Umfrage: Wie findet ihr den Wechsel von "Ich bin Pornosüchtig und krank" zu "Ich bin nicht gesund und schaue deshalb zu viele Pornos"?
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Was ist ein GESUNDER Pornokonsum?
#1
Liebe Community,

ich bin 23 Jahre alt, habe mit ca. 12 Jahren angefangen Pornos zu schauen und zu wichsen, und habe dem ganzen sofort zu viel Lebenszeit gewidmet. Am dollsten war es so zwischen 14 und 19, wo ich teils ganze Sommerferien wichsend im Bett verbracht habe. In den letzten vier bis fünf Jahren jedoch habe ich mich recht gut gefangen. Ich würde absolut nicht mehr sagen, dass mich eine Sucht im Griff hat...
Seit ich 19 bin, habe ich Beziehungen. Zuerst eine kurze mit einer Frau (Da dachte ich noch, dass ich bi bin. Die Beziehung war aber nicht nur wegen des falschen Geschlechts sehr unbefriedigend) und kurz darauf mit einem Mann. Dieser Mann ist nun seit gut 3 Jahren mein Partner, und wir führen eine tolle Beziehung. Insbesondere das erste Jahr war aber auch kompliziert, und mein damals krasser Hang zu Pornos/Wichsen war ein Teil davon. Ich und auch mein Freund haben uns aber gut entwickelt in der Zeit. Inzwischen führen wir eine wirklich wunderbare Beziehung (wir wohnen nicht zusammen, aber in der selben Nachbarschaft).

Ich habe mich im Januar dieses Jahres als Pornosüchtig diagnostiziert, nachdem ich zwei echt miese Wochen durchlebt hatte. Ich habe dann dieses Forum gefunden, die ein oder andere Doku gesehen. Was mir ganz krass aufgefallen ist: in der Anti-Pornosucht Ecke sind super viele unseriöse Leute am Werk. Entweder Menschen aus der Ecke "Pick-Up-Artist" (aka Machos, die ihr zwergenhaftes Selbstwertgefühl und ihre fragile Männlichkeit an Frauen abreagieren) und sich Sorgen machen, dass ihr Bolzen in der Hose nicht mehr hart genug wird, ODER christlich-reaktionäre, für die Pornos, Schwule und Pädophile alles das gleiche sind und die sich redlich Mühe geben, "wissenschaftlich" darzustellen, warum Pornos ebenso zu verbieten sein wie Homosexualität. Puuh Dodgy

Dann habe ich einen Beitrag auf Vice gesehen (https://www.vice.com/de/article/wjvagb/k...-industrie), von einer Kulturwissenschaftlerin, die sich mit Pornokonsum befasst, und auch wenn ich die Überschrift wirklich(!) Mist finde und echt vielem nicht zustimme, musste ich ihr im Kern total recht geben: Krankheitsdiagnose "Pornosucht" ohne Suchen nach den Wurzeln (Sozialphobie, kein Selbstwertgefühl, Depression, ...) ist völliger Mist! Ja, bei so unbalanciertem Verhalten wie chronischem Wichsen und Pornos gucken sollte man dringend feststellen, das da was nicht stimmt. Aber WAS stimmt nicht?

Hat man Freunde? Hat man Hobbys? Hat man ein gesundes Verhältnis zur eigenen Sexualität und zum eigenen Körper? Hat man einen halbwegs strukturierten Alltag? Ist man emotional reif genug, Gefühle und Begierde zu artikulieren und zu erleben?
Gerade die Parallele von Anti-Homo und Anti-Porno hat bei mir echt die Sirenen aufheulen lassen. Geistliche und fragile Männer teilen sich das Laster, nie Frieden mit der eigenen Körperlichkeit, Sexualität und Lust entwickelt zu haben. Dieses erfolglose Wegsperren von Lust ist es, das dazu führt, dass in der katholischen Kirche (Keuschheitsgelübte) doppelt so viele Kinder missbraucht werden wie in der evangelischen Kirche (kein Keuschheitsgelübte), und das Zelebrieren dieser Lust ist es, das aus unsicheren Männern frauenverachtende Dreckskerle macht. Wie dramatisch das "Wegsperren" von Sexualität sein kann, zeigt sich auch an der absurd hohen Depressions- und Selbstmordrate in Konversionstherapien, also "Homo-Heilungen". Wer immer wieder Dinge, die zur eigenen Identität gehören, als pervers und böse abstraft, der beschädigt diese Identität, diese Person.

