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Mein Weg aus der Pornosucht
#1
Hallo liebe User,

ich habe mich entschlossen heute mit meinem eigenen Tagebuch zu beginnen um vollständig abstinent zu werden. Ich bin 24 Jahre alt, berufstätig und seit ca. zwölf Jahren pornosüchtig. Seit ich derart auf Porno und Mastaubation fixiert bin, tue ich mich im leben sehr schwer. Zuvor war ich in Schule, Sport und Musik sehr erfolgreich. Seither habe ich mich irgendwie durch Schule und Studium geschleppt, stand mir dabei jedoch oft selbst im Weg. Ich habe es in der Zeit, in der ich pornosüchtig bin, nie geschafft mich meinen Problemen und Ängsten zu stellen. Daraus resultiert, dass ich sehr unzufrieden mit mir selbst bin. Mir fällt es sehr schwer mich dauerhaft zu konzentrieren, ich lasse mich leicht ablenken und habe schon sehr oft ganze Tage im Bett verbracht.
Ich bin seit sieben Jahren in einer Beziehung mit meiner Freundin, die mein Problem kennt. Ich habe es innerhalb des letzten Jahres geschafft meinen Pornokonsum erheblich einzuschränken, jedoch habe ich es bisher nicht geschafft dauerhaft damit aufzuhören. Bisher war ich nie länger als 20 Tage komplett abstinent. Um vollständig abstinent zu werden habe ich vor zwei Wochen mein Smartphone gegen ein herkömmliches Handy ohne Internetzugang eingetauscht. Auf das Smartphone habe ich keinen Zugriff mehr, da ich es einem Freund gegeben habe, der dieses jetzt auch selbst nutzt. Zudem besuche ich seit zwei Monaten eine Selbshilfegruppe. Nachdem ich mein Smartphone abgegeben habe ist mir zudem aufgefallen, wie sehr man sich an dieses Teil gewöhnt hat. Ich litt danach zunächst unter Entzugserscheinungen. Ich freue mich jederzeit über Anmerkungen, Kommentare oder Kritik zu meinem Text.
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#2
Hi drhouse,

du hast schon viele wichtige Schritte vollzogen und ich hoffe, dass die Community dir während der letzten Etappen helfen kann.
Unsere Werdegänge sind sehr ähnlich bis auf den Punkt, dass ich mit 21 Jahren halt etwas jünger bin und noch im Studium stecke. Deine Probleme kann ich unterschreiben, wobei ich nach über einem Monat Abstinenz die ersten Verbesserungen spüre.


Ist deine Selbsthilfegruppe speziell für Pornosucht/Sexsucht? Ich selbst bin in einer allgemeinen Gruppen-/ Einzeltherapie und kann dadurch sehr gut an den versteckten Ängsten arbeiten.


Ich vermute, dass es bei dir noch nicht den typischen Schuss/ Knall gab, der dich endgültig hat umdenken lassen. In welchen Situationen flüchtest du in die künstliche Welt?

Viel Erfolg und denk dran, der Einzige der etwas ändern kann bist du!

VG Kfee
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#3
(05.09.2018, 21:15)Kfee schrieb: Hi drhouse,

du hast schon viele wichtige Schritte vollzogen und ich hoffe, dass die Community dir während der letzten Etappen helfen kann.
Unsere Werdegänge sind sehr ähnlich bis auf den Punkt, dass ich mit 21 Jahren halt etwas jünger bin und noch im Studium stecke. Deine Probleme kann ich unterschreiben, wobei ich nach über einem Monat Abstinenz die ersten Verbesserungen spüre.


Ist deine Selbsthilfegruppe speziell für Pornosucht/Sexsucht? Ich selbst bin in einer allgemeinen Gruppen-/ Einzeltherapie und kann dadurch sehr gut an den versteckten Ängsten arbeiten.


Ich vermute, dass es bei dir noch nicht den typischen Schuss/ Knall gab, der dich endgültig hat umdenken lassen. In welchen Situationen flüchtest du in die künstliche Welt?

Viel Erfolg und denk dran, der Einzige der etwas ändern kann bist du!

