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Mein Tagebuch auf dem Weg pornofrei zu leben
#1
Hallo liebe Menschen,
ich habe mich im Begrüßungsforum ja schon mal kurz vorgestellt und meine Situation erläutert. Ihr könnt das ganze hier nachlesen: https://www.porno-sucht.com/forum/showth...p?tid=2336

Ich möchte meine Pornosucht jetzt endlich besiegen und dafür als ersten Schritt diese 90 Tage Reboot angehen. Währenddessen möchte ich hier Tagebuch führen und immer wieder schreiben, wie es mir so geht, wie ich mit der Situation klar komme und wie ich mich dabei so fühle.

Ich habe im Moment die ersten drei Tage hinter mir, an denen ich keine Pornos geguckt habe und gestern Abend habe ich es auch geschafft, einzuschlafen, ohne davor zu masturbieren. Mir hat der Tipp von Schokoprinz da sehr geholfen, vor dem Schlafen gehen nochmal ein wenig zu meditieren. Das werde ich versuchen, als Teil meines Schlafen-Gehen-Rituals zu etablieren und das ab jetzt jeden Abend zu machen.

Gerade geht es mir sehr gut mit der Situation, ich habe neuen Mut und Hoffnung geschöpft, dass ich das schaffen kann, aus dieser Sucht herauszukommen und es gibt mir gerade total viel Sicherheit, zu wissen, dass es dieses Forum gibt und ich hier meine Gedanken teilen und mich mit Leidensgenoss*innen austauschen kann.

Aber mich belastet die Situation gerade auch sehr, weil es irgendwie alles gerade anstrengend und schwierig ist und der Gedanke, dass ich ab jetzt nie mehr Pornos gucke, mich auch ein bisschen veränstigt. Ich habe das so ein bisschen Gefühl, dass ich damit die letzte Form von Sexualität aufgebe, die ich gerade noch habe und ich habe Angst, dass die anderen Formen von Sexualität nie mehr wieder zurückkommen. Aber das ist ein ganz schön irrationaler Gedanke, dem ich nicht zuviel Gewicht beimessen darf und dem ich vor allem auch nicht nachgeben darf.

Heute werde ich aber den Tag über sowiesoviel draußen unterwegs sein und denke darum, dass das ein relativ schöner Tag wird. Ich schreibe dann wahrscheinlich morgen weiter.
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#2
Heute Nacht konnte ich relativ lange nicht einschlafen, obwohl ich davor meditiert habe und versucht habe,mit ruhigen Gedanken ins Bett zu gehen.
Allerdings habe ich davor auch zwei Avengersfilme geguckt, die mich natürlich ganz schön mitgenommen und aufgewühlt haben mit ihrer Bildgewalt.
Aber ich habe nicht so doll den Drang dazu verspürt, zu masturbieren, musste dem also auch nicht so richtig wiederstehen. Ich konnte schon die Entstehung des Gedankens relativ gut verhindern und das hat sich sehr gut angefühlt.
Irgendwann bin ich dann auch eingeschlafen und habe relativ gut schlafen können.
Allerdings fällt mir auf, dass ich in den letzten Tagen immer unausgeschlafen aufwache, obwohl ich eigentlich relativ lange und auch gut und tief schlafe.
Da ich gerade ehh nicht so viel zu tun habe und viel Zeit für mich habe ist das gerade für mich kein sonderlich großes Problem einfach viel müde zu sein, aber ich hoffe ein bisschen, dass das irgendwann wieder weggeht und ich mehr Energie habe, weil dauerhaft so müde zu sein auch echt anstrengend ist.
Ist das eine Nebenwirkung bzw. eine Entzugserscheinung von Pornoabstinenz und haben andere Menschen hier damit auch Erfahrungen gemacht?
Ansonsten geht es mir sehr gut und ich merke auch schon erste kleine Veränderungen in meinem Denken, also ich denke weniger an Sex, sexualisiere andere Menschen, denen ich begegne weniger und fühle mich gut dabei, diesen Weg jetzt konsequent zu gehen und Pornos aus meinem Leben zu verbannen.
Ich merke außerdem, dass es mir viel leichter fällt mich auch meinen Freunden gegenüber zu öffnen und anzusprechen, dass ich ein Problem mit Pornos habe .nd mir das damit auch selber immer mehr eingestehen und das als Teil von mir akzeptieren kann. Ich glaube, da hat mir dieses Forum auch schon viel bei geholfen.
Mal gucken, wie das in den nächsten Tagen so weitergeht...
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#3
(21.02.2021, 13:21)frederic17 schrieb: ...
Ist das eine Nebenwirkung bzw. eine Entzugserscheinung von Pornoabstinenz und haben andere Menschen hier damit auch Erfahrungen gemacht?
...