Um da heraus zu finden, möchte ich an euch LeserInnen die Frage stellen: was erachtet ihr als GESUNDEN Pornokonsum? Was ist GESUNDES sexuelles Verlangen? Ich denke, dass das Formulieren eines "so sollte es sein" viel mehr Antrieb geben kann und zu geistiger Gesundheit beiträgt, als für bestimmte Schwächen in immer größeren Selbsthass abzurutschen...

Ich habe festgestellt, dass in den verwichsten zwei Wochen diesen Januar bei mir mental völlig Chaos war, und nein, Pornos waren NICHT die Ursache, sondern nur der Ausdruck. Statt mich darauf zu versteifen, keine Pornos zu gucken, habe ich den Fokus darauf gesetzt, die Laster in meinem Leben abzuschultern oder aufzulösen. Bei mir waren Uniklausuren, Zukunftsangst und Einsamkeit im Zuge der Coronaisolation schuld. Ich habe mir für alle drei Punkte Lösungen formuliert und sie Stück für Stück umgesetzt. Was ist für dich Auslöser deiner Pornosucht? Was führt dazu, dass du nicht mehr so fixiert auf Wichsen bist sondern auch bei anderem Freude hast? Wie kannst du das, was dich gesund macht, stärken? Ich denke, mit diesen Fragen kommt man viel eher aus der Wichshöhle raus als mit erzwungenen Abstinenzen! Angel
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#2
Hallo Dominik97,
ich glaube du hast in vielen Punkten, die du ansprichst total recht. Pornosucht oder generell Sucht ist immer nur ein Ausdruck, ein Symptom von einem tieferliegenden Problem und dieses Problem muss als Ursache erkannt und beseitigt werden.
Mir persönlich geht es aber gerade so, dass ich mich aufgrund meiner Pornosucht gar nicht so richtig mit mir selbst beschäftigen kann. Meine Sucht steht dem gewissermaßen im Weg, denn sie raubt mir Zeit, Energie, emotionale Zugänglichkeit und so weiter.
Ich glaube deswegen also, dass es immer beides gleichzeitig sein muss. Eine "erzwungene" Abstinzenz (ich glaube eine freiwillige Abstinenz wird es bei einem Süchtigen nicht geben ...) und damit einhergehend die Suche nach den Ursachen für die Sucht.
Einen gesunden Konsum gibt es glaube ich für viele Süchtige nicht mehr, denn sie haben ja gerade die Kontrolle über das Suchtmittel verloren und sind dem jetzt ausgeliefert.
Ob es für dich noch eine Form des gesunden Pornokonsums gibt, musst du glaube ich für dich selbst entscheiden. Aber pass da bitte auf dich auf, dass wirklich du diese Entscheidung triffst und nicht dein Suchtgedächtnis für dich.
Liebe Grüße und viel Kraft für deinen Weg

Freddy
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#3
(04.02.2021, 14:07)Dominik97 schrieb: was erachtet ihr als GESUNDEN Pornokonsum?

Vor allem solcher von Filmen, wo es fair zugeht und keine Frauenfeindlichkeit (und keine Männerfeindlichkeit) und keine sexuelle Ausbeutung der Darsteller stattfindet, also z.B. was aus der "feministische Pornos"-Ecke.

Bei dem, was ich da kenne, stelle ich auch fest, dass die Grundstimmung eine ganz andere ist - nicht das tumb(-maskulin)-triebhafte, einfach "geil geil geil" auf die Spitze getrieben, sondern eher mit all dem drumrum eine Art "Feiern der Lebensfreude", ein Bejahen von Lust und Sinnlichkeit.

Sowas kann dann wohl genauso gesund sein, wie ab und an der Genuß ein paar guter Gläser Wein positiv berauschend sein kann.
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#4
Hallo Dominik,

im Grunde teile ich deine Meinung, dass Pornosucht eher das Symptom für tieferliegende Probleme ist. Bei mir wären das beispielsweise Schüchternheit, Blockaden bei Frauen, Minderwertigkeitskomplexe, Depressionen, Probleme mit Stress, und dass ich mich fremd in der Welt fühle.
Dennoch kann Pornosucht mit den Jahren zu einem eigenständigen Problem werden. Oder sie erzeugt eine Art von Rückkopplung, die die Ursprungsprobleme verstärkt, wenn man aufgrund von Potenzproblemen Minderwertigkeitsgefühle vor dem Sexualpartner entwickelt. Dann bringt es auch nichts mehr an seiner Schüchternheit zu arbeiten.