VG Kfee
Hallo Kfee,

vielen Dank für deine Ermutigung. Die Selbsthilfegruppe ist allgemein für Sex- und Liebessüchtige. Ein großteil der Teilnehmer ist jedoch pornosüchtig. Dort kann man viel lernen. Vorallem wie sich die Sucht immer weiter steigern kann (vom Unterwäschekatalog bishin zu regelmäßigen unkontrollierten Besuchen bei Prostituierten). Auch bei mir begann es zunächst mit Unterwäschekatalogen, weiter über das DSF-Nachtprogramm bishin zur Pornographie im Higspeed Internet. Die Dosis wurde von Mal zu Mal stärker. Während des Studiums ist es dann komplett aus dem Ruder gelaufen. Seit ich arbeite habe ich meinen Konsum merklich eingeschränkt.
Ich flüchte hauptsächlich in zwei Situationen in die Welt des Pornos und des Onanierens. Zum einen, wenn ich mich einem Problem nicht stellen will/kann und zum anderen wenn ich getrunken habe, vor allem am Tag des Auskaterns. Durch diese Sucht habe ich viele Situationen als unüberwindbare Hürde angesehen. Dinge, die kaum jemand als eine derartige Hürde ansehen würden. Die meisten Menschen würden wahrscheinlich nicht einmal verstehen, wo das Problem liegt. Ich konnnte mir es selbst oftmals nicht erklären.
In den Zeiten, in denen ich nüchtern bzgl. der Pornosucht bin, schaffe ich es besser mich den Problemen zu stellen.

In welchen Situationen flüchtest du dich in die Pornowelt?
Hast du bestimmte Tricks?

VG Alex
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#4
Hi Alex,

ich kenne nahezu alle Momente die du beschreibst. Bei mir sind/waren zwei Situationen immer prädestiniert für Rückfälle: Langeweile und Müdigkeit.
Ich wusste nichts mit mir anzufangen, wenn ich alleine war/bin. Ein wichtiger Punkt innerhalb meiner Therapie ist es deshalb, mir selbst mehr Achtung zu schenken und das Leben um mich herum viel achtsamer wahrzunehmen.  Keine Ahnung wie es dir geht, aber ich sehe mich als ein kaputtes Zahnrad in der Leistungsgesellschaft. Ich funktionierte schon in der Grundschule sehr gut und war immer bestrebt "der Beste" zu sein. Kaum hatte ich die Schule verlassen, ging es noch schnell für 3 Monate ins Ausland bevor ich nun, mitten im dualen Studium, die Doppelbelastung akzeptiere. Ohne Zweifel, man wächst an allen Aufgaben, doch irgendwann ging es nicht mehr ohne Ventil. Die Pornosucht war genau dieses Ventil, das mich besonders während der Abiturphase "unterstützte". Ich konnte fliehen... vor dem Stress und dem Gefühl nicht gut genug zu sein. Daraus resultieren auch Probleme mit dem Selbstwertgefühl, ein Sammelbegriff für vieles, wenn du mich fragst.


Ob ich Tricks habe? Nicht wirklich. Ich kämpfe seit Dezember 2015 aktiv gegen meine Sucht und habe erst jetzt das Gefühl, weiter zu sein als jemals zuvor. Derzeit überschütte ich mich aber auch mit Aufgaben und positiven Erlebnissen. Irgendwie ist es ebenfalls eine Form des Flüchtens, auch wenn es sich besser anfühlt.

Ah, vielleicht habe ich doch einen Tipp: Höre auf Tage zu zählen und sieh alles wie ein großes Projekt. Nicht die Pornos sind die Verursacher deiner Probleme, sondern die angesprochenen Ängste. 
-Die Realität ist das einzig Reale- Ready Player One

Pack es an!

Kfee
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#5
Hallo Kfee,

dass mit dem Leistungsdruck kann ich voll und ganz nachvollziehen. Jahrelang habe ich versucht anderen Menschen nachzueifern. War eifersüchtig auf ihre vermeindlichen Talente und Geschichte, egal ob diese gestimmt haben oder nicht. Daran bin ich sehr oft gescheitert bzw. teilweise auch zerbrochen. Aus Frust habe ich mich lieber in die Pornowelt zurückgezogen und ornaniert.
Was mich zudem ein Leben begleitet ist die Angst vor Zurückweisung. Die Angst vor einem "Nein". Ganz egal wie banal die Situation/Frage auch war. Ich habe mich nicht getraut zu fragen oder bestimmte Situationen zu klären. Somit wurden viele Situation nie oder erst auf den letzten Drücker geklärt. Ich habe alles aufgeschoben. Dabei haben sich in mir sehr viele schlechte Gefühle/Schuldgefühle aufgestaut, welche ich mit immer mehr Porno und Masturbation bekämpft habe. Danach war es für wenige Momente besser, jedoch brauchte ich immer mehr und härteren Stoff. Die Spirale drehte sich immer weiter...
Zunächst war mir auch nicht bewusst, dass mein immens hoher Pornokonsum ein Problem sein könnte. Ich war ständig müde, konnte mir nichts merken. Meine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit war am Boden.

Eine Frage an die Runde:
Sind die Effekte durch Nüchternheit von Porno und Masturbation wirklich derart positiv?
Wann stellten sich bei euch die ersten Erfolge ein?

