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Dopamin
#1
Hallo Leute,

ich war schon mal hier angemeldet, hab natürlich alles versucht um clean zu werden und bin am Ende wieder in die Falle getappt.

es gibt in der Arte Mediathek eine schöne Reihe mit Beiträgen. Sie nennt sich "Dopamin" und behandelt verschiedene Internetplattformen, wie Tinder, Youtube oder Facebook und ihre Wirkung auf den Benutzer. Die Anbieter nutzen gezielt die Psyche des Menschen aus um ihn dauerhaft unbefriedigt zu halten und ihn zum permanenten Weiterklicken zu animieren. Interessant ist der Beitrag zu Tinder. Dort gibt es bei den Nutzern wahrscheinlich sehr viele Parallelen zu unserem Verhalten.>Link entfernt

Ich denke unser Problem sind nicht direkt Pornos, sondern vielmehr das Internet im allgemeinen. Brichst du mit den Pornos, laufen die Manipulationen auf anderen Ebenen weiter. Es ist so, wie wenn ein Alkoholiker sich Schnaps verbietet aber weiter Bier trinkt.

Ich selbst hab gottseidank kein internetfähiges Handy. Ich werd meinen Computer bei meiner Freundin abgeben und die Weihnachtsferien mal ohne Internet leben.

Es klingt zwar jetzt radikal aber die Lösung für viele von uns ist wahrscheinlich nur diese, für eine Welt zu kämpfen, in der man auch ohne Internet leben kann ohne beruflich oder sozial benachteiligt zu sein.
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#2
Sehe ich so wie du. Halte uns auf dem laufenden. 
Ich habe ebenfalls mal ein 10€ tastenhandy angeschafft und meinen Laptop weggeschafft.
War sehr einschränkend, aber es hat etwas geholfen enthaltsam zu bleiben. Ich rate dir Beschäftigungen zu suchen die solch ein Loch schließen die von dem fern bleiben von Medien entstehen.
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#3
Danke für den interesanten Hinweis.

In der Tat dreht sich extrem viel ums Dopaminsystem. Man kann es fast als allgemein Regel formulieren.

Das Verhalten wird kurzfristig-affektiv vom Dopaminsystem gesteuert (zumindest zu einem großen Anteil), und dieses bewertet dummerweise in der heutigen Welt die Dinge als besonders "lecker", die einem eigentlich langfristig nicht gut tut. Ist wohl evolutionär begründet - über weite Zeitspannen der Menschheitsgeschichte ist ein Verhalten, welches primär kurzfristig ausgerichtet war, sinnvoll (kann ich JETZT fressen, kann ich JETZT ficken? klar dann tu ich das!!). Da hat die Gesellschaft und Technologie wiederholt.

Daraus folgt - für Verbesserungen auf einer großen Anzahl an Gebieten (Pornosucht, alle anderen Süchte, narzisstisches Verhalten, Selbstbestätigung, Essverhalten, Schoki, Abnehmen..) geht es darum, mit der Kraft des Willens und Verstandes den Bestrebungen des Dopaminsystems zu widerstehen.
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#4
Gut das du das auch siehst wie ich. Die meisten Menschen verstehen gar nicht, dass die Motivation der meisten Verhaltensweisen aus dem Belohnungssystem kommt, Dopamingesteuert.

Einen Fakt teile ich auch noch gerne. Ich habe mal ein Video gesehen, da war jemand, der wegen Depression oder sowas einen Dopaminagonisten(erhöht direkt Dopamin im Gehirn) genommen hat. Er war quasi erst ein völlig normaler Mann mit Familie und hat nach dem regelmäßigen einnehmen des Medikaments auf einmal Spielsucht(Casino) entwickelt, ist zu Prostituierten gegangen, hat gewisse Süchte entwickelt usw.. Ziemlich krass, auf bitte suche ich das Video auf YT für euch.

Das Beispiel ist quasi wie ein Mensch auf besonders viel Dopamin reagiert, Kaffee ist jedoch ähnlich.
Es hat vielfältige Wirkungen, jedoch auch eine dopaminerge, also eine kurzfristige Steigerung des Dopaminspiegels im Gehirn.
Wenn ich viel Kaffee trinke, was ich oft tue, nehme ich richtig starke Cravings nach Pornos war, die ich ohne nicht hätte.
Ich denke das kennen alle Süchtigen die öfters mal ein paar Kaffee`s trinken. 

Man erschwert sich also den ohnehin schon abartig schweren Kampf gegen Pornos mit Kaffee oder anderen stark dopaminergen Mittelchen oder Verhaltensweisen(Instagramm usw.)
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#5
Hallo Leute,

nach gut zwei Wochen ohne Internet bin ich wieder zurück. Es war sehr angenehm. Ich hatte viel Zeit für mich. Diverse kleine Projekte und Vorhaben wurden durchgezogen anstatt sie einfach vor mir herzuschieben. Und ich kam mal wieder dazu Bücher zu lesen.

Ich hatte einst eine Phase in meinem Leben, wo ich jahrelang als Hartz4Empfänger ohne Computer, Fernsehen usw. gelebt habe. Im Grunde hab ich so etwas wie ein Einsiedlerleben geführt. Ich hab mich sehr intensiv mit meinem Gefühlsleben, mit Körperempfindungen und Wahrnehmung auseinandergesetzt, viel autogenes Training gemacht und natürlich viel gelesen. Kam es mal zum Sex, was sehr selten war, war das oft sehr intensiv. Natürlich war das genauso intensiv, wenn ich mal an Nacktbilder oder ähnliches rankam - das war schon fast ein totaler Kontrollverlust.
Genau dahin möchte ich wieder zurück, denn ich habe das Gefühl dass ich total abgestumpft bin und im allgemeinen nicht mehr so viel Körpergefühl habe wie früher. Das Problem ist nicht das Dopamin und auch nicht, dass wir auf bestimmte Reize reagieren. Das Problem ist, dass wir viel zu wenig noch auf einfache Nacktbilder oder realen Sex reagieren weil unsere Reizschwelle viel zu hoch liegt.

Die Lösung liegt nur in der Selbsteinschränkung. Intensität, Genuss und wirkliche Befriedigung kann es nur mit Hilfe von Enthaltsamkeit geben. Leider ist das Problem, dass es im Coronazeitalter unmöglich ist auf das Internet zu verzichten. Letztendlich wird ja schon daran gearbeitet, dass jegliche menschliche Kommunikation nur noch über Internet möglich ist. Einfache Behördengänge werden nur noch übers Netz laufen. Wer auf Internet verzichtet ist letztendlich ein Freak der sozial ausgegrenzt lebt. Unser Körperempfinden bleibt dabei dann halt auf der Strecke.
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