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Rat für mich als Freundin...
#1
Hallo ihr Lieben,

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich es ganz große klasse finde dass es dieses Forum gibt! Ich hab hier schon sehr viel nachgelesen und bedanke mich für euer aller Offenheit!
Nun bin ich selbst an dem Punkt angekommen an dem ich denke, dass mir eure Sicht und Meinung bezogen auf meine individeulle Situation helfen kann.

Die Fakten...

Mein Freund und ich sind Mitte 30 und "erst" seit 1 1/2 Jahren zusammen. Zwischen uns hat von Anfang an einfach alles gepasst. Wir haben denselben Humor, viele gemeinsame Interessen und damit einhergehende Aktivitäten, führen tolle Gespräche und im Bett passt´s auch. Das hat unsere Beziehung innerhalb kürzester Zeit unglaublich intensinv gemacht.
Ich bin ein sehr offener und direkter Mensch, darauf lege ich auch großen Wert! Ich wusste immer dass er Pornos konsumiert, das hat mir nichts ausgemacht, ich bin sehr aufgeschlossen und masturbiere auch selbst auf Pornos. Wir haben uns (dachte ich) immer offen darüber ausgetauscht, wie auch über sonstige sexuelle Interessen und Neigungen.

Im Januar habe ich dann durch Zufall rausgefunden, dass er mit Amateurdarstellerinnen via Email/WhatsApp Kontakt aufgenommen hat um von diesen Frauen pornographisches Material zu kaufen. Da war für mich eine Grenze überschritten! Für mich ist es ein massiver Unterschied ob man sich einen anonymen Porno anschaut oder ob man in direkten Kontakt (wenn auch "nur" online) mit einer anderen Person tritt.
Ich habe ihn zur Rede gestellt, unter Tränen gestand er mir das ganze Ausmaß seines Konsums und dass er schon seit Jahren die Kontrolle darüber verloren hat. Ich habe so meine Erfahrungen mit Suchtkranken, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung über Pornosucht hatte... In den folgenden Gesprächen spiegelte sein Verhalten, sein Denken und Fühlen nach meinen Erfahrungen ganz klar eine Sucht!

Ich informierte mich, sprach ihn darauf an, er informierte sich, reflektierte und fiel (wie wahrscheinlich viele von euch) aus allen Wolken als er erfuhr wie zwanghaft und gefestigt sein Verhalten ist und dass er damit nicht alleine auf der Welt ist.
So weit so gut, wenn auch unter intensivem emotionalem Stress auf unser beider Seiten (meine beste Freundin nennt es liebevoll Wachstumsschmerz), die ersten Schritte waren gemacht. Die nächsten folgten...

Wir haben gemeinsam Fachliteratur gelesen, uns wahnsinnig viel ausgetauscht, er hat begonnen zu meditieren, ich half ihm die Hyposensibilierungsmethode nach Paul Verano umzusetzen (auf seinen Wunsch), er hat mit kleinen Rückschlägen aufgehört zu masturbieren(???), er hat sich innerhalb kürzester Zeit einen Therapieplatz gesucht und letzte Woche begonnen. Das klingt alles noch viel toller wenn ich das hier so zusammen fasse, mir kommen schon wieder die Tränen. Ich bin mir mehr als bewusst dass er ein "Vorzeigesüchtiger" ist und viele nicht einmal einen dieser Schritte gehen. Das hängt natürlich auch damit zusammen dass er mich auf keinen Fall verlieren möchte, denn viele seiner Symptome deuten auch auf eine Liebessucht hin...
Das weiß er, aber er sagt er tut das auch für sich. Er will das alles nicht mehr, möchte nicht mehr schwach sein...

Wer bis hier her gelesen hat wird sich fragen, was ist eigentlich ihr sch*** Problem? Er tut doch alles was in seiner Macht steht. Eine für mich essentielle Sache fehlt mir aber... seine Offenheit und Ehrlichkeit. Denn immer, wirklich IMMER wenn er doch mal wieder Pornos komsumiert MUSS ich ihn dabei erwischen. In drei Monaten(!) hat er er sich oder mir KEIN einziges Mal von such aus eingestanden wenn der Suchtdruck kam und/oder er schwach geworden ist.
Gestern war es wieder so weit, er wusste Stunden vorher dass ich es merken würde und nicht einmal dann bringt er die Kraft auf es mir zu sagen und wartet bis ich selbst drauf komme um dann zu gestehen. Damit überträgt er mir viel zu viel Verantwortung um sein Problem zu lösen. Vor allem hab ich keine Ahnung über das aktuell tatsächliche Ausmaß, denn auf Nachfragen lügt er mir ins Gesicht, außer mir liegen handfeste Beweise vor. Ich weiß, dass dieses Verhalten mit diversen Zwängen zusammen hängt und er eigentlich nichts dafür kann... Trotzdem geht mir langsam aber die sicher die Kraft aus. Ich mag nicht mehr darüber reden, es bringt doch nichts wenn er nicht von sich aus vollständig ehrlich sein kann. Ich hab einfach keine Lust mehr die Sche*** zu fressen die er mir serviert!