Auch Ärzte bekämpfen ja sowohl die Ursachen als auch die Symptome - beides. So auch wir.


Also:

1. Eine gesunde Sexualität ist, wenn man sich lustvoll auslebt und auf sein Körpergefühl achtet.
Lustvoll ist aber auch der Kick. Dieser Kick entsteht oft durch Grenzüberschreitungen. Pornos, Fremdgehen, SM-Praktiken und Orgien gehören dummerweise mit dazu. Wer das komplett ignoriert, lebt halt etwas langweiliger. Eine ähnliche Grenzüberschreitung wäre der Alkoholexzess. Ich persönlich trinke nicht - nun ja.

2. Nicht gesund ist, dauerhaft! in solche Extreme abzudriften. Extrem ist Extrem und darf nicht zur Normalität werden.

3. Ein gesunder Pornokonsum ist einer, der das reale Sexualleben (auch das Onanieren) bereichert aber nicht dominiert.

4. Zeitweilige Abstinenzphasen (Reboot) sollten ebenso mit dazugehören. Sie sorgen dafür, dass man wieder auf den Teppich kommt und einfache Reize wieder intensiver wahrnimmt. Man setzt die Reizschwelle herunter. Gleichzeitig gibt man sich das Gefühl, seine Lust wenigstens etwas im Griff zu haben. Wer die drei Monate nicht schafft (ich zum Beispiel), versucht sich halt mit kürzeren Phasen herauszufordern. Wichtig ist, dass man den Kontakt zu seinem Körper wieder bekommt. Es ist ja wie beim Alkohol - eine Frau, die ein mal im Jahr zu Silvester zwei Glas Sekt trinkt ist davon schon angeheitert. Ein Mann der jahrelang täglich seine Feierabendbiere trinkt braucht für nen Rausch schon ne halbe Flasche Schnaps zusätzlich. Die Frau erlebt ihre Erfahrung trotzdem noch intensiver.

5. Selbstbefriedigung ist wichtig, um ein Gefühl für seinen Körper zu haben. Ziel ist es sich mit besonders sanften Reizen intensiven Genuss zu verschaffen. Pornos sind da eher hinderlich, geben dir aber wenn du sensibel genug bist, irgendwann wieder nen richtig krassen Kick (Grenzüberschreitung).

6. Dauerhafte Abstinenz ist mit Sicherheit nicht gut. Sie wird ebenso wie exzessiver Pornokonsum dazu führen, dass man das Gefühl für seinen Körper und seine Lust verliert. Man kann das ja an katholischen Priestern sehen, wie die unterdrückte Lust dann an der falschen Stelle wieder ausbricht. Denn Lust ist ebenso wie Wut nicht komplett beherrschbar. Man muss einen Stil finden es hin und wieder mal krachen zu lassen. Leute, die es komplett unterdrücken, entwickeln dann halt auf andere Art Aggressionen z.B. durch verschrobene Weltsichten.



P.S. Unter uns gibt es bestimmt nicht nur frauenverachtende Machos und ultrastrenge Christen, sondern auch ganz normale Nurts. Und jahrelanger Pornokonsum hat mich doch eher toleranter gemacht!
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#5
Ich persönlich denke selbst für "trockene" Pornosüchtige ist der gesündeste Konsum von Pornos die Abstinenz. Wenn man sich beliest, dann wird einem ja erklärt, dass durch ernsthafte Sucht wahrscheinlich irreversible Nervenmuster ins Hirn des Abhängigen eingespeichert sind. Die kann man wahrscheinlich nachdem man "trocken" ist durch minimalen Pornokonsum womöglich wieder aufrufen, und man ist ehe man sich versieht wieder in der Abhängigkeit. Es hat eben seine Logik, warum auch Leute, die andere Süchte besiegt haben, nicht zwischendurch einmal nur ein kleines bisschen des Suchtmittels konsumieren, sondern vollständig damit aufhören.