Hey frederic17,

erst mal cool das du dich um das Problem kümmern möchtest. und wünsche dir auch viel erfolg im vorraus Smile

Zu deiner Frage ich hab selbst was bislang noch nicht gehabt.
Wenn ich solche schlecht schlafende Phasen habe lag es eher an anderem, zu wenig bewegung über längere Zeit, oder zu sehr in Gedanken oder auch wenn ich zu viel allgemein konsumiert hab wie Youtube, Instagram und Co.

Gedanken: Zum einen Meditierst du ja was auch schon was bringt. MIr haben immer so 15+ min geholfen, ab dann kam wirklich ruhe in mein Kopf. je öfter man das macht desto schneller geht das dann irgendwann.
Bewegung: Das andere was du tun kannst ist abends eine Runde laufen/spazieren gehen. 30 min sind da auch schon ein guter Anfang. Jemehr du machst desto besser. ist jetzt in Zeiten von Lockdown ein großes Problem, dass man sich zu wenig bewegt.
Social Media: Sich dem Tag über phasen geben wo man nicht vor dem Bildschim hängt hilft auch. einfach bisschen reduzieren.

Aber ich will nicht sagen das es nur diese Lösungen gibt je nachdem warum du unruh schläfst kann es auch ganz anderen Ursprung haben. Wenn es ganz schlimm ist und nciht besser wird, wird das beste sein das du zu einem Arzt gehst der kann dir dann genauer sagen woran es liegt. Sowas kann unter umständen auch ein grund in deinem Körper haben.

Ich will dir aber keine Angst machen. beobachte es mal weiter und versuch etwas in deinem Alltag zu ändern. Dann siehst du ja ob es besser wird oder nicht Smile

Gruß
Joker
seit 03.02 wieder Pornofrei
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#4
Hallo Joker,
vielen Dank für die vielen Tipps von dir. Ich versuche auch schon seit längerer Zeit, das alles umzusetzen, und es klappt mal mehr mal weniger gut. Aber ich denke, ich bin da auf einem guten Weg, generell gesünder zu leben.

