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Mein Lied von Schnee und Winter
#61
Hierzu fallen mir spontan zwei Zitate von Michael Jordan ein. Wer ihn nicht kennt, er ist einer der besten Basketballspieler aller Zeiten.

Zitat:Ich kann Versagen akzeptieren, keiner ist perfekt. Aber was ich nicht akzeptieren kann ist, es nicht zu versuchen.

und

Zitat:In meiner Karriere habe ich über 9000 Würfe verfehlt. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 mal wurde mir der spielentscheidende Wurf anvertraut und ich habe ihn nicht getroffen. Ich habe immer und immer wieder versagt in meinem Leben. Deshalb bin ich erfolgreich.
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=3458]
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#62
Um das nochmal grafisch darzustellen:

So wollen wir Erfolg haben:

Zitat:Versuch -> Erfolg

So klappt das aber leider nicht im Leben. Meistens ist es eher:

Zitat:Versuch -> Fehlschlag

Die Meisten geben an dieser Stelle auf.

Um Erfolg zu haben muss man wie folgt vorgehen:

Zitat:Versuch -> Fehlschlag -> neuer Versuch -> Fehlschlag -> anderer Versuch -> Fehlschlag -> noch ein Versuch -> Erfolg

Das erfordert natürlich Durchhaltungsvermögen und Willenskraft. Man muss die Rückschläge einstecken und aushalten können, sich wieder aufrappeln und seinen Weg konsequent weitergehen, egal wie häufig man Fehlschläge hat. So ist das eigentlich mit allem im Leben. ;-)
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=3458]
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#63
(19.09.2015, 11:18)jdpsy schrieb: Vielleicht kannst du das ganz gut üben, in dem du dir Ziele setzten für die du auch ein paar Tage brauchst, bis du sie erreichst und dich auch nur wirklich dann dafür belohnst. Dann könnte dein Unterbewusstsein abspeichern, dass sich Geduld lohnt.

Ich glaube das Gefühl hängt doch sehr mit der Sucht zusammen. Ich kann mich nicht so recht erinnern, dass ich mich so abgeschnitten gefühlt habe, noch bevor das mit der Sucht anfing. Zwar habe ich mich davor schon unsicher unter Menschen gefühlt, aber das war eher nur so eine Angst oder Überfoderung und nicht so stark dieser Schmerz.

Hallo jdpsy
Ja, ich denke du hast Recht damit. Bei mir kamen aber noch andere Probleme/Hindernisse hinzu, die mir schon von klein auf mich sozial abgegrenzt haben. Heute habe ich es zwar gut mit meinen Freunden, doch auch der beste Abend ist stets mit Trauer verbunden. 
Ja, das mit den Zielen finde ich eine tolle Idee. Es hat bereits mit einer Aufgabe, die ich seit Wochen machen wollte, geklappt. Auch heute habe ich mir kleine Ziele gesetzt, die ich wieder erfüllen möchte. :-)

(23.09.2015, 12:58)Christian schrieb: Um das nochmal grafisch darzustellen:

So wollen wir Erfolg haben:


Zitat:Versuch -> Erfolg

So klappt das aber leider nicht im Leben. Meistens ist es eher:


Zitat:Versuch -> Fehlschlag

Die Meisten geben an dieser Stelle auf.

Um Erfolg zu haben muss man wie folgt vorgehen:


Zitat:Versuch -> Fehlschlag -> neuer Versuch -> Fehlschlag -> anderer Versuch -> Fehlschlag -> noch ein Versuch -> Erfolg

Das erfordert natürlich Durchhaltungsvermögen und Willenskraft. Man muss die Rückschläge einstecken und aushalten können, sich wieder aufrappeln und seinen Weg konsequent weitergehen, egal wie häufig man Fehlschläge hat. So ist das eigentlich mit allem im Leben. ;-)

Hallo Christian
Wow, danke für deine zwei Zitaten. Auch mir haben die sehr geholfen. Das Zitat von Michael Jordan (und na klar kennt man den :-D) ist gerade perfekt und wird auf meine Wand kommen. :-) Danke!
Das Zitat mit den mehreren Versuchen ist auch genial. Es ist viel realitätsgetreuer als irgendwelche anderen, oberflächlichen Zitate, die einem nicht wirklich etwas bringen. Woher ist denn dieses Zitat, wenn ich fragen darf?

