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Vorstellung und Hilfegesuch
#1
Information 
Hallo zusammen,

zu meiner Person: ich bin Anfang 30, seit circa acht Jahren mit meiner Partnerin zusammen, davon seit circa eineinhalb Jahren verheiratet.

Mit dem Einzug des Internets ins Elternhaus hat auch die Pornographie und damit einhergehend die Selbstbefriedigung Einzug in mein Leben gehalten und es seitdem niemals wieder ganz verlassen. Es gab Phasen, in denen ich weniger SB praktiziert habe, teilweise auch gar nicht, aber auch Phasen, in denen dies gehäuft auftrat. Wir hatten in den letzten Jahren mehrfach massiv Streit deswegen. Meine Frau fühlt sich ungeliebt, verletzt und verarscht, da ich jedes Mal versprochen habe damit aufzuhören. Nach unterschiedlichen Zeitspannen hat sich der Konsum aber immer wieder eingeschlichen.

Beim letzten Streit vor circa acht Wochen hat mir meine Frau klipp und klar mitgeteilt, dass sie sich von mir trennen wird wenn ich auch noch ein einziges Mal Pornographie konsumiere. Dies habe ich auch eine Weile durchgehalten, es kam jedoch immer wieder zu Rückfällen. Da ich über Umwege erwischt wurde kam heute der große Knall.

Ich habe allgemein eine unheimliche Scham, über meine Gefühle im Allgemeinen zu sprechen, über solch ein besonders schambehaftetes Thema natürlich noch mehr. Konnte heute noch nicht einmal weinen, obwohl ich es wollte. Wir haben eine Baustelle gekauft und planen, ein Haus zu bauen, auch Kinder standen auf der Wunschliste, dies wird jetzt natürlich alles hinterfragt, es steht das Wort „Scheidung“ im Raum.

Durchaus bin ich mir bewusst, dass ich in einem schon sehr chronifizierten Stadium der Sucht hier in diesem Forum gelandet bin, aber ich will um meiner Ehe Willen nun endlich etwas ändern. Als ersten Schritt habe ich bereits einen Filter in unserem Router aktiviert um mir zumindest in dieser Hinsicht selbst einen Riegel vorzuschieben. Ich habe mich auch dazu entschlossen, einen Therapeuten oder eine Therapeutin aufzusuchen, um langfristig an meinem Verhalten etwas ändern zu können. Ich möchte so nicht mehr weiterleben und meine Ehe gefährden.

Gibt es lohnenswerte Skills, Literatur oder Selbsthilfegruppen zum Thema?
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#2
Hallo Zujasa,

du schreibst du willst um deiner Ehe Willen etwas ändern. Das ist der falsche Ansatz. Du mustt um deines Lebens Willen etwas ändern. Ändern bedeutet den Willen zu haben, nie mehr Pornos zu schauen, auch nicht nach 91 Tagen.

Du brauchst keine Literatur, du brauchst den festen Willen und Standhaftigkeit, aber diesmal in anderem Sinne. Suche dir eine Ersatzbeschäftigung, am besten Sport und setze dir Ziele. Fülle die gwonnene Pornoszeit mit sinnvollen Themen wie Lesen oder anderen Hobbies.

Von Therapeuten halte ich ehrlich gesagt nichts. Sie können dir nichts abnehmen. Du musst es durchziehen.

Wenn du es tust, wirst du positive Veränderungen an dir bemerken.

Wenn du Selbsthilfegruppen suchst, dann bist du hier richtig. Lese dir die Tagebücher durch, von den Gescheiterten und den Erfolgreichen. Von Beiden kannst du etwas lernen.

Das Wichtigste jedoch ist; Absolut keine Pornos mehr zu konsumieren, auch nicht Softpornos oder andere Dinge, die die einfallen werden, wenn du loslegst.
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#3
Danke, das macht schon mal Mut. Nach einer Woche ist bisher auch alles "in Ordnung". Wird die Zeit zeigen.
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#4
Es macht ein wenig Mut, dass hier noch jemand ist, der eigentlich Porn- und Fabb-frei werden möchte, weil es ihm um seine Ehe geht. Mir geht es eigentlich ähnlich. Ursprünglich war das ebenfalls mein Hauptmatovator. Allerdings begreife ich mehr und mehr, dass es es um mich selbst gehen muss und eine Verbesserung bzw. Rettung meiner Ehe eine Belohnung ist, die am Ende bzw. nach einem großen Teil dieses doch vermutlich langen Weges stehen wird.