Gestern Abend hatte ich einen ersten kleinen Rückfall. Ich hab zwar keine Pornos geguckt, was mega gut ist, hab aber masturbiert und dabei auch gemerkt, wie ich in meinem Kopf Pornofantasien abspiele und dazu masturbiere.
Dazu gekommen ist es, weil ich den Tag gestern über so müde war, dass ich mich nochmal kurz hinlegen wollte, bevor ich am Abend zu ein paar Freunden gefahren bin. Kurz nachdem ich mich hingelegt hatte und eigentlich nur eine halbe Stunde nappen wollte, hat es dann angefangen, dass ich an Sex gedacht habe. Zuerst waren das recht schöne Gedanken an liebevollen Sex mit meiner (Ex-)Partnerin, dir mir in den Kopf kamen und die ich auch sehr genießen konnte. Ich habe allerdings auch gemerkt, dass diese Gedanken alleine mich nicht erregen oder zumindest nicht dazu führen, dass ich eine Erektion kriege. Da konnte ich auch noch dem Drang widerstehen, mich selbst anzufassen und zu masturbieren, sondern lag einfach nur da und habe mich diesen Gedankenspielen hingegeben.
Aus diesen habe ich allerdings keinen richtigen Ausstieg mehr gefunden, sondern habe immer weiter fantasiert. Dabei sind die Fantasien auf jeden Fall auch immer rougher geworden und haben sich immer mehr einem pornografischen Bild von Sexualität angenähert. Irgendwann konnte ich dann auch nicht mehr dem Drang wiederstehen, zu masturbieren und habe angefangen, mich selbst zu befriedigen. Als ich mich dann berührt habe, habe ich auch relativ schnell eine Erektion bekommen, aber eben erst nach der Stimulation durch meine Hand und nicht durch die Gedanken alleine.
Als ich dann zum Orgasmus gekommen bin, habe ich mich ein bisschen darüber geärgert, dass ich nicht aus der Situation aussteigen konnte und somit in gewisser Art und Weise einen Rückfall hatte, aber ich habe mich auch nicht so schlecht gefühlt oder geschämt, wie das häufig nach dem Pornokonsum bei mir der Fall war. Außerdem hat mir das noch einmal deutlich vor Augen geführt, warum ich gerade auch Masturbation verzichten sollte und mich damit bestärkt, dass jetzt noch konsequenter durchzuziehen. Insofern sehe ich diesen Rückfall nicht nur als total negativ an.
Heute morgen bin ich dann mit einem miesen Kater aufgewacht (der Abend bei meinen Freunden war noch sehr lang und alkoholreich) und habe nochmal masturbiert. Auch hier ist mir wieder das Muster aufgefallen, dass meine Fantasien zuerst sehr liebevollen und intimen Sex projiziert haben, dann aber im Laufe de Zeit immer rougher und pornolastiger wurden. Ich hatte auch kurz den Gedanken, dazu jetzt Pornos gucken zu wollen, konnte diesem aber glücklicherweise wiederstehen.

Aus diesen Situationen konnte ich aber auf jeden Fall viel mitnehmen und mir klarer werden, warum ich auch auf Masturbation verzichten sollte und inwiefern Pornos meine sexuellen Gedanken auch einfach beeinflusst haben. Das gibt mir viel neue Kraft, um diesen Weg jetzt weiterzugehen. Außerdem bin ich sehr froh darüber, dass ich diese Situationen ohne Pornokonsumrückfall überstanden habe.
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#5
Hey frederic17,

am Anfang sind diese Gedanken an Pronoszenen und uach das man den drang zu dem härteren hatt normal da dein Kopf immer noch im alten Muster hängt. Es dauert laut dem was ich bisher so gelesen haben 3 Wochen min. das dein Kopf weniger diesen Drang erzeugt zu konsumieren. Aus eigener Erfahrung (Tag 19) kann ich das auch weitestgegehnd bestätigen. Wenn Prono Gedanken kommen dann ist es aus einen meiner letzten male. ich kann mich zwar an viele sachen erinnern aber da musst ich dann bewusst daran denken. Also für dich, es ist kein Schalter und man muss sich in der zeit immer wieder daran erinnern das warum man das macht.

Was bei mir einen großen unterschied gemacht hat. war die Frage: "Was bringt mir Pronos zu schauen?" und die Erkenntniss, die Prono-Produzenten machen das nicht für mich, dass ich neues Material hab sondern um mehr Material zu haben mit dem sie jemand gefangen halten.

Wenn du dich mit der Frage auseinander setzt hat vieles auch mit Angst zu tun. Die Angst kann ganz unterschiedlich ausfallen und in sehr unterschiedliche Richtungen gehen. Bei mir als Beispiel war es unteranderem die Angst alleine zu sein und nicht mehr die Möglichkeit zu haben in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Diese Ängste die sich da entwickeln vergehen wieder und sind irrational. Sobald du dich dazu entscheiden kannst diese Ängste anzunehmen und auch Prono als das zu sehen was es ist, bekommst du es auch besser hin mit der Sucht um zu gehen.

UND Big Grin ein Tipp von mir der auch wahnsinnig hilft gerade wenn man hier in einem Forum unterwegs ist. Vergleich dich nicht mit anderen und ihrem Erfolg. Bemitleide dich nicht selbst. Wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist passiert das sehr gerne mal. 
Schau auf dich und dein Erfolg und bejubbel dich selbst für jeden Tag den du nicht mehr schaust.

