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Tagebuch
#61
Lieber Phoenix, ich danke dir sehr für deine klaren Worte. Ich empfinde das nicht als belehrend, sondern gerade in meiner aktuellen Situation als sehr hilfreich.
Ich merke wie ich schwimme. Wie ich in Frage stelle, was für mich in den letzten Monaten galt. Und der Grund, du benennst es treffend, ist dass ich es so nicht geschafft habe und Gründe dafür gesucht habe.

Das Thema ist mir sehr wichtig, da es viel Leidensdruck hervor ruft. Ich merke aber auch, dass ein Teil meines Leidensdrucks durch das Gefühl des Scheiterns hervorgerufen wird.

Ich bin inhaltlich voll bei dir. Was mir Schwierigkeiten macht, ist dass die Rückfällige intensiver und raumeinnehmender waren als die Sucht selbst.
Und eben auch, dass durch die Abstinenz, den Entzug, bei mir Gefühle von Einsamkeit, Selbstzweifel und einfach eine große Unzufriedenheit mit meinem Dasein viel fühlbarer werden als das sonst der Fall ist.

Aktuell befinde ich mich irgendwo zwischen freiem Fall & hart aufgeschlagen.
Meine Rückkehr in alte Suchtverhaltensmuster hat mir nicht geholfen, ganz im Gegenteil. Die letzten 4 Wochen waren eine absolute Bodenerfahrung. Ich habe mich sehr gehen lassen und es ging mir damit sehr schlecht.
Ja ich habe Angst vor dem erneuten Cut, auch wenn ich weiß dass es mir in den vorangegangenen Monaten mit der Pornoabstinenz eigentlich gut ging.
Nur dieser Gefühls-Change, den ein Pornoexzess bei mir immer bewirkt, dieses für mehrere Stunden alles ausblenden, das "fehlte".

Ich schreibe dass hier sehr "dramatisch", auch um dem Bagatellisieren zu entgehen, ich kenne so etwas von mir. Was ich jetzt wieder benötige ist Klarheit, die ist mir abhanden gekommen.
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#62
Es ist völlig normal, dass Du in der Abstinenz mit Deinen Problemen konfrontiert wirst.
Das und der Verzicht/Entzug sind der unangenehme Teil, wo jeder Süchtige durch muss.

Selbstzweifel, Druck und Unzufriedenheit können zu extremen Rückfällen führen, wenn man sich gehen lässt.
Du musst Dir eine eigenen Strategie zurechtlegen und Dich vorbereiten, Du weisst, was ziemlich sicher wieder auf Dich zukommen wird.
Sport ist eine gute Möglichkeit um schnell Stress abzubauen und die Stimmung aufzuhellen.
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#63
(28.10.2020, 09:14)phoenix schrieb: Es ist völlig normal, dass Du in der Abstinenz mit Deinen Problemen konfrontiert wirst.
Das und der Verzicht/Entzug sind der unangenehme Teil, wo jeder Süchtige durch muss.

Ja ist es. Und der Weg, seinen Problemen aus dem Weg zu gehen, mag auf den ersten Blick entlasten, jedoch führt es tatsächlich spätestens mittelfristig zu einer größeren Belastung.
Ich meine, die Probleme sind nicht weg, nur weil ich mal nicht hinsehe, eher vergrößere ich sie damit, dass ich sie über einen längeren Zeitraum nicht angehe. 

In den letzten 2 Wochen hat sich bei mir wieder etwas verändert, ich habe einfach keine Lust auf meine Pornosucht. Keine Lust mich vor meinen Problemen wegzuducken statt einfach mal drauf zu schauen wie ich meine Sachen so regeln kann dass ich damit zufriedener bin.
Das hat alles direkt und indirekt mit meiner Sucht zu tun. Ich weiß, dass ich meiner Sucht den Nährboden entziehen muss. Solange ich mit grundlegenden Themen unzufrieden bin, werde ich besonders sucht-/ rückfallgefährdet sein. Klar ist aber auch, dass Vieles nicht von jetzt auf gleich geht. Aber allein der Wille, der sich bei mir zuletzt wieder entwickelt hat, ist angenehm. Und führt dazu, dass ich wieder aus meinem Loch komme und mein Suchverhalten gestoppt habe.