Ansonsten für Leute, die nicht süchtig sind, würde ich (rein "technisch"/biologisch) geringen Konsum empfehlen, der kann ja auch zur sexuellen Entfaltung beitragen, neue Ideen liefern usw. Aber da würde ich empfehlen den Konsum nur soz. für sexuelle Entfaltung zu benutzen, sobald er sowas wie Mittel gegen negative Gefühle, gegen Einsamkeit usw. wird, dann denke ich beginnt man schon mit einem Suchtverhalten, zumindest beginnen so die neuronalen Bahnen ungünstige Verbindungen aufzubauen, die auf Dauer wahrscheinlich eine Abhängigkeit bilden.
(Rein "moralisch" würde ich Pornokonsum ablehnen, solange sich dort Menschen genötigt fühlen für Sex zu arbeiten und ihre Intimität öffentlich preiszugeben, um so ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Da würde ich mir eine andere Gesellschaft wünschen, in der niemand es nötig hat, so eine Arbeit verrichten zu müssen, um an ausreichend Einkommen zu gelangen. Pornos von Exhibitionisten, die es mögen sich zu präsentieren - und sei es anonym, also z.B. ohne erkennbares Gesicht -, oder animierte Pornos usw. fände ich okay. Aber das ist eben meine Meinung.)
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#6
Das ist richtig, dass für Leute wie uns andere Regeln gelten.

Gesunder Konsum für Süchtige ist wohl die totale Abstinenz.

Wenn Menschen für Sex Geld nehmen egal ob als Darsteller/in oder Prostituierte/r empfinde ich das als OK.

Wenn eine hübsche junge Frau in einem armen Land Pornos dreht, um ihr Studium zu finanzieren so nutzt sie die Möglichkeiten, die sie hat. Attraktive Frauen können auf diese Weise mit wenig Aufwand relativ viel Geld verdienen. Es ist ein Vorteil oder eine Art Macht, die diese Frauen haben, denn die anderen Studenten müssen halt im Supermarkt Regale einräumen. Gleichtzeitig werden diese Mädels ja auch von tausenden von Männern bewundert. Diese Männer (Leute wie wir) können ihre Sexualität meist nicht so frei und ungezwungen ausleben wie die Mädels.
Es ist also eine große Freiheit, die solche Frauen haben und viel Macht. Und ich denke das spüren diese Frauen auch.

Verwerflicher finde ich, wenn ein Arzt Geld für seinen Service nimmt und sich bereichert, wenn Menschen zu ihm kommen weil sie leiden.
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#7
Der Porno Konsum ist für mich genau dann ein Problem, wenn sich Prioritäten zu stark verschieben. Wenn Automatismen entstehen, die den Blick auf die Umwelt trüben oder ausblenden. Natürlich hat das eigentlich immer mit sozialer Interaktion und "gesellschaftlichen Normen" zu tun. Der Mensch ist halt nun mal ein soziales Wesen. Zu behaupten, dass Pornosucht nur kulturell geschaffen wurde, halte ich für falsch. Übermäßiger Konsum führt zur Abstumpfung und entgegen der Meinung der Autorin dieses Textes, gibt es durchaus kritische Studien, die sich mit übermäßigem Videospielekonsum oder Serienkonsum (--> Netflix etc.) beschäftigen. Letzteres auch bekannt unter dem Stichwort "Binge Watching". Und natürlich wird auch kritisch darüber berichtet und genauso stigmatisiert, man erinnere sich hier nur mal an die ganzen "Killerspiel"-Debatten und deren scheinbaren Auswirkungen. Da war dann plötzlich auch jeder Psychologe/Arzt.

Solche Pauschalaussagen gehen mir ziemlich gegen den Strich. Wenn jemand täglich Pornos konsumiert, spielt da schon ein gehöriger Gewohnheitsfaktor mit. Das ist ja gerade der Suchtcharakter. Wenn ich analog dazu täglich eine Zigarette rauche oder ein Bier trinke, bin ich Gewohnheitskonsument. Mein Hirn hat sich daran gewöhnt. Spricht man eine solche Person auf den Konsum an, hab ich gerade von Rauchern oft gehört: "Wenn ich wollte, könnte ich morgen aufhören". Dass das nicht so ist, weiß jeder der das schon mal versucht hat. Ausnahmen gibt es natürlich immer, das dürfte nicht die Regel sein. Dopamin kann genauso zum Suchtstoff werden wie Nikotin, Alkohol oder auch Adrenalin (hier denke ich an Sportsucht oder Extremsportarten). Die Frage ist, wie bewertet man die Sucht. Und hier ist dann auch gleich mein nächster Kritikpunkt an diesem Artikel. Habe oder empfinde ich Nachteile, bin ich auch der einzige, der das diagnostizieren kann! Das gilt natürlich auch für indirekt Betroffene, sprich Partner. Beispiel: Bin ich Kettenraucher, mein Partner akzeptiert das und ich fühle mich auch nicht selbst beeinträchtigt, bin ich vielleicht süchtig aber nicht suchtkrank. Jeder, der sich also selbst beeinträchtigt fühlt durch seinen Pornokonsum darf sich selbstverständlich auch als süchtig/suchtkrank bezeichnen. Jeder Mensch hat sein eigenes Wertegefüge. Wenn ich mit meinen Werten in Konflikt stehe, ist das kein gesellschaftlich geformtes Problem, sondern mein persönliches. Die Gesellschaft liefert verschiedene Wertegefüge und mir steht es frei, dasjenige zu wählen, dass ich für mich als gut empfinde. Natürlich werden viele in falsche Wertekorsetts gepresst und das ist zu verurteilen, aber ich glaube der Großteil der westlichen Gesellschaft hat diese Freiheit (wie das im Rest der Welt aussieht muss man individuell entscheiden).