Das alles hat bei mir auch sehr lange gebraucht bis es klick gemacht hat.

Gruß Joker

Gruß Joker
seit 03.02 wieder Pornofrei
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#6
Hallo Joker,
vielen Dank für deine hilfreichen und aufmunternden Worte. Ich habe bei mir in den letzten Tagen festgestellt, dass ich nicht mal unbedingt an konkrete Pornoszenen, also Szenen aus Filmen, die ich gesehen habe, denken muss sondern dass die sexuellen Fantasien, die ich so habe irgendwann umschlagen in eine Form von sexueller Fantasie, die denen von Pornos sehr ähnlich ist. Aber das wird bestimmt mit der Zeit vergehen und ich merke auch schon kleine Veränderungen an mir, was das angeht.
Ängste habe ich im Moment noch nicht so richtig bei mir feststellen können, ganz im Gegenteil. Ich habe gerade weniger Angst davor, mich mit meiner Sucht auch anderen Menschen anzuvertrauen und mit ihnen darüber zu sprechen und habe gerade auch weniger Angst davor, wie meine Beziehung weitergeht, weil ich gerade das Gefühl habe, mit jedem Ausgang umgehen zu können.
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Jetzt noch ein bisschen Tagebuch:
Wenn ich diesen Tag heute geschafft habe, dann habe ich die erste Woche hinter mir, in der ich keine Pornos geschaut habe und das macht mich ganz schön glücklich und gibt mir Mut, diesen Weg weiterzugehen.
Suchtdruck oder Gedanken an Pornos habe ich immer mal wieder gehabt, konnte diese aber immer recht schnell entlarven und so damit umgehen und bin nicht rückfällig geworden. Und ich merke auch, wie diese Gedanken immer weniger werden bzw. vor allem dann aufkommen, wenn ich lernen will oder sehr müde bin, ich glaube weil mein Gehirn mir dann vorgaukelt, wenn ich jetzt Pornos gucke, dann geht es mir wieder besser, ich kann mich besser konzentrieren und bin wieder wacher. Das ist natürlich Quatsch und das kann ich gerade aber auch gut so benennen.

Ansonsten hatte ich in den letzten Tagen eben diese zwei Rückfälle was Masturbation angeht, über die ich ja auch schon geschrieben habe und konnte daraus ein paar neue Erkenntnisse gewinnen. Ich möchte ab jetzt auch wieder aufhören zu masturbieren und versuchen, die nächste Zeit tatsächlich komplett ohne sexuelle Stimulation durchzuziehen, will da aber auch nicht so streng mit mir sein. Ich glaube Masturbation an sich ist erstmal unproblematisch, ich glaube mir kommt es viel mehr darauf an, dass die Gedanken dazu nicht irgendwelchen Pornoskripten folgen, sondern tatsächlich mehr aus meiner Fantasie entspringen. Darauf werde ich in der nächsten Zeit vermehrt achten und schauen, woran ich so denke, wenn ich sexuelle Fantasien habe.

Heute war ansonsten ein echt guter und schöner Tag, ich habe viel gelesen, ein bisschen für meine anstehende Prüfung gelernt und war sehr lange draußen spazieren und habe das schöne Wetter genossen. Dementsprechend habe ich auch relativ wenig Zeit bei Youtube verbracht (YT ist son bisschen mein social-media-ersatz, da bin ich auf keiner plattform angemeldet, wenn ich also abschalten will, gucke ich häufig YT, aber auch das versuche ich gerade zu reduzieren), sondern habe diesen Tag wirklich aktiv gestaltet. Das war sehr schön.
Ich hab heute auch relativ wenig an Sex gedacht bzw. hatte sexuelle Fantasien, beim Spazieren gehen habe ich aber durchaus gemerkt, dass ich meine Ex-Freundin vermisse bzw. mein Bedürfnis nach körperlicher Nähe (Kuscheln, Händchenhalten etc) sehr stark war und ich mich ganz schön einsam gefühlt habe. Aber dieses Einsamkeitsgefühl muss ich gerade wahrscheinlich auch einfach ein bisschen aushalten.

