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Nachhaltige Porno-Freiheit TEIL II - Emotionale "Immunität" gegenüber Pornografie
#1
(hier geht es zum ersten Teil: https://www.porno-sucht.com/forum/showthread.php?tid=2130)

Ich war selber überrascht.

Ende 2016 hatte ich mehreren Freunden gegenüber angekündigt, ein ganzes Jahr lang keinen einzigen Porno mehr zu schauen. Im Rückblick kann ich sagen, mir war es extrem wichtig (und bin auch heute sicher nicht frei davon), wie ich vor ihnen dastehe und was sie von mir dachten. Ich wollte mich als (willens-)stark und diszipliniert beweisen.

Es hatte schon vorher Phasen gegeben, wo ich abstinent war. Mal mehrere Tage, mal mehrere Wochen. Und dann gab es Phasen von mehreren Tagen, wo der Bann komplett gebrochen war. Wo ich 3, 4 x an einem Tag auf Pornografie masturbiert hatte.

Ich hatte also bisher immer mehr oder weniger gut mit Willenskraft dagegen halten können, mit eiserner Disziplin, mit kalten Duschen und kurzen Meditationen.

Ich war damit immer dem fernen Gefühl gefolgt, dass Pornografie mir auf Dauer wahrscheinlich nicht gut tut. Ein Teil von mir ahnte, dass ich so vielleicht nie eine eigene Familie haben könnte. Und dass ich mir durch Pornografie immer wieder die Energie für die schönen und interessanten Dinge im Leben entreiße.

Doch letzten Endes zog es mich doch immer wieder in den Strudel zurück. Als hätte ich auch das betäubte, selbst-beschämte, vereinsamte und selbst-verabscheuende Gefühl vermisst.

Egal in welcher Phase ich gerade war - gefühlt stand ich immer auf der Kippe. Pornografie war wie ein alter Freund, mit dem ich eigentlich nichts mehr zu tun haben wollte, wir aber doch nicht voneinander loskamen.

Das Lesen in den Nofap-Foren hatte es nur schlimmer gemacht, mich nur noch weiter in der Depression gehalten, denn mein Wille hatte auf Dauer gegen die Versuchung doch immer verloren. Es war wie als ob es sich aufstaute und das Überschwappen unvermeidlich war. Abstinenz- und Rückfallphasen wechselten sich in scheinbar unendlicher Wiederholung ab.

Die Wende Anfang 2017
Jedenfalls flog ich Anfang 2017 dann förmlich durch den ersten Monat.
Mir blieb schließlich nichts anderes übrig, als meine (selbst aus meiner Sicht damals etwas größenwahnsinnige) Ankündigung einzuhalten, denn ich wollte mein Selbstbild von meiner Diszipliniertheit und Willensstärke vor meinen Freunden bewahren:

"Natürlich schaue ich keine Pornos mehr!"; "Ich bin doch der Typ, der keine Pornos schaut." Irgendwann war es keine Frage mehr.

Ich hatte meine Identität, mein Sein geändert. Und nicht wie vorher, nur mein Handeln kontrolliert. Außerdem war der anfangs rationale Grund ("ich sollte") zu einem emotionalen Grund ("ich will..., weil was sollen dann meine Freunde bloß von mir denken?") geworden.

Trotzdem war ich ein bisschen überrascht, dass ich schon den kompletten Januar erfolgreich bewältigt hatte, ohne nur mit dem Gedanken nach einem Rückfall zu spielen.

Wichtig ist aber zu erwähnen, dass ich noch ein zweites wichtiges "Schild gegen Pornografie" angewendet hatte:

Das emotionale Schutzschild gegenüber Pornografie
Dies war ebenfalls entscheidend, um mich unabhängig von meiner emotionalen Verfassung auf 0 Porno-Sessions pro Woche zu halten:

Kurz vor Beginn des "Wett-Zeitraumes", also Ende 2016, schaute ich mir noch mehrfach Pornos an. Aber nicht um darauf zu masturbieren.

Stattdessen wollte ich mich einer kompletten Gehirnwäsche unterziehen. Ich wollte meine bisherige emotionale Reaktion auf Pornografie (sexuelle Erregung, Zufriedenheitsgefühl) überschreiben, um mich dagegen zu "immunisieren".