Übrigens: Diese Freiheit sehe ich im Prostitutionsgewerbe mehrheitlich nicht. Viele werden ins Rotlichtmillieu gezwungen und haben eben keine Wahl. Gerade aus ärmeren Ländern. Zu behaupten, dass diese Mädchen und Frauen sich damit lukrativ und einfach ein Studium finanzieren könnten ist doch absurd. Das setzt erstmal eine freie Arbeit voraus und das ist in den allermeisten Fällen nicht gegeben. Und somit geht der Löwenanteil des "verdienten" Geldes an den Zuhälter. Das derartig zu romatisieren halte ich für falsch. In der Pornoindustrie mag es mittlerweile immer mehr Freiwillige geben, aber ich wäre auch da vorsichtig zu behaupten, dass die mehrheitlichen Pornos heutzutage auf Freiwilligkeit beruhen (kommt aber bestimmt auch auf die jeweiligen Vorlieben an).
[Bild: nfc.php?nfc=22594]
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#8
(04.02.2021, 14:07)Dominik97 schrieb: Liebe Community,

ich bin 23 Jahre alt, habe mit ca. 12 Jahren angefangen Pornos zu schauen und zu wichsen, und habe dem ganzen sofort zu viel Lebenszeit gewidmet. Am dollsten war es so zwischen 14 und 19, wo ich teils ganze Sommerferien wichsend im Bett verbracht habe. In den letzten vier bis fünf Jahren jedoch habe ich mich recht gut gefangen. Ich würde absolut nicht mehr sagen, dass mich eine Sucht im Griff hat...
Seit ich 19 bin, habe ich Beziehungen. Zuerst eine kurze mit einer Frau (Da dachte ich noch, dass ich bi bin. Die Beziehung war aber nicht nur wegen des falschen Geschlechts sehr unbefriedigend) und kurz darauf mit einem Mann. Dieser Mann ist nun seit gut 3 Jahren mein Partner, und wir führen eine tolle Beziehung. Insbesondere das erste Jahr war aber auch kompliziert, und mein damals krasser Hang zu Pornos/Wichsen war ein Teil davon. Ich und auch mein Freund haben uns aber gut entwickelt in der Zeit. Inzwischen führen wir eine wirklich wunderbare Beziehung (wir wohnen nicht zusammen, aber in der selben Nachbarschaft).

Ich habe mich im Januar dieses Jahres als Pornosüchtig diagnostiziert, nachdem ich zwei echt miese Wochen durchlebt hatte. Ich habe dann dieses Forum gefunden, die ein oder andere Doku gesehen. Was mir ganz krass aufgefallen ist: in der Anti-Pornosucht Ecke sind super viele unseriöse Leute am Werk. Entweder Menschen aus der Ecke "Pick-Up-Artist" (aka Machos, die ihr zwergenhaftes Selbstwertgefühl und ihre fragile Männlichkeit an Frauen abreagieren) und sich Sorgen machen, dass ihr Bolzen in der Hose nicht mehr hart genug wird, ODER christlich-reaktionäre, für die Pornos, Schwule und Pädophile alles das gleiche sind und die sich redlich Mühe geben, "wissenschaftlich" darzustellen, warum Pornos ebenso zu verbieten sein wie Homosexualität. Puuh Dodgy

Dann habe ich einen Beitrag auf Vice gesehen (https://www.vice.com/de/article/wjvagb/k...-industrie), von einer Kulturwissenschaftlerin, die sich mit Pornokonsum befasst, und auch wenn ich die Überschrift wirklich(!) Mist finde und echt vielem nicht zustimme, musste ich ihr im Kern total recht geben: Krankheitsdiagnose "Geiler Porno" ohne Suchen nach den Wurzeln (Sozialphobie, kein Selbstwertgefühl, Depression, ...) ist völliger Mist! Ja, bei so unbalanciertem Verhalten wie chronischem Wichsen und Pornos gucken sollte man dringend feststellen, das da was nicht stimmt. Aber WAS stimmt nicht?