Über einen Besuch beim Therapeuten hab ich übrigens ebenfalls nachgedacht aber ich hab schon mehr als einmal gelesen, dass das nicht so sonderlich viel bringt. Ich hoffe einfach, dass ich selber hier genug Ratschläge und Coachings bekommen kann, das hier genügend alte Hasen anwesend sind und man sich ansonsten hier gegeneitig wenigstens motivieren kann.

Erzähl mal, wie es dir mittlerweile geht, bin selbst noch relativ am Anfang, wenn du magst können wir gern ein kleines Sparringteam bilden ;-)
Es geht nicht um Verzicht, es geht um ein erfüllendes Leben!  Smile
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#5
Hey ihr Lieben,

mal ganz allgemein zum Thema Hilfe suchen:
ich finde es super schade, dass hier öfter mal vom Besuch eines Psychologen abgeraten wird.
Das muss/darf doch jeder selbst entscheiden und wenn ein guter/passender Psychologe gefunden wird, ist das Gold wert!
Übrigens nicht nur bei einer Sucht wie dieser.
Ich habe mich mit dem Thema sehr viel auf wissenschaftlicher/psychologischer Ebene auseinandergesetzt (das kommt auch durch mein Studium, in dem Entwicklungspsychologie ein Thema war und dieses Feld wird leider immer noch sehr unterschätzt) und es mag schon sein, dass manch einer einfach nur durch Willensstärke damit aufhören kann und dann alles gut ist....
In sehr vielen Fällen ist das allerdings nicht so und es wird immer wieder zu Rückfällen kommen, wenn darunterliegende Probleme nicht erkannt und aufgearbeitet werden.
Es muss sich doch auch keiner schämen, zum Psychologen zu gehen und davon abzuraten ist auch eine Art von Beschämung. Das führt dann im schlimmsten Fall dazu, dass sich jemand davor scheut, sich Hilfe zu suchen und meint, er müsse es alleine schaffen. Gerade Männer, die oftmals grundsätzlich Schwierigkeiten damit haben, über Gefühle/Probleme zu sprechen (was meistens übrigens durch Erziehung/Sozialisation kommt), können das manchmal erst in einer Therapie oder Selbsthilfegruppe.
Und daran ist nichts verkehrt oder schwach oder unmännlich oder so!

Theoretisch würde das wahrscheinlich JEDEM Menschen gut tun, da ja jeder so sein Päckchen trägt. Ist ein bisschen so wie eine Weiterbildung auf dem Feld der eigenen Person...

Und natürlich kann einem keiner abnehmen, es durchzuziehen. Wer sich mit dieser Erwartungshaltung Hilfe sucht, wird garantiert enttäuscht. Darum geht es aber auch gar nicht. Sondern darum, dass der "richtige" Psychologe oder auch eine Selbsthilfegruppe oder wer/was auch immer eine Hilfestellung sein kann und wer den Mut und die Energie aufbringt, diesen Schritt zu gehen wird mit etwas Glück sehr viel über sich lernen und es höchstwahrscheinlich in vielen Bereichen des Lebens einfacher haben.
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#6
Hallo zusammen,
ich muss Jana da total zustimmen. Pornosucht bzw. Sucht allgemein ist eine psychische Krankheit oder ein Bewältigungsmechanismus bzw. eine Verdrängungstrategie, um sich anderen psychischen Problemen nicht zu stellen bzw. die Folgen davon nicht zu spüren. Und Menschen, die an einer solchen psychischen Krankheit leiden dezidiert davon abzuraten, sich psychotherapeutische Hilfe zu suchen kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen und finde das auch grob fahrlässig.

Ich selbst habe auch vor kurzem eine Therapie angefangen und finde es total gut. Der Termin ist jede Woche etwas, auf was ich mich freue. Ich nehme aus jedem Gespräch etwas neues mit und gehe gestärkt daraus hervor und bin immer mehr der Meinung, jede*r sollte mal eine Therapie machen, selbst wenn es ihm oder ihr total gut geht. Es bringt einen trotzdem nur weiter dort über seine Gefühle zu sprechen und die kleinen und großen Krisen des Alltags dort aufzuarbeiten und zu reflektieren.