Tag 84
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Noch sechs Tage, also weniger als eine Woche und ich habe mein erstes, kleines Ziel erreicht. Ich kann es kaum glauben, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Das habe ich jedoch nicht nur alleine geschafft, sondern auch mit der grossen Unterstützung meiner Freundin. Ohne sie würde ich wahrscheinlich noch immer Clip für Clip auf den dunklen Seiten des Internets konsumieren.

Diese Woche am Dienstag erhielt ich den Brief mit dem Entscheid von der Fachhochschule. Ich hatte gezittert und geweint, weil ich mich sehr hilflos fühlte und den Schritt nicht wagen konnte. Letzlich hat mich die Angst gepackt und den Brief geöffnet. «Bestätigung Studienplatz». Unbeschreiblich, wie ich beim Lesen dieser beiden ersten Wörter mich fühlte. Erleichterung, ein schwerer Umhang, der wochenlang meinen Hals zerdrückt und sich schwer getan hat, war verschwunden. Freude und Nervosität, spüre ich auch jetzt, wo ich nochmals diese Szene Revue passieren lasse.
Danke auch an euch alle hier, die mich mit ihren Einträgen unterstützt haben. Jdpsy, auch dir besonders grossen Dank.

Ich gehe mit Elan auf den letzten Teil meines Weges, der zur ersten Etappe führt. Zu Beginn hatte ich noch Sandalen an den Füssen, doch nun sind es schwere, mit Fell bepackten Wanderstiefeln. Frühling ich komme. :-)
snow&winter

[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=2990]

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#64
Haha super. Habe richtig mitgefiebert und nun die tolle Überraschung. Gratulation zum Studienplatz. ;-)

PS: @snowandwinter: Die beiden Zitate sind von Michael Jordan und die Grafik von mir. ;-)
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=3458]
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#65
jdpsy, Christian: Danke für eure Glückwünsche! :-) Ich bin auch sehr sehr erleichtert und freue mich, endlich wieder ein Ziel vor den Augen zu haben.

Tag 90
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Ich habe es geschafft. 90 Tage. Der erste Schritt in die Unabhängigkeit. Ich weiss noch sehr sehr gut, wie kalt es mir zu Beginn ging. Meine Füsse fühlten sich an wie Eisblöcke und die Nerven verspürten brennende Spannungen, die mich konstant leiden liessen. Diese 90 Tage fühlen sich auf eine Art wie eine Ewigkeit an. Wenn ich mir bedenke, wie viele Dinge geschehen sind. Wie oft ich geweint oder am Boden zerstört war, wie oft ich es mit meiner Freundin die Zeit geniessen konnte, wie sich Dinge verändert haben, wie ich mich verändert habe. Im Vergleich zu früher bin ich viel öfter und schneller erregt. Schon nach leidenschaftlichem Küssen mit meiner Freundin bin ich erregt und auch der Sex ist anders wahrzunehmen: es ist intimer, erregter und einfach entspannter zu geniessen. Ich bin weniger gestresst und ruhiger; natürlich noch nicht zu 100%, aber das hat andere Auslöser und Gründe. Ich bin echt glücklich, dass dieser kleine Schritt getan ist. Ich spüre endlich den Frühling wieder; wenn ich Luft einatme, ist es nicht mehr stechende Kälte, die sich durch die Nase schleudert, sondern frischer, angenehmer Maiduft.

