den absoluten Tiefpunkt erreicht. Ich fühle mich völlig niedergeschlagen und hilflos. Ich weiß nicht mehr genau was der Auslöser war, aber ich bin über den Verlauf des Abends hinweg in ein Loch gefallen. Ich lag mit meiner Freundin auf der Couch und ich konnte merken, wie es immer schlimmer wurden. Meine Gedanken kreisten um Themen und ich fühlte mich plötzlich so ausgeliefert und schwach. Als würden alle Themen und Probleme zu viel werden und sämtliche Hoffnung verschwinden. Das ist nicht das erste Mal in den letzten Monaten, dass ich an diesem Punkt angelangt bin. Aber jetzt fühlte es sich besonders heftig an.

Ich merke schon, dass es mir gerade wieder etwas besser geht, einfach weil ich darüber schreibe. Aber ich riskiere in solchen Momenten, die sich über mehrere Stunden hinweg ziehen, meine Beziehung. Wenn ich keinen Ausweg sehe und wenn ich wieder in diesen endlosen Gedanken feststecke, dann zweifle ich die Beziehung zu meiner Freundin an. Ich glaube, wenn ich ehrlich bin, zweifle ich auch in den anderen Momenten. Ich zweifle die ganzen Entscheidungen der letzten Jahre an.

Ich frage mich, ob ich viele Entscheidungen in meinem Leben nur wegen meiner Sucht getroffen habe.. Und jetzt, wo ich meinen Körper und meinem Geist den Suchtstoff entziehe, stellt sich heraus, dass viele Entscheidungen nicht richtig waren. Ich kann nicht mehr klar denken und auch nicht mehr gewichten, welche Stimme in meinem Kopf recht hat.
Ich habe Angst es mir einzugestehen, aber in Momenten wie diesem glaube ich, dass ich ein Fall für die Psychiatrie bin.

Morgen, wenn es dann wieder gut geht, werde ich das Problem klein reden und mir denken, dass doch alles in Ordnung ist.

Bis zum nächsten Mal...
Das Ziel liegt im Weg

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#66
Hey Steffus,

ein sehr ehrlich und wichtiger Beitrag. Ich würde diese Stimme generell nicht ignorieren, ABER es gibt eine ganz wichtige Regel im Umgang mit negativen Gedanken: Nicht alles was du denkst ist auch wahr.
Der Mensch tendiert dazu seine eigenen Gedanken immer als wahr zu betrachten, da es ja UNSERE Gedanken sind. Aber das stimmt ganz oft nicht. Gerade bei negativen Gedanken verliert man sich oft in einer negativen Emotionsspirale, in der man immer und immer wieder die gleichen Sachen durchdenkt ohne an ein Ziel zu kommen.
Was in solchen Momenten oft hilft ist sich zu fragen: Gibt es RATIONALE Gründe für diese negativen Gedanken? Oder gibt es vielleicht viel mehr rationale Gründe DAGEGEN. Das würde bei dir bedeuten: Was sind die Gründe, wieso du die Beziehung anzweifelst? Sind die negativen Gründe echt so viel stärker als das Gute?
Oft übertreibt man auch in seinen Gedanken, man sollte auf Wörter wie "immer, nie, jedesmal, gar nicht, usw." aufpassen. Diese sind meistens nicht gerechtfertigt.

Mit all diesen Tipps will ich natürlich betonen, dass man Probleme, die dich beschäftigen (wenn sie denn rational sind) auf jeden Fall ernstnehmen sollte und handeln sollte.
Weiterhin will ich betonen, dass dieser Beitrag natürlich keinesfalls einen Besuch bei einem Arzt ersetzt oder ersetzen soll. Wenn du das Gefühl hast, du verlierst dich zu sehr in diesen Gedanken und schadest dir selbst damit, solltest ud wirklich in Betracht ziehen professionelle Hilfe aufzusuchen.

RedBlob Smile
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=17381]
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