Ich hab ihm sogar schon gesagt, dass ich es irgendwie nicht fair finde wenn er mir gegenüber rechenschaft schuldig ist und ich erwarte dass er mir sagt wenn das Problem auftritt. Er hat diesen Vorschlag ausgeschlagen! Er wollte undebingt immer offen und ehrlich sein, obwohl ich ihm praktisch einen Freifahrtsschein angeboten habe... und dann lügt er mir wieder ins Gesicht oder erzählt mir nur die positiven Seiten und lässt den Rest weg.

Mein Vertrauen hat er inzwischen vollständig verspielt...

Wisst ihr, für mich ist alles, wirklich alles ok, ich kann mit allem umgehen, ob er Pornos geschaut hat, überlegt hat, eine angeschrieben hat, masturbiert hat... Ich kann mit allem umgehen... Außer mit den ständigen Lügen und der Heimlichtuerei. Das weiß er ganz genau und trotzdem schafft er es einfach nicht über seinen Schatten zu springen...

Was mach ich denn falsch? Was kann ich noch tun? Ich will diesen Kreis durchbrechen und weiß einfach nicht wie...

Ich muss mich auch wirklich langsam selbst schützen, jetzt wieder ein Gespräch führen, wieder "offen" sein so weit er es zulässt, Verständnis zeigen, neu starten... und riskieren wieder zu fallen? Ich kann das einfach nicht mehr.
Wenn man X mal mit dem Kopf gegen eine Wand läuft und ständig dadurch verletzt wird... das bringt doch nichts!

Jetzt suche ich verzweifelt nach einer Lösung, die für uns beide passt und konstruktiv ist und mir fällt einfach nichts ein.

Bitte, ich hoffe ihr könnt mir helfen!

Was hat euch gut getan von Verwandten, Freunden, Partnern? Welche Form der Unterstützung braucht ihr oder habt ihr gebraucht?


Vielen lieben Dank für´s Lesen!

Ganz liebe Grüße, FrauK
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#2
Hallo FrauK,

Meiner Erfahrung nach bringen nur klare Ansagen und echte Konsequenzen etwas.
Er muss die „Sucht“ oder liebe Gewohnheit selbst ablegen wollen.

Das wird er nur ernsthaft angehen, wenn er abwägen muss, was ist mir wichtiger...

Also solltest Du ihm klar die Trennung androhen, bei weiteren Lügen.

VG
Frasier
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#3
Danke für deine Antwort Frasier,

Ich hab ihm bereits gesagt, dass er mit diesem Verhalten dabei ist unsere Beziehung zu zerstören und dass ich irgendwann meine Schlüsse daraus ziehen muss. Weißt du, ich bin ein sehr konsequenter Mensch... Wenn ich ihm sagen würde "Noch 1x und dann war´s das." würde ich das auch so machen, das weiß ich.

Aber ich bin einfach noch nicht bereit ihn aufzugeben, oder mir geht es noch nicht schlecht genug damit... wie auch immer man das formulieren möchte.

Mit einer so klaren Drohung würde ich also das Risiko eingehen a) Schluss zu machen obwohl ich das eigentlich nicht möchte, oder b) inkonsequent zu sein, was ich ebenfalls nicht möchte.
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#4
Tja...

Ich verstehe Dich, aber mein Eindruck ist leider, die Therapie und das Bemühen etc. ist vorgeteuscht.

Nur durch einen echten „Weckruf“ bemühen sich Suchtkranke. (Er lügt Dich ja weiter an, also will er nicht wirklich etwas ändern...) Du kannst Dir auch ein Lügenlimit setzen, aber nach der xten Lüge...

Hier sind ja einige Berichte von Frauen nachlesbar. Es lief immer aufs Selbe hinaus...

Wenn er nach einer ev. Trennung die richtigen Schlüsse zieht, kannst Du ja entscheiden...

Meiner Erfahrung nach wird alles Andere eine endlose Geschichte...

Das ist nur meine Meinung, abwägen und entscheiden musst Du.

LG
Frasier
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#5
Liebe FrauK!