Nach dem Spaziergang habe ich noch versucht ein bisschen weiter zu lernen, was zuerst auch ganz gut funktioniert hat. Irgendwann wurde ich aber immer müder und unkonzentrierter, was dann auch dazu führte, dass die Gedanken an Pornokonsum immer stärker wurden. Aber das habe ich erkannt, habe aufgehört zu lernen und wollte jetzt noch ein bisschen Tagebuch schreiben, einmal um meine Gedanken festzuhalten und andererseits um mir nochmal ein bisschen Extra-Motivation zu holen, jetzt keine Pornos zu gucken.
Ich werde jetzt gleich den Laptop zuklappen, mir etwas zu Essen kochen und dann noch einen Film schauen. Und ich denke, dann ist dieser Tag auch schon wieder zu Ende.
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#7
Lieber Freddy,

du bist so reflektiert, RESPEKT!! Ich finde das großartig!
Wie steht es denn momentan um deine Beziehung? Habt ihr Kontakt?
Kannst du irgendjemanden anrufen, wenn die Cravings kommen?
Ich habe bei den BestOfBest YT Videos eines von Tabea Freitag gepostet, da du gerne mal YT-Videos schaust, vielleicht ist dieses ja interessant für dich.. Darin empfiehlt sie, sich ein Ziel vor Augen zu halten und sich darauf zu konzentrieren (statt Gedanken a la "ich darf nie wieder Pornos schauen"). Z.B. könntest du dir eine konkrete (natürlich keine sexuelle) Situation mit deiner Freundin vorstellen, in der du glücklich warst, wenn das Verlangen kommt und dir bewusst werden, wo du (wieder) hin willst, wofür es sich lohnt, auf PMO zu verzichten. Sie erklärt das ganz gut in dem Video.

Das mit der Müdigkeit können natürlich Entzugserscheinungen sein. Das ist ja bei jedem anders. Men Mann war auch die erste Zeit immer wahnsinnig erschöpft. Bei ihm kam das allerdings wahrscheinlich auch von dem Stress, den er durch die Aufdeckung und dem damit verbundenen Schock hatte.

Was du sonst so schreibt klingt super! Erste Woche geschafft, guter Umgang mit Suchtdruck. Die Pornos wegzulassen ist sicher der wichtigste Schritt und die Abstinenz von Masturbation schaffst du garantiert auch noch. So reflektiert wie du bist und deine Trigger erkennst und versuchst, anders damit umzugehen.

Ich hoffe, es geht so weiter! Wünsche dir ganz viel Kraft und Erfolg!
Bis bald.
Liebe Grüße
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#8
Liebe Jana,
meine Beziehung befindet sich derzeit in einer sehr ungewissen Situation. Meine Freundin hat sich von mir getrennt, weil sie mit meiner Sucht nicht mehr klargekommen ist und das Gefühl hatte, in dieser Beziehung mit ihrem Struggles kaum noch vorzukommen und immer nur für mich da sein zu müssen bzw. mich wieder aufbauen zu müssen, wenn ich Pornos geguckt habe (ich will schon seit sehr langer Zeit eigentlich damit aufhören, und hatte aber immer wieder Rückfälle bzw. hab dieses Aufhören nie so richtig umsetzen können, deswegen hat mich das immer ganz schön fertig gemacht, wenn ich Pornos geguckt habe und damit musste Sie dann umgehen).

Kurz nach der Trennung (1 Woche später) haben wir uns aber nochmal getroffen und sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir eigentlich gerne beide an dieser Beziehung festhalten wollen und an dieser Beziehung arbeiten wollen, dass aber heißt, dass wir uns nicht so häufig sehen und beide erstmal wieder lernen, auf uns selbst klarzukommen und Verantwortung für unser eigenes Leben übernehmen müssen. Daraufhin habe ich auch angefangen, mich nochmal um einen Therapieplatz zu bemühen und hatte plötzlich auch den Raum, um mich wirklich für mich und mit mir alleine, mit meiner Pornosucht auseinandersetzen zu können und es folgte eine Phase in der wir uns wieder Stück für Stück angenähert haben.