LG Alex
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#6
(06.09.2018, 18:06)drhouse schrieb:
(05.09.2018, 21:15)Kfee schrieb: Hi drhouse,

du hast schon viele wichtige Schritte vollzogen und ich hoffe, dass die Community dir während der letzten Etappen helfen kann.
Unsere Werdegänge sind sehr ähnlich bis auf den Punkt, dass ich mit 21 Jahren halt etwas jünger bin und noch im Studium stecke. Deine Probleme kann ich unterschreiben, wobei ich nach über einem Monat Abstinenz die ersten Verbesserungen spüre.


Ist deine Selbsthilfegruppe speziell für Pornosucht/Sexsucht? Ich selbst bin in einer allgemeinen Gruppen-/ Einzeltherapie und kann dadurch sehr gut an den versteckten Ängsten arbeiten.


Ich vermute, dass es bei dir noch nicht den typischen Schuss/ Knall gab, der dich endgültig hat umdenken lassen. In welchen Situationen flüchtest du in die künstliche Welt?

Viel Erfolg und denk dran, der Einzige der etwas ändern kann bist du!

VG Kfee
Hallo Kfee,

vielen Dank für deine Ermutigung. Die Selbsthilfegruppe ist allgemein für Sex- und Liebessüchtige. Ein großteil der Teilnehmer ist jedoch pornosüchtig. Dort kann man viel lernen. Vorallem wie sich die Sucht immer weiter steigern kann (vom Unterwäschekatalog bishin zu regelmäßigen unkontrollierten Besuchen bei Prostituierten). Auch bei mir begann es zunächst mit Unterwäschekatalogen, weiter über das DSF-Nachtprogramm bishin zur Pornographie im Higspeed Internet. Die Dosis wurde von Mal zu Mal stärker. Während des Studiums ist es dann komplett aus dem Ruder gelaufen. Seit ich arbeite habe ich meinen Konsum merklich eingeschränkt.
Ich flüchte hauptsächlich in zwei Situationen in die Welt des Pornos und des Onanierens. Zum einen, wenn ich mich einem Problem nicht stellen will/kann und zum anderen wenn ich getrunken habe, vor allem am Tag des Auskaterns. Durch diese Sucht habe ich viele Situationen als unüberwindbare Hürde angesehen. Dinge, die kaum jemand als eine derartige Hürde ansehen würden. Die meisten Menschen würden wahrscheinlich nicht einmal verstehen, wo das Problem liegt. Ich konnnte mir es selbst oftmals nicht erklären.
In den Zeiten, in denen ich nüchtern bzgl. der Pornosucht bin, schaffe ich es besser mich den Problemen zu stellen.

In welchen Situationen flüchtest du dich in die Pornowelt?
Hast du bestimmte Tricks?

VG Alex

Hey, kann die Erfahrungen von Kfee nur bestätigen. @Alex Ohne PMO wird man nach 7 Tagen schon wacher und achtsamer. Habe jetzt selbst 21 Tage durchgehalten und dann an einem freien Tag wo Langeweile aufkam unnötig PMO nachgegeben. Nach 14 Tagen war ich schon wesentlich kommunikativer und sozialer und habe bewusst versucht Leute anzuquatschen was ich normalerweise nie gemacht habe Big Grin Ich denke dass man nach einem Monat schon mit viel offeren Augen durch die Welt geht und sehr selbstbewusst auftreten kann wenn man z.B. noch ein Ehrenamt oder eine Führungsposition parallel ausübt.

Wie Kfee muss man sich mit Aufgaben überhäufen damit keine Langeweile mehr aufkommt und man busy ist. Dann denkt man auch gar nicht an PMO. Natürlich soll man sich auch belohnen und das kann jeder individuell gestalten. Für mich ist aber ein leckeres Essen, Schwimmen gehen etc. eigentilch schon eine Belohnung. Das sind Aktivitäten die in meiner Morgenroutine und meinem strikten Tagesablauf sowieso schon verankert sind. @Alex Man wird also auch viel dankbarer wenn man kein PMO macht und sich auf eigene Ziele und die Arbeit konzentriert.

Wie Kfee funktioniert es bei mir am besten dadurch dass ich viel arbeite (würde mich nicht als Leistungsträger bezeichnen, bin aber sehr diszipliniert und nicht faul). Der Weg ist das Ziel und man sollte den Prozess genießen. Ich habe leider keine Zeit mehr mich abends groß für irgendwas zu belohnen. Ich habe ein Punktesystem in einer Excel Datei wo ich meinen Punkte-Score schnell für jeden Tag errechne (Record-keeping) anhand von mir ermittelten wertvollen Aktivitäten im Laufe des Tages die meinen Lebensbereichen zugute kommen (Ernährung/Bildung/FinanzielleFreiheit/Sport/Zufriedenheit). Ist im Endeffekt auch eine Art Diary und funktioniert ganz gut. Weitere Infos findest du auch in meinem letzten Beitrag. Viel Erfolg Alex auf deinem Weg! Vergiss nicht, der Weg ist das Ziel!
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