Also träufelte ich mir nach und nach emotionale Mindsets ein, die mich "automatisch" von Pornografie fernhalten sollten:
  • Von sexueller Erregung zu Angst (um meine Zukunft und Angst vor politischer Beeinflussung - subliminalen Botschaften die in emotional erregten Zustand auf mich einprasseln könnte - bitte keine Diskussion über Sinn oder Unsinn, ich hab es mir nur für diesen Zweck eingeredet).
  • Von sexueller Erregung zu Wut (über die verschwendete Energie und Zeit).
  • Von sexueller Erregung zu Enttäuschung (über mich selbst und die Illusion, dass ich in Pornografie doch das nicht finde was ich suche: Liebe, Intimität, Verbundenheit und eine echte Frau).

Dies konnte ich durch vorher eingeübte Meditationen realisieren - ich meditierte also erst in die Beobachterposition hinein und träufelte mir dann obiges ein). Außerdem habe ich mich an diese emotionalen Mindsets im Alltag immer wieder erinnert. Die Einfälle dazu kamen mir nach und nach, später habe ich es mir dann natürlich ohne Porno nach der Meditation eingeredet.

Dadurch holte ich den im ersten Post angesprochen Teil, der NEIN zu Pornografie sagt, an die Oberfläche meines Bewusstseins und machte ihn groß und stark.

Denn damals war ich schon realistisch genug, um zu wissen: Mit "nicht dürfen" (trotz der Ankündigung) werde ich das GANZE Jahr nicht überleben. Aber mit "nicht wollen" schon deutlich eher. Hierhin hatte mich die obige Strategie gebracht.

Heute macht mich das nicht komplett frei davon, niemals einen Gedanken an Pornografie zu haben. Auch in mir gibt es noch die Stimme: "Hm, wie wäre es jetzt nur, auf Pornografie zu masturbieren?" noch da. Und auch ich setze hier ab und zu Willenskraft ein. Doch es ist kein scheinbar unmenschliches, sondern gut handhabbares Maß geworden, und mein Mindset provoziert im Endergebnis keine Rückfälle mehr.

Im nächsten Post
... gehe ich darauf ein, warum diese obige Strategie langfristige Strategie eine Art Vakuum erzeugt:
Wir nehmen etwas weg, was emotional, zeitlich und energie-mäßig einen (teilweise großen) Teil unseres Lebens beansprucht hat... Doch was füllt jetzt dieses Vakuum?

Wer sich dieser Frage nicht stellt, wird ebenfalls das Risiko von Rückfällen auf Dauer erhöht halten.

Dieser Post wird in den kommenden Tagen hier erscheinen.

Bis dahin freue ich mich wieder über Eure Kommentare und Gedanken.
Ich habe Meditation genutzt, um das emotionale Verlangen nach Pornografie nachhaltig zu verringern.
Mehr Informationen: https://www.youtube.com/channel/UCcsyQdHQ7sb9WmXWBcDDVSA
Effektiv und Nachhaltig ans Ziel kommen: https://forms.gle/CuEFUyNxGbBt2Wmz7
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#2
Hallo Erik, ich finde deine Erfahrungen interessant.

Du schilderst klar und deutlich ohne ausschweife und unnötigen Infos.

Freue mich auf weiteres von dir

Gruß
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#3
Hey Erik!
Ich finde den Grundgedanken genau richtig und freue mich auch irgendwie, dass ich in meinem aktuellen Reboot genau den gleichen Grundgedanken habe: Ich darf Pornos gucken, ich will aber nicht.

Ich finde die Methode deiner Umsetzung interessant. Du hast also Pornos geguckt und dir dabei die negativen Gedanken und Gefühle bewusst gemacht?

Denkst du man kann auch ein funktionierendes "Emotionales Schutzschild" aufbauen ohne dabei Pornos zu gucken?
Ich habe meines in ruhigen Momenten ohne Pornos aufgebaut. Also so wie du später.
Mir ist der Gedanke Pornos zu gucken, um weniger Pornos zu gucken imemr noch etwas suspekt Big Grin
Natürlich sprechen die Ergebnisse trotzdem für sich.

Auf jeden Fall bestätigt dein Post, dass ich mit meinem Mindset auf dem richtigen Weg bin Smile

RedBlob
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=17381]
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