Hat man Freunde? Hat man Hobbys? Hat man ein gesundes Verhältnis zur eigenen Sexualität und zum eigenen Körper? Hat man einen halbwegs strukturierten Alltag? Ist man emotional reif genug, Gefühle und Begierde zu artikulieren und zu erleben?
Gerade die Parallele von Anti-Homo und Anti-Porno hat bei mir echt die Sirenen aufheulen lassen. Geistliche und fragile Männer teilen sich das Laster, nie Frieden mit der eigenen Körperlichkeit, Sexualität und Lust entwickelt zu haben. Dieses erfolglose Wegsperren von Lust ist es, das dazu führt, dass in der katholischen Kirche (Keuschheitsgelübte) doppelt so viele Kinder missbraucht werden wie in der evangelischen Kirche (kein Keuschheitsgelübte), und das Zelebrieren dieser Lust ist es, das aus unsicheren Männern frauenverachtende Dreckskerle macht. Wie dramatisch das "Wegsperren" von Sexualität sein kann, zeigt sich auch an der absurd hohen Depressions- und Selbstmordrate in Konversionstherapien, also "Homo-Heilungen". Wer immer wieder Dinge, die zur eigenen Identität gehören, als pervers und böse abstraft, der beschädigt diese Identität, diese Person.

Um da heraus zu finden, möchte ich an euch LeserInnen die Frage stellen: was erachtet ihr als GESUNDEN Pornokonsum? Was ist GESUNDES sexuelles Verlangen? Ich denke, dass das Formulieren eines "so sollte es sein" viel mehr Antrieb geben kann und zu geistiger Gesundheit beiträgt, als für bestimmte Schwächen in immer größeren Selbsthass abzurutschen...

Ich habe festgestellt, dass in den verwichsten zwei Wochen diesen Januar bei mir mental völlig Chaos war, und nein, Pornos waren NICHT die Ursache, sondern nur der Ausdruck. Statt mich darauf zu versteifen, keine Pornos zu gucken, habe ich den Fokus darauf gesetzt, die Laster in meinem Leben abzuschultern oder aufzulösen. Bei mir waren Uniklausuren, Zukunftsangst und Einsamkeit im Zuge der Coronaisolation schuld. Ich habe mir für alle drei Punkte Lösungen formuliert und sie Stück für Stück umgesetzt. Was ist für dich Auslöser deiner Pornosucht? Was führt dazu, dass du nicht mehr so fixiert auf Wichsen bist sondern auch bei anderem Freude hast? Wie kannst du das, was dich gesund macht, stärken? Ich denke, mit diesen Fragen kommt man viel eher aus der Wichshöhle raus als mit erzwungenen Abstinenzen! Angel

Zweifellos haben Sie mit dem, was Sie sagen, völlig Recht. Pornografiesucht ist nur ein Ausdruck für ein viel tieferes Problem. Hinter der Sexsucht verbirgt sich wie hinter jeder anderen Sucht viel mehr. In meinem Fall weiß ich sehr genau, was mein Problem ist, aber ich weigere mich immer noch, es zu akzeptieren und zu behandeln, und so werde ich immer wieder rückfällig, habe das Gefühl, dass ich nicht die Kraft habe, meine Probleme so anzugehen, wie ich es sollte, und suche schließlich Zuflucht im Sex.
Es gibt keine gesunden oder geiler Porno.
Porno zerstört dein Leben in Sekunden!
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#9
Hallo James,

wie so vieles, sei es psychische Probleme oder Suchtprobleme, das meiste hat einen Auslöser den man mit bekämpfen muss. Du kennst deine Probleme schon und weißt, was die Pornosucht mit ausgelöst hat. Das ist doch schon mal ein großer Schritt. Viele wissen nämlich nicht, was sie unbewusst in die Sucht getrieben hat.
Vielleicht wäre es an der Zeit, die Probleme anzugehen und sie zu akzeptieren, dann klappt es bestimmt auch mit den Pornos aufzuhören. Alles Gute.
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