Und um wieder Lust & Energie zu haben, um Sachen anzugehen die mir wichtig, aber nicht immer eindach oder angenehm sind, musste ich meiner Sucht wieder klar begegnen.
Raus aus den Ausreden, die irgendwo nichts anderes als Selbstaufgabe waren. Und mit der Selbstaufgabe kam diese deprimierte Scheißstimmung.

Seit ich für mich den Gedanken gefasst habe, nicht mehr in meiner Pornosucht versinken zu wollen, fällt es mir vorerst überraschend leicht mich anders zu verhalten. 
Ich bin 7 Tage pornofrei, 7 Tage in denen ich wie aus einer Betäubung aufwache. In den letzten 14 Tagen hatte ich einen einzigen Pornotag. Die ersten 7 Tage waren erzwungen, der Pornotag intensiv und besonders Sch***e. Die letzten 7 Tage waren echt gut.

Bisher gehe ich nicht nach Plan vor. Das kommt grad von Innen, von allein. Ein Plan für schwierigere Zeiten erscheint mir aber dennoch sinnvoll.

Was mir gerade am meisten hilft, ist zu wissen, zu reflektieren wofür ich es tue. Dass ich dieses Fremdbestimmte, dieses Zwanghafte, dieses süchtig-schamvolle verlassen möchte. Und was ich gewinne. Worauf ich wieder Lust habe wenn ich nicht in meinem Pornoloch versinke, wie ich mehr "am Leben teilnehme", wie sich Depression und Hemmungen verringern, wie ich mehr an Antrieb gewinne, wie sich mein Gefühl von Selbstvertrauen und Selbstwert erhöht.
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#64
In den letzten knapp 4 Wochen habe ich 2 Pornotage gehabt. Außerdem einen mit SB, aber ohne Porno (das erste Mal seit vielen Jahren, ich dachte das geht gar nicht mehr).

Das ist eine gute Entwicklung nach dem massiven Rückfall in alte Verhaltsmuster davor, was mich für gut einen Monat komplett aus der Bahn geworfen hat.

Es ist dennoch noch immer so, dass ich mich wenig mit der Thematik Pornosucht auseinandersetze. Ich lese nicht im Forum, ich schreibe meine Gedanken nicht auf und nehme mir für diese keine Zeit. Ich blende das Thema aus.
Generell kümmere ich mich gerade wenig um mich, mache keinen Sport, erhole mich wenig.
Ich arbeite aktuell viel und wenn ich zu Hause bin sitze ich viel vor dem Rechner oder einer Serie.
Ich vermeide es mir einen Plan zu machen oder mich wieder mehr mit der Thematik Pornosucht auseinanderzusetzen. Mir fehlt dafür grad der Kopf oder die Energie.
Denn ich habe die Vorstellung, dass dieser "Plan" eine Struktur ist, die anstrengend ist. Die Arbeit für mich bedeutet. Dieser Plan stärkt, weil er etwas verbindliches hat, ich mir Ziele strecke etc, aber all das ist mit Engagement verbunden, mit Anstrengung. Ich weiß ja was hilft, regelmäßig Sport, regelmäßig in mich reinhorchen, meinen Problemen/ Themen aktiv begegnen etc.
Und dazu fehlt mir gerade die Lust und Energie. Diese Trägheit funktioniert zwar grad irgendwie, da ich meinen Pornokonsum nahezu weglassen kann, aber ich merke, dass das sehr instabil ist und kippen kann. Und dass das eben auch deshalb so ist, weil sich mein Suchtverhalten von Pornowelt auf Serie & und andere digitalen Parallelwelten verlagert.
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#65
Sehr ruhig geworden hier im Forum.