Nach einem weiteren Rückfall meinerseits, der dazu geführt hat, dass ich sie wieder von mir weggestoßen habe und sie nicht sehen wollte, obwohl sie sich in dem Moment ganz doll meine Nähe gewünscht hätte, hat sie dann noch einmal einen Cut gezogen und mir gesagt, dass ihr diese Annäherung rückblickend eigentlich viel zu schnell ging und sie mich jetzt gerne einen Monat lang nicht sehen möchte.

Dementsprechend haben wir gerade keinen Kontakt miteinander, haben uns aber für den 13.3. verabredet, um uns wieder zu treffen. Was auf dem Treffen passiert und ob bzw. wie unsere Beziehung dann weitergeht weiß ich im Moment nicht und kann da weder einschätzen, was vermutlich ihre Emotionen diesbezüglich sein werden noch kann ich gerade für mich gut festmachen, was ich mir wünschen würde. Darum ist das gerade alles ein bisschen ungewiss. Diese Ungewissheit ist gerade ein bisschen anstrengend und ich merke, dass ich ein bisschen Angst habe vor unserem Widersehen. Gleichzeitig ist diese Situation aber irgendwie auch sehr heilsam für mich, weil ich mich gerade noch komplett auf mich selbst konzentrieren kann und mich nicht mit dieser Beziehung auseinandersetzen muss. Also weder mit der Trauer nach einer Trennung noch der Beziehungsarbeit, die eine Wiederaufnahme der Beziehung mit sich bringen würde.

Ich hab in meinem Umfeld auf jeden Fall ein paar Menschen, die auch von meiner Sucht wissen und die ich in einer solchen Situation anrufen kann. Außerdem habe ich mir die Nummern des Krisendienstes, des Drogennotdienstes und des Seelsorgetelefons an meine Pinnwand geheftet, so dass ich mich im Zweifel an die wenden kann. Bisher habe ich aber noch nie jemanden angerufen, wenn ich das Gefühl hatte, dass das Verlangen nach Pornos aufkommt sondern bin bisher immer anders damit umgegangen. Aber ich halte mir diese Option auf jeden Fall offen und weiß auch selbst nicht so richtig, warum ich da noch nie zum Telefon gegriffen habe...

Das Video, was du angesprochen hast, habe ich mir schon gebookmarked, bin aber bisher noch nicht dazu gekommen mir das anzuschauen. In der Vergangenheit habe ich häufig die Erfahrung gemacht, dass wenn ich mir auf YT ein Video anschaue, was Pornokonsum/Sucht behandelt, dass eher als Triggermoment wirkt und ich danach auf einer Pornoseite lande. Deswegen bin ich da im Moment eher vorsichtig, mir audiovisuelle Beiträge zu dem Thema anzuschauen. Aber ich denke, mit der Zeit werde ich da mehr Sicherheit gewinnen und mich auch wieder in Videoform mit dem Thema beschäftigen können und dann werde ich da auf jeden Fall nochmal reingucken.

Die Müdigkeit, die ich bereits beschrieben habe, nehme ich auch immer mehr als Entzugserscheinung wahr und ich merke auch, dass sich das langsam bessert. Mein Therapeut meinte dazu, dass der Dopaminkick, den ich sonst durch Pornografie hatte gerade eben nicht mehr stattfindet und damit in meinem Gehirn eine gewisse Ebbe an Glücksgefühlen herrscht, die dann zu Müdigkeit führen. Das wird sich aber bessern, wenn das Gehirn anfängt, wieder zu anderen Anlässen Dopamin auszuschütten und sich an ein pornofreies Leben ein Stück weit gewöhnt hat. Mir hilft es dabei auch gerade sehr, dass das Wetter wieder besser wird, wodurch ich mehr Fahrrad fahren kann und damit mehr Sport mache. Das hilft natürlich ungemein, den Dopaminpegel wieder ein bisschen zu heben.
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Jetzt noch ein bisschen persönliches Tagebuch:

Auch die letzten Tage habe ich es geschafft, mein Leben so zu gestalten, dass ich dabei keine Pornos geguckt habe und bin inzwischen bei Tag 9 durchgehender Abstinenz angekommen.
In den letzten zwei Tagen gab es durchaus Momente, in denen das Verlangen nach Pornos sehr stark wurde, häufig gepaart mit einem Gefühl, gerade etwas zu verpassen (Quasi die neu produzierten Videos, nicht mehr auf dem "aktuellen Stand" zu sein, usw. ). Das hat mich häufig sehr viel Willenskraft gekostet, diesem Verlangen nicht nachzugeben aber ich habe es geschafft und das macht mich stolz.