Meine Frau und ich sind schon über 25 Jahre verheiratet und wenn ich so lese, was du schon alles für ihn gemacht hast, dann kannst du dir keinerlei Vorwürfe machen. Es liegt an ihm. Ich weiß auch, dass mir meine Frau nur helfen könnte, wenn sie mich immer überwacht oder immer versteht und lieb zu mir ist (bin auch nicht immer nur lieb zu ihr - Alltag). Ansonsten weiß ich, dass ich den Gordischen Knoten selber entwirren muss oder einfach das Bedürfnis zulassen. Mich selbst stört nur, dass ich sie verletze und viel Zeit verschwende, ansonsten ist meine Sucht noch nicht so arg, wie du es beschrieben hast. Dein Freund hätte die einmalige Chance , mit dir gemeinsam seine Sucht loszuwerden, aber ER hätte die Chance, du darfst dich keinesfalls "mit in den Abgrund reißen lassen". Die Verantwortung liegt ganz allein bei ihm. Bei mir ist es genauso, aber der DRUCK ist noch nicht groß genug für mich, um immer STARK zu bleiben.

Ich wünsche euch viel Erfolg!

Heinrich
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=18837]
max. 58 Tage
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#6
(04.04.2020, 08:18)FrauK schrieb: Was hat euch gut getan von Verwandten, Freunden, Partnern? Welche Form der Unterstützung braucht ihr oder habt ihr gebraucht?

Hallo FrauK,

ich möchte mich nur auf die zitierte Frage äußern.

Vorab: meine Frau weiß nichts von meiner Pornosucht, und ich bin mir sicher, sie will auch nichts davon wissen. Aber ich habe vor 2 Jahren eine Frau kennengelernt, die ich als meine Seelenverwandte bezeichne. Seit diesen 2 Jahren tauschen wir uns ausschließlich schriftlich aus und sie wurde zu einer Freundin, mit der ich über alles reden kann. Somit weiß sie auch über jedes Detail meiner Pornosucht Bescheid. 

Nun zu deiner Frage: Diese Frau fungiert als mein 'Engel'. Sie weiß mein Ziel (90 Tage keine Pornos, Masturbation als SlowSex ist erlaubt, also auch kein Kopfkino, nur der Fokus auf die Gefühle) und fordert jeden Freitag einen Statusbericht der vergangenen Woche ein. Warum hilft mir das? Ich weiß, auch bei einem Rückfall (war bis jetzt noch nicht) werde ich keine Vorwürfe hören, auch keine platten Motivationsreden. Sie wird mit mir die Gründe dafür reflektieren, welcher der Trigger hat zugeschlagen, was für Strategien gibt es für die Zukunft. Ich weiß, ich würde sie nicht belügen, weil es keinen Grund dafür gibt. Dafür haben wir genug Abstand zueinander. Würde diese 'Engelfunktion' meine Frau übernehmen, wär ich mir nicht sicher, ob ich sie nicht 'um des lieben Friedens willen' anlügen würde (und damit vielleicht auch mich selbst).

Einige nutzen dieses Forum zum Reflektieren. Ich hab den Luxus, meinen eigenen Engel dafür zu haben.

Viele liebe Grüße
Tscharlie
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#7
Hi Frau K,

ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es ein verdammt langer und harter Weg ist, der von viele Rückfällen und ständigen Neuanfängen geprägt ist.
Am Anfang einer jeden erfolgreichen Suchtbewältigung steht der aufrichtige Wunsch des Süchtigen, seine Sucht zu bekämpfen und Verhaltensweisen zu nachhaltig zu verändern.
Aus deinem Text kann ich nicht lesen, auf welche Art er seinen Alltag verändert hat. Klar, reflektieren ist wichtig und Ehrlichkeit zu anderen und vor allem sich selbst ist essentiell. Aber das alles bringt nichts, solange man nur auf eine fest gefahrene Gewohnheit -die zur Verhaltenssucht geworden ist- verzichtet; es müssen neue Verhaltensweisen aufgebaut werden und das dauert sehr lange. Schließlich ist dein Freund auch nicht über Nacht süchtig geworden.