Hoffe du bist weiter auf Kurs !
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#66
Hey IT Guy, danke der Nachfrage :)

Ja, um mich ist es sehr ruhig geworden hier im Forum. 
Auf Kurs bin ich dafür trotzdem. Ich habe die Art der Kursführung ein wenig verändert. Der Kampf ist dem Tun gewichen würde ich es mal hochtrabend formulieren 
Ich habe etwas Druck rausgenommen. Habe mich weniger damit beschäftigt, Porno & SB- frei zu bleiben und mir das täglich einzuimpfen, und mehr damit auseinandergesetzt, was an diese Stelle rücken soll.
Ich fülle gerade meinen Alltag etwas mehr, mir gelingt es ganz gut. Und ich kann derzeit auch mal loslassen. Vor allem das tut gut.

Bis vor ein paar Monaten habe ich mir ein enges Korsett auferlegt, habe mir eine feste Struktur vorgegeben. Es hat für den damaligen Zeitpunkt seinen Zweck erfüllt, aber irgendwann wurde das mehr Last als Gewinn. Und ich habe mich damit mehr gezwungen als es zu wollen. 
Dieses Konzept hat viel Energie gekostet - und immer dann Risse bekommen, wenn es auf anderen Ebenen mal nicht so lief.

Derzeit beschäftige ich mich kaum mit dem Thema Pornosucht. Ich lebe einfach pornofrei (mit einem Rückfall in den letzten 3 Wochen). Der Ertrag im Sinne der Rückfallhäufigkeit ist der Selbe wie mit dem strengen Korsett, aber es fühlt sich besser an. 

Ich habe das Gefühl, es kommt mehr von Innen.
Und es ist irgendwie authentischer, weil ich mir weniger überstülpe.

Ich denke, das ist Teil einer Entwicklung. Diese anfängluch starre Struktur war eine wichtige Starthilfe. Durch diese ist es mir jetzt möglich, mit weniger Anstrengung pornofrei zu bleiben. Und ich bin mur bewusst, dass es auch wieder anders werden kann.

Aktuell kann ich mit "Tagen bis zum Reboot runterzählen" wenig anfangen. Ich bin entschlossen, pornofrei zu leben. Mein letzter Rückfall, aber insbesondere die Zeit vor 2 Monaten hat mir gezeigt, dass ich nicht in der Lage bin einen kontrollierten Konsum zu haben. Und wenn ich die Kontrolle verliere, was zwangsläufig der Fall ist, tut es mir auf vielen Ebenen nicht gut. Nun ist es aber nicht so, dass ich mich zwinge keine Pornos zu schauen etc. - ich habe es satt. Ich habe es satt süchtig zu sein, die Kontrolle zu verlieren, mein Verhalten nicht steuern zu können und meine Grenzen einzureißen. All das was ich schon oft im Tagebuch beschrieben habe.

Ich verbiete mir aktuell nicht's - ich möchte mich einfach nur nicht mit den Suchtfolgen plagen und habe verinnerlicht, dass jeder Konsum unweigerlich zurück ins Suchtverhalten führt.

Da stehe ich nun. Ist alles noch reichlich wackelig, aber eigentlich schon ganz in Ordnung, besonders wenn man bedenkt wo ich gestartet bin. Ich weiß es kommen Rückschläge. Auch Rückfälle wären normal auf diesem Weg, denn ich weiß ich bin ernsthaft süchtig. Und ich bleibe es auch in Zeiten, in denen es mir leichter fällt.

Soweit erstmal von mir. Nicht ausgeschlossen dass ich mich auch wieder in engerer Taktung melde. Aber gut dass ich auch ohne Diese die letzte Zeit gut verleben konnte.
Ich hoffe dir/ euch ergeht es ebenso gut :)
[Bild: nfc.php?nfc=26143]
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