Ihr fragt euch vielleicht, warum es bei mir einfacher ging als bei vielen anderen. Es war natürlich nicht einfach für mich. Doch wie vielleicht einige wissen, hatte vieles schon mit meinen psychischen Depressionen zu tun oder mit dem damaligen Zustand meiner Freundin: ich hatte sie über drei Jahre lang in praktisch allen Dingen immer wieder angelogen und ihr Vertrauen enorm missbraucht. Ihr wurde dadurch die Psyche so strapaziert, dass sie es selbst nicht mehr aushielt und sich sogar umbringen wollte. Mein Schock war enorm gross und meine Angst noch grösser. Sie zu verlieren war so ein schrecklich schlimmes Gefühl für mich, sodass ich endlich realisierte, dass es nicht mehr so weiter gehen kann. Ich musste einen Schlussstrich ziehen und radikal alles umkehren. So tat ich es das. Meine Freundin war dabei immer eine Unterstützung. Doch die 90 Tage waren nicht einfach. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, wo ich nicht nicht an die Tage dachte, wo ich voller Angst erfüllt war, ihre Wörter innerlich immer und immer wieder hörte. Doch auch die Enttäuschungen zu wissen war ständig eine Last. Auch die der meiner Freunden. Ich fühlte mich jeden Tag verdammt schuldig und verspüre diesen Gemütszustand noch immer. Doch dank diesem Zustand habe ich es geschafft. Diese ganze negative Energie, die mich tagtäglich die Kraft aus den Knochen ausgesogen hat und es noch immer tut, musste in positive Energie reproduziert werden. Ich habe es aber bis heute nicht geschafft, das leider nicht. Ich merke wie ich immer wie mehr kraftlos werde. Doch das ist der Preis für meine Eigenverschuldung. Ich möchte nicht leiden, doch ich muss es in Kauf nehmen. Irgendwann wird es deshalb alles vergessen und ein neuer Anfang vor der Tür stehen. Ich habe noch viele Fragen zu beantworten und Probleme zu lösen. Mit Hilfe eines Psychiatern gehe ich meiner Vergangenheit auf die Spur und werde hoffentlich die Zukunft damit leichter gestalten können. Ich möchte auf eine Zukunft blicken, die wieder farbenfroher ist, die Strahlen der Sonne, die mich wärmend auf die Haut treffen, verspüren und Luft der Freiheit einatmen.

Ich hatte hier sehr viel Unterstützung von euch. Und möchte mich bei allen sehr herzlichst bedanken. Kraft und Mut gaben mir eure Einträge und auch eure Geschichten. Ich hoffe, dass auch ich einigen von euch Kraft und Mut geben kann und zeigen kann, wie es sich nach 90 Tagen anfühlt. Es lohnt sich, dran zu bleiben. Mir ist bewusst, dass viele es noch viel schwieriger haben wie ich es hatte. Ich bewundere eure Leistungen.

Doch 90 Tage sind noch nicht alles. Der erste kleine Teil ist geschafft. Jetzt kommen 180 Tage, sprich ein halbes Jahr. Doch das tolle am ganzen ist, dass ich hier im Frühling stehe; in den Sträuchern der Liebe, wo Tiere und Pflanzen leben, wo Erde und Natur eins sind. Ich kann endlich meine Winterstiefeln ausziehen, leichtere Kleidung nehmen und mich auf den Weg machen. Auf dem Weg zur Sonne. Dort, wo ihre Strahlen meine Haut reinigen und meiner Seele die schwarzen Lasten vernichten wird. Da, wo neue Liebe meine Blutbahnen verspüren werden. Hier, wo der Sommer ist.

Ein Zitat für den nächsten Beginn:
«Even the darkest night will end and the sun will rise.» (Victor Hugo)
snow&winter

[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=2990]