Für mich sah die Verhaltensänderung konkret so aus, dass ich angefangen habe jeden morgen um 6 Uhr aufzustehen (Wecker steht am Ende des Raumes, habe also keine Wahl) und ich ziehe nur schnell Schuhe und das Notwendige an und gehe raus. Egal welches Wetter. Dann spaziere oder Jogge ich, je nachdem wonach mir mehr ist. Wenn ich wieder nach Hause komme (oder wenn ich spazieren gehe, bei gutem Wetter auch gerne im Wald) meditiere ich 15min geführt und mache danach noch ein Gedächtnistraining. Dann schreibe ich mir ein Commitment für den Tag, dass ich nicht konsumieren werde. Danach beginne ich mit meinen Aufgaben, die ich mir am Abend zuvor festgelegt habe. Natürlich baue ich auch genug Freizeit und Pausen mit ein. Abends schreibe ich dann einen Eintrag in mein Tagebuch, indem ich den Tag Revue passieren lasse und mir Highlights raussuche. Dazu können dann noch Satzergänzungsmethoden kommen usw.

Wichtig ist, dass man nicht nur den Konsum aufgibt, sondern auf der anderen Seite auch eine Struktur gewinnt. Die hat man durch den Konsum oft nicht mehr oder es fehlt schlichtweg der Anreiz. Übrigens gilt es auch zu hinterfragen, welche Dinge noch Einfluss haben. Süchtig machen nämlich nicht nur Pornos, sondern fast alle Social Media Apps und Netzwerke, indem sie das Gehirn mit neuen Reizen überfluten. Aber das soll an dieser Stelle mal nicht vordergründig sein.

Wie gesagt, ist es wichtig das Thema der Sucht ganzheitlich anzugehen und dein Freund kann sich glücklich schätzen, dass du ihm so verständnisvoll begegnest. Auf der anderen Seite werden machen Leuten die Augen auch erst geöffnet, wenn die Sucht dazu führt, dass man geliebte Menschen verliert. Ich hoffe nicht, dass du das als Druckmittel gegen ihn einsetzen musst und ihm vielleicht mit einer Verhaltenstherapie geholfen ist. Aber ich kann auch verstehen, wenn du irgendwann die Reisleine ziehst.

Ich hoffe, ich konnte das Thema noch einmal ein bisschen aus einer anderen Richtung beleuchten und wünsche dir alles Gute
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#8
Also ich finde es stark, wie du für euch kämpfst. Und ich sehe es auch so, dass es gut ist wenn du dich distanziert von seinem Problem und dich in Schutz nimmst. Es geht nicht das nur einer Kämpft.

Du kannst noch wenn du willst den Schritt machen und ihm aufzeigen, dass P. vieles ist aber vor allem menschenverachtend und für alle Beteiligten schädigend ist wie Prostitution und nicht freiwillig ist, wenn es für Geld ist.

Bei mir ist noch ein Umdenken nach über einem Jahr.
In meiner letzten Beziehung hatte ich nicht konsumiert, aber ich hatte noch viele unerfüllte Fantasien die ich nicht zur Sprache brachte. Die teilweise durch den Konsum kamen und Ungesund sind und teilweise ich heute mit mir vereinbaren kann.

Vielleicht weiß er wie konsequent du bist. Sage ihm wie du denkst, dass du noch Hoffnung hast aber nicht mehr kannst?! So wie du es uns auch gesagt hast.

Er lebt in seiner Bubble, wie viele in Verleugnung von Tatsachen.
Richtig wird sein, du machst das beste um ein reines Gewissen zu haben und hörst auf deine Gefühle und Intuition.
Du kannst ihn natürlich noch mehr einbeziehen und noch transparenter sein, aber "Life is not a race". Die Wahrheit ist verletzend genug, dann lass ihn halt "gewinnen", und vertraue auf dich und deine Wahrheit.
No time to quit.
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=22841]
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#9
Hallo ihr Lieben,

Vorab mal vielen vielen Dank für eure ausführlichen und sehr gut nachvollziehbaren Antworten!

Ich kann mir aus wirklich jeder etwas Positives für mich raus ziehen. In der Zwischenzeit ist, wie irgendwie in der letzten Zeit immer, wieder viel passiert, unter anderem ein weiterer Rückfall. Ich hab so das Gefühl die Abstände werden kürzer, oder der Zufall spielt mir einfach mehr in die "Karten".

Was daran "gut" ist, es kommen dadurch immer mehr Tatsachen, Emotionen, Denkweisen ans Licht. Bei uns beiden... Vor kurzem hat er mir gebeichtet, dass Lügen zu seinem täglichen Leben gehört, selbst wenn es nur Kleinigkeiten sind bei denen ich nie auf die Idee kommen würde. Beispiel: Er möchte für mich kochen und weiß auch was, wir unterhalten uns über verschiedene Gerichte (wir kochen beide gern und gut, mit- oder füreinander). Im Gespräch stellt er ein weiteres Gericht zur Auswahl, ich würde mich über beides ganz offensichtlich freuen, bin ja froh dass ich überhaupt einen Partner haben der kochen kann und das auch noch gern tut! Big Grin 

Im Anschluss geht er einkaufen und behauptet die Zutaten für das eine Gereicht seien nicht mehr da gewesen... In Wirklichkeit hat er für sich entschieden, dass er sich an eben dieses nicht ran traut und um mich nicht zu enttäuschen lügt er...
Das so eine Banalität ausreicht macht mich sehr sehr traurig, auf der anderen Seite zeigt es mir wie unfassbar schwer es für ihn sein muss überhaupt ehrlich zu sein, geschweigedenn wenn es um die Suchtproblematik geht.