Diese Einstellung "man(n) muss es nur wollen und es hängt vor allem mit Willenskraft und Disziplin zusammen" ist meiner Ansicht nach etwas sehr toxisch-männliches, denn für manche Probleme oder Krisen findet man alleine vielleicht einfach keine Lösung und das ist auch total Ok. Darum gibt es ja Menschen, die dir anbieten, dir dabei zu helfen.
Natürlich muss man den Weg am Ende alleine gehen und das kann einem keiner abnehmen. Aber ein Therapeut kann dir zumindest die Richtung weisen und dich auf deinem Weg begleiten. Und er kann dich auffangen, wenn es dir mal scheiße geht und dir neue Perspektiven aufzeigen.

Ich will unter deinem Thread jetzt auch keine Grundsatzdebatte über das Thema aufmachen, lieber Zuljasa, wollte dich aber auch nochmal aus der Perspektive eines selbst süchtigen dazu ermutigen, dir Hilfe zu suchen. Das muss ja auch nicht immer unbedingt ein professioneller Therapeut sein, in vielen Städten gibt es auch extra Beratungsangebote für Pornosüchtige, in denen du über dieses Thema sprechen kannst oder du vertraust dich da deinem Freundeskreis an. Aber ich kann dich nur ermutigen, darüber zu sprechen. Auch wenn es sich so schambehaftet und "peinlich" anfühlt, hilft es meiner Erfahrung nach, total viel sich da anderen Menschen anzuvertrauen. Für die Grundsatzdebatte kann bei Bedarf ja vielleicht auch nochmal ein eigener Thread aufgemacht werden.

Sei dabei aber sehr vorsichtig, in welchem Umfang du gerade jetzt am Anfang deines Weges mit deiner Frau darüber sprichst, bzw. wie viel sie da mit dir drüber sprechen will und nimm ihre Grenzen da ernst. Ich kann mir vorstellen, dass sie sich gerade ehh schon nicht gut mit der Situation fühlt und gerade nicht die Kraft hat, dich da so vollumfänglich zu unterstützen. Verteile diese Last also zumindest auf vielen Schultern und nicht nur bei deiner Frau.

Damit meine ich aber explizit nicht(!), dass du Dinge vor ihr geheim halten solltest, sondern eben eher respektvoll und achtsam mit ihren Grenzen umgehen solltest.
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#7
Zuljasa,
willkommen hier und gut, dass du hier bist. Dein letzter Eintrag ist jetzt ja schon ne Weile her, wie ist es dir denn bisher so ergangen? Deine Pornosucht scheint ja sehr stark zu sein...ob du es dauerhaft alleine in den Griff bekommst, ist fraglich.
Ich bin eine geschädigte Ehefrau eines Pornosüchtigen, so wie auch die die Kinder. Nur mit dem jüngsten hat mein Mann noch guten Kontakt, die Tochter möchte nur noch bedingt mit ihm was zu tun haben.
Mein Mann war auch sehr stark Pornosüchtig, für mich als Frau an seiner Seite war das die Hölle. Er konnte nicht mehr mit mir schlafen, sondern NUR NOCH Pornos und Selbstbefriedigung ging. Ständig wurde ich niedergemacht, dass ich nicht wie die 18 Jährigen Asiatischen Models aussehe. Zum Schluss haben dann die clips auch nicht mehr gereicht und er musste das alles live haben. Hat als fast 50 Jähriger 18/19 Jährige Teenager angebaggert. Es war so peinlich. Die wollten jedoch nur sein Geld. Und als das dann nicht geklappt hat, ist er zu Nutten gegangen und hat sich da ausgesucht, was er wollte.
Ich kann gut verstehen, dass deine Frau mit Scheidung droht, das kann man auf Dauer nicht ertragen. Ich habe mich damals auch getrennt. Er wollte doch echt, dass ich ihm erlaube, mit jungen Frauen zu schlafen und Sex chats zu haben und das während wir verheiratet sind. Nie im Leben. Ich bin dann zum Scheidungsanwalt und habe die Scheidung eingereicht.

Er hat sich dann wieder gefangen und realisiert, was für eine Scheiße er da macht. Aber es war ein langer und steiniger Weg. Ich wurde noch oft belogen und er ist rückfällig geworden. Das Vertrauen kommt nie mehr 100% zurück nach so einem Vertrauensbruch. Mir geht es nach 2 Jähriger Psychotherapie besser, aber ganz gekittet wird es nie sein. Das Verhältnis zu seiner Tochter ist dauerhaft geschädigt, das zu mir wird auch ewig einen Knacks haben.
Alles Gute dir.
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