Ansonsten bemerke ich, dass die Gedanken an Sex über den Tag immer weniger werden und an manchen Tagen (tagsüber) auch gar nicht mehr auftauchen. Ich sexualisiere mir fremde Menschen, die ich auf der Straße treffe, immer weniger und kann mich auch wieder entspannter mit weiblichen Freundinnen treffen, ohne immer sofort eine sexuelle Komponente in dieses Treffen hineinzufantasieren. Die Gedanken sind zwar trotzdem teilweise noch da, aber sie werden weniger und ich kann sie besser kontrollieren bzw. einordnen.

Gerade ist es häufig so, dass wenn ich Menschen sehe, die ich attraktiv finde in meine Kopf sofort eine Gedankenspirale losgeht, ob ich diese Menschen gerade wirklich attraktiv finde und wenn ja aus welchen Gründen und was das mit meiner Sucht zu tun hat. Dadurch fällt es mir iwas mir m Moment relativ leicht, mit diesen Gedanken umzugehen und sie ein bisschen zu zerdenken.

Wenn ich mich allerdings abends ins Bett lege, um schlafen zu gehen, merke ich schon, dass die Gewohnheit noch zu masturbieren sehr stark ist und wie aus dem nichts plötzlich daran denke, zu masturbieren. Diese Gedanken kommen auch dann noch hoch, wenn ich versuche mich, wirklich gut auf das Schlafen gehen vorzubereiten und vorher spazieren gehe und/der meditiere.
Damit fällt es mir noch relativ schwer umzugehen, vor allem weil ich, wenn ich im Bett liege, mich dem relativ schutzlos ausgeliefert sehe. Viele meiner Bewältigungsstrategien bestehen im Moment noch aus einer aktiven Handlung (Spazieren gehen, Rauchen, Tagebuch oder im Forum schreiben) und das ist alles nicht mehr so richtig möglich, wenn ich schon im Bett liege bzw. kommt einfach wieder, wenn ich das tue und mich dann wieder hinlege. Deswegen habe ich in den letzten zwei Tagen doch wieder masturbiert vor dem Einschlafen und merke, dass ich daran noch weiter arbeiten muss. Da mache ich mir im Moment aber auch nicht so einen großen Stress wegen, weil ich mich die Selbstbefriedigung nicht so doll fertig macht, wie Pornokonsum und ich das Gefühl habe, dass es meinem Weg hin zu einem pornofreien Leben gerade auch nicht im Weg steht. Ich werde das also in den nächsten Tagen einfach mal weiter beobachten und gucken, was da so passiert bzw. wie ich da weiter mit umgehen will.

Bei der Selbstbefriedigung ist mir aber aufgefallen, dass meine Erektion wieder sehr viel härter wird, als voher und auch die Gedanken, die ich dabei habe in meiner Wahrnehmung immer weniger den klassischen Pornofantasien entsprechen sondern intimer und liebevoller sind und gefühlt auch mehr aus meiner eigenen Fantasie stammen. Das empfinde ich zumindest als eine sehr positive Entwicklung. Auch eine Morgenerektion hat sich in den letzten Tagen mal mehr mal weniger angedeutet. Zumindest physiologisch tut sich da also gerade einiges in meinem Körper.

Soweit die Zusammenfassung der letzten Tage. Ich hoffe, dass ich das Wochenende jetzt gut überstehe. Aber ich habe mich mit ein paar Menschen verabredet, habe also was zu tun und sehe dem deswegen recht positiv gestimmt entgegen.
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