Beim letzten Rückfall habe ich im Affekt tatsächlich gesagt "Ich beende diese Beziehung hier und jetzt."... Schlussendlich habe ich mich nicht von ihm getrennt. Ich hasse Affekthandlungen, die bringen meist nur Ärger mit sich. In diesem Fall meine so gehasste Inkosequenz. Konstruktiv sind sie auch nicht. Dennoch zeigt es mir wie unfassbar dicht ich daran bin alles hinzuschmeißen. Er meint er hätte den "Knall" nun gehört, denn trotz all meiner klaren Ansagen hätte er bis dahin noch nicht wirklich verstanden was er riskiert. Ob das nun stimmt? Wir werden sehen.

Jedenfall steht seine XBox nun bei mir (mit der er immer kosumiert hat), auf seinem Handy hat er einen Pornoblocker installiert auf den nur ich Zugriff habe, seinen Laptop bringt er heute Abend mit. Bevor ihr jetzt denkt das hat er im Affekt getan, nachdem ich mich trennen wollte, nein. Diese Entscheidungen hat er in den letzten Tagen nach der letzten Auseinandersetzung selbst getroffen.

@Steffus

Wow, dass du das durchziehst finde ich unfassbar beeindruckend!

Vielen Dank für deinen Hinweis was die Strukturen angeht! Das scheint mir einer der nächsten Schritte zu sein, aber aufzwingen kann ich ihm das natürich nicht. Von seinem Therapeuten hat er aber schon Tipps zu sinnvollen Beschäftigungen bekommen und er selbst hat sich damit an einen Arbeitskollegen gewandt dessen Hobby er eventuell teilen könnte. Was gleich zwei positive Aspekte mit sich bringt, denn soziale Kontakte hat mein Partner kaum und wenn wir ehrlich sind, keinen einzigen Freund...
Was eventuell etwas Struktur und Selbstreflektion mit sich bringt ist die App Brainbuddy die er seit ca. einer Woche nutzt.


Ich selbst bin ja auch immer wieder auf der Suche nach Hilfe für mich persönlich um mit der Gesamtsituation umzugehen. Dabei bin ich auf S Anon gestoßen, eine anonyme Selbsthilfegruppe für Angehörige von Sexsüchtigen. Das Telefonat hat mir sehr gut getan und ich werde mir morgen mal die Gruppe via Telefonkonferenz anschauen, wegen Corona finden im Moment leider keine Treffen statt...



Mal schauen wie es weiter geht, vielen Dank noch einmal euch allen und weiterhin alles Gute auf eurem Weg!

Liebe Grüße, FrauK
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#10
Hi FrauK,

mich freut, dass dir die Beiträge, zumindest ein Stück, helfen.
Ich finde es sehr gut, dass du dir auch selbst Hilfe suchst und nicht versuchst all das alleine durchzustehen.
Sex- bzw. in diesem Fall Pornosucht ist für viele so schwer zu greifen: Schwammig definiert, Betroffene bemerken es oft selbst gar nicht, gesellschaftlich wird der 'nicht-Konsum' oft als prüde oder verklemmt dargestellt. Und trotzdem ist das Suchtthema dann wiederum tabuisiert und mit Scham belegt. Worauf ich aber hinaus will. Diese Sucht ist wie jede andere Sucht ein krankhafte Verhaltensstörung, wenn nicht sogar eine Krankheit. Über die genaue Definition ist man sich ja noch nicht ganz einig, aber die WHO ist da dran. Und genau wie bei jeder anderen Sucht gehört einfach mehr dazu, als nur nicht mehr zu konsumieren, das dürfen wir alle niemals vergessen. Die Lügen und alles was sonst noch so anfällt, kann in direktem Zusammenhang mit der Sucht stehen. Oft werden diese Verhaltensweisen über Jahre oder Jahrzehnte geprägt. Deswegen sind Therapien möglicherweise so wichtig.
Ich finde es gut, dass er jetzt schon eine App nutzt um seinen Alltag besser zu strukturieren.

Bleibt dran!
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