Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Raus aus dem Nebel
#1
Hallo allerseits Smile , 
ich bin Fitzsimmons, 27 und habe mich schon seit ca 13 Jahren mit Pornos beschäftigt. 

Vor einer Woche habe ich es meiner Freundin nach 6 Jahren Beziehung endlich gebeichtet und mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. 
Trotzdem bleibt die Sucht. 

Ich will hier ein Tagebuch führen um meinen Weg zu tracken und Kontakt zu Menschen mit dem selben Problem zu finden. 
Mein Ziel Pornographie komplett auf meinem Leben zu streichen, nicht nur 90 Tage, aber irgendwo muss man ja anfangen. 
Ich weiß, dass es relativ unwahrscheinlich ist ohne einen einzigen Ausrutscher aus dem allen raus zu kommen. 
Trotzdem bin ich zuversichtlich, ich habe die größten Stolpersteine schon in den letzten Jahren kennengelernt und weiß, daß ich wachsam sein muss. 
In nächster Zeit steht die Flatline an.
Sie macht mit etwas Angst, deshalb bin ich hier um Unterstützung zu finden. 
Dieses Mal ist es glücklicherweise erlaubt keinen hoch zu kriegen  Big Grin
Meine Vorgeschichte schildere ich später. 

Liebe Grüße, Fitzsimmons
Zitieren
#2
So, nun zu meiner Vorgeschichte. Es hat bei mit mit 14 Jahren angefangen als ich meinen ersten PC mit Internetzugriff bekam. Jetzt war Schluss mit Sport clips und tele5 bei Nacht. Schnell waren die Blocker umgangen und es ging los. Das wurde dann relativ schnell zur Gewohnheit, was sich auch ganz gut mit einer Jugend als Gamer verträgt. Nach der Schule mit 18 ist mein Lebensstil aktiver geworden, allerdings nutzte ich trotzdem jede Gelegenheit.
Während meiner gesamten späteren Schullaufbahn kann man ablesen, wie die Jahre von Langeweile und Desinteresse geprägt waren.
Dann vergingen einige Jahre in denen ich fast den ganzen Tag unterwegs war, neue Stadt, neue Ausbildung, neue Freunde. Aber eine alte Gewohnheit.

Mein Leistungsniveau hat in der gesamten Zeit mehr und mehr abgebaut und keine Depressionen wurde. Schlimmer.
Da dachte ich mir noch, dass alles besser wird wenn ich erstmal eine Freundin habe. So naiv war ich damals noch.
Als ich meine Freundin dann vor 6 Jahren im Internet kennengelernt habe war es eine sehr aufregende Zeit für mich und als ich sie nach einigen Monaten endlich besuchen konnte war ich sehr gespannt darauf, wie sich Sex in der Realität anfühlt, nicht nur vor dem Computer.
Es war auch Wunderbar, aber ich merkte dass es das nicht gewesen sein konnte. Pornos blieben immer noch spannend(vermutlich auch weil ich dort die völlige Kontrolle hatte).
Die nächsten Monate habe ich immer bevor ich sie besucht habe versucht die pornos eine Zeit lang wegzulassen.
Hier wurde mir auch schlagartig der Sucht Charakter klar. Bis dahin dachte ich noch ich könnte aufhören wenn ich es wirklich will.
Ich hatte ihr erzählt dass ich pornos konsumiert, wovon sie natürlich nicht begeistert war, aber das tun ja die meisten Männer. Danach haben wir nie wieder über das Thema geredet bis letzte Woche.
Zitieren
#3
Nun zum eigentlichen Tagebuch.
Tag 7: bisher war es nicht wirklich schwierig Abstinent zu sein und ich will mich auf die Tage vorbereiten an denen es schwerer wird.
Zitieren
#4
Hey Ben, herzlich willkommen hier.
Schön dass du da bist.
Ich find das super, dass du selbst erkannt hast dass es Zeit ist aufzuhören.

Wenn ich fragen darf, wie hat deine Freundin reagiert?
Ich wünsch dir ganz viel Kraft das durchzustehen.
Entschlossen bist du, das ist gut so.

Liebe Grüße crow.
Zitieren
#5
(03.05.2021, 16:15)Crow schrieb: Wenn ich fragen darf, wie hat deine Freundin reagiert?
Es hat unsere Beziehung natürlich schwer erschüttert, sie brauchte ein paar Tage um sich Gedanken zu machen, bis dahin war es wirklich ein Wechselbad der Gefühle. Es hat auch etwas gedauert bis wir über Einzelheiten reden konnten.
Jetzt läuft es bei uns besser denje aber das heißt noch lange nicht, dass das Thema gegessen ist.
Es fühlt sich eher an, als würden wir noch einmal von vorne anfangen. 
Ich glaube es hat geholfen, dass das schon lange vor der Beziehung losging. Dadurch konnte sie mir auch glauben, dass es nichts mit ihr zu tun hat.
Jetzt bin ich dran mir größte Mühe zu geben ihr ein besserer Freund zu sein. (der Konsum und besonders das Geheimhalten haben schon sehr an meinen Nerven gezehrt und sich auf meine Stimmung ausgewirkt.) 

Tag 9: Es erscheint mir fast zu einfach, es fällt mir leicht meine Gedanken von allem bösen fernzuhalten. Ich merke auch ein größeres Selbstbewusstsein. Seit der Beichte fühle ich mich das erste Mal wirklich mit mir im Reinen, ein echt gutes Gefühl nichts mehr zu haben, wofür man sich schämen müsste. 
Das einzige was mir schwerer fällt ist es meine Augen von hübschen Frauen auf der Straße zu lassen. Angel Trotzdem muss ich dabei nicht gleich an sex denken wie sonst. Ich glaube es hilft enorm zu wissen, dass man es wirklich will. Die Beichte war das commitment das mir gefehlt hat, um das ganze unumkehrbar bindend zu machen. 

Das wichtigste ist mir jetzt, gerade in dieser leichten Zeit nicht leichtsinnig zu werden. Fehlende Vorsicht ist schließlich Rückfallgrund Nummer 1.  Big Grin
Zitieren
#6
Hi Ben,

klingt sehr cool, was du berichtest! Mit deiner Beichte, hast du Stärke gezeigt und Verantwortung für dich und dein Leben übernommen, das ist ein bewundernswerter Schritt.
Dass du gerade ein sehr starkes Bewusstsein für dich und die Situation hast, ist toll, das kenne ich auch. Auch der Blick auf der Straße und das größere Bewusstsein für andere Frauen, auch im nicht "pornosexuellen" Sinn kenne ich nur zu gut. Bleib dabei Achtsam und schaue mal genauer auf die Gefühle, die du dabei hast. Genieß vielleicht auch mal das Gefühl eine andere Frau einfach wahrzunehmen und dann mit deiner Achtsamkeit, wieder auf dich zu kommen. (Will damit sagen, lass dich auch nicht rausreißen, denn schnell sucht man sich eine Ersatzhandlung statt der Pornos und aus dem "cool, ich nehme mehr von meiner Umwelt wahr", wird: "Oh ich muss andere Frauen sehen")

Fehlende Vorsicht, du sagst es, ist immer gefährlich, da hilft natürlich auch die Kommunikation mit deiner Freundin und das treffen von Commitments mit ihr und dir selbst. Zum Beispiel am Anfang der Woche noch einmal das Ziel definieren und gemeinsam mit ihr Besprechen, aufschreiben usw.

Eine Zeit lang habe ich mir ohne Scheiß jeden Tag aufgeschrieben, dass ich heute nicht konsumieren werde und mir den Zettel in die Unterhose gesteckt. Das hat unterbewusst eine so krasse Wirkung gehabt, dass es mir extrem geholfen hat nicht rückfällig zu werden.

Bin auf jeden Fall auf deinen weiteren Weg gespannt und wünsche dir alles Gute!
Zitieren
#7
Danke für eure aufmunternden Worte, ich merke wie ich schon für dieses forum ein gewisses Verantwortungsgefühl bekomme. Zu betrügen heißt auch euch zu enttäuschen, die Vorbildfunktion hilft. 

Steffus, ich hatte dein Tagebuch gelesen und fand es sehr spannend. Jedes mal wenn du deinen timer zurücksetzen musstest hat mich das etwas traurig gemacht. Aber ich bin beeindruckt wie deine Entwicklung velaufen ist. Ich bin sicher früher oder später wird das alles kein Thema mehr sein. 
So, nun zu meinem Tagebuch 

 Tag 12: erster Dämpfer 

Vor 3 Tagen, eigentlich direkt nach meinem letzten Post merkte ich wie die flatline begann. Meine Laune wurde düsterer, ich war gereizt und mein sexualtrieb ging gegen 0. Meine Freundin hatte schon befürchtet ich hätte wieder angefangen, darauf habe ich ihr erklärt, dass das zum Prozess gehört. Im großen und ganzen reden wir nicht mehr viel über das Thema. Ich weiß auch nicht ob ich ihr von einem Ausrutscher erzählen würde aber von einem Rückfall definitiv. 
Ich war darauf vorbereitet und tröste mich mit dem Gedanken, dass es höchstens 2 Wochen dauert.
Gerade allerdings, nachdem ich meine Freundin zur Arbeit gebracht hab und noch weiter schlafen wollte ist es passiert. Es lief eine Doku mit einer hübschen Moderatorin und ich konnte es nicht lassen... 
Ich habe mich schäbig gefühlt und ca ne halbe Std danach das selbe nochmal. 

Ich gebe mir hiermit eine harte Verwarnung und passe meine Regeln an. 
Im Großen geht es mir nur darum auf Pornos zu verzichten, masturbation halte ich für etwas natürliches. 
Aber seit Tag 1 habe ich mein bestes gegeben alle sexuellen Inhalte und Gedanken zu meiden. Und wenn ich auf mich selbst höre, dann war das vorhin ein Verstoß, auch wenn ich nichts sexuelles per se konsumiert habe.

Mein Gefühl bleibt mein Warnzeichen und daher wird Masturbation (mit Vorlage) und Edging von nun an ein Grund sein meinen Zähler zurückzusetzen. 

Meine größte Angst liegt darin, meinen Zähler durch unpornografische Dinge zurückzusetzen und dadurch
(weil der Zähler eh auf 0 steht) wieder rückfällig zu werden. 

Das schreiben hilft bei der Selbstreflexion. Ich hätte dieses Mittel schon die letzten 2 Jahre nutzen sollen. 
Ich werde mir meine Gedanken machen und verspreche hier zu schreiben wenn ich noch einmal in Versuchung gerate.
Zitieren
#8
Hey Fitzsimmons

Das tut mir leid für dich. Aber das zeigt doch wirklich, wie tief diese Sucht sitzt. Nicht nur bei dir! Auch bei vielen anderen. Und sogar bei angehörigen Frauen.
Ich hatte gestern Abend das Erlebnis, dass ich mit meinem Partner auf der Couch lag, wir haben einen Film auf Amazon Prime gesehen. Dann nackte Brüste mit anschließender Sexszene.
Ich hab mich unwohl gefühlt und merkte wie in mir die Wut hochstieg.
Also vorgespult... ich hatte nie ein Problem mit sowas. Bin auch nicht prüde. Aber die sucht verändert alles. Nicht nur ihn, auch mich.