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#66
Hey snowandwinter,
jetzt hast du auch die 90 Tage geschafft. Herzlichen Glückwunsch von mir. Da du ja auch mit dem Tagebuch zu der Zeit begonnen hattest, wo ich damit anfing, habe ich viele deiner Einträge gelesen und einiges mit verfolg. Ich finde es toll, wie du deinen Weg meisterst. In höhen wie in tiefen, wo Entscheidungen getroffen werden mussten und so weiter. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für die nächste Etappe. Smile
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#67
Gratuliere zu den geschafften 90 Tagen. Du hast wirklich hart dafür gekämpft. Ich hoffe, dass es die ersten 90 Tage für den Rest deines Lebens sein werden. ;-)
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=3458]
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#68
Ich gratuliere dir zu 90 Tagen pornofreiem Leben und bedanke mich für deine ehrlichen und offenen Worte. Sie veranschaulicht sehr schön das der Weg in ein unbeschwertes, erfülltes Leben viel länger dauert als 90 Tage. Ich freue mich für dich über alle positiven Dinge die du aus der Zeit mit nimmst und wünsche dir viel Erfolg auf deinem weiterem Weg.
[Bild: nfc.php?nfc=1794]
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#69
Tag 116
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Die Zeit vergeht zurzeit wie im Fluge. Die Pornosucht rückt Stück für Stück in die Vergangenheit zurück und ich fühle mich besser. Viel besser. Ich kann euch allen nur raten, der Sucht ein Ende zu setzen. Das was uns alle am Ende dieses gemeinsamen Weges erwartet ist schöner als ihr es euch vorstellen könnt. Es ist ein grosses Leid weniger im Leben und man kann sich auf andere, wichtigere Dinge konzentrieren. Und man ist frei. Seit dem Entzug nimmt man die Menschen anders war. Männer und Frauen verbinde ich nicht mehr mit Pornos; sie lösen keine Flashes aus oder werden auch von mir nicht mehr oberflächlich bewertet. Und das ist eben das Schöne an dem ganzen. Natürlich denke ich ab und zu: wow, der Typ ist sexy oder so. Aber eigentlich lasse ich es bei dem Gedanken.

In den letzten Wochen hat meine "Vorliebe" für Männer etwas zugenommen. Damit meine ich einfach, dass es heute vermehrt Männer sind, denen ich kurz hinterherschaue. Aber hinterherschauen ist einfach nur ein Guggen wo man sich denkt: der sieht schön aus. Es wird nicht mit Sex oder Pornos in Verbindung gebracht. Ich finde es schön, dass ich bisexuell bin. Grundsätzlich spielt es für mich eigentlich gar keine Rolle, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist. Es ist einfach auch schön zu wissen, dass ich eine Person aus all diesen Menschen vor drei Jahren ausgepickt habe und sie bis heute meine Freundin ist. Ich merke wie sehr ich sie liebe. Leider oft nur nach unseren Streitereien, die auf meinen Mist gewachsen sind und noch immer Unkraut bilden. Es ist auch schön zu wissen, dass nebst meiner Freundin auch mein Bruder mich unterstützt. Ich konnte ihm offen über meiner Sucht erzählen und bin froh dass ich es getan habe. Mit je mehr Leuten man darüber spricht, desto stärker wird einem bewusst, dass man dagegen kämpfen muss.

Bisher war ich viermal bei meinem Psychiater. Zwar fühle ich mich nach jeder Sitzung komplett durchgewühlt, müde und kaputt. Doch ich nehme es als ein gutes Zeichen, da ich mich mit all den Dingen, die ich verursacht habe (die meisten jedenfalls) auseinandersetzen muss. Es tut mir gut und ich lerne langsam dazu. In dieser Hinsicht bin ich optimistisch.

Vor einer Woche leider kam es zu einem Streit mit meiner Freundin, wo ich dabei explodiert bin und mich wieder selbst verletzt habe. Ich nahm die Schere und stach mich damit in den Oberschenkel, bis es blutete. Alles vor meiner Freundin. In diesem Moment erlitt mein Herz Schmerz und Wut und ich ertrug wieder einmal die Schwere meiner Existenz nicht mehr. Heute ertrage ich die damalige Anwesenheit meiner Freundin noch weniger, da ich jetzt erst realisiere, dass sie in solchen Situationen nicht zusehen sollte. Natürlich sollten solche Geschehnisse erst gar nicht entstehen. Doch wenigstens sind die Vorfälle vom ritzen viel viel geringer geworden. Erst im Nachhinein bin ich traurig. Ich sehe die Narben an meinem Körper und denke: "Weshalb? Diese Narben schreien nach Antworten. Aber sie dürften nicht hier sein. Sie sind Antworten auf mein Leiden. Doch ich brauche die richtigen Antworten." - Die werde ich irgendwann mal finden..

Danke nochmals für all eure Gratulationen. Es hat mich sehr gefreut, doch ein paar Rückmeldungen bekommen zu haben. Danke!!
snow&winter

[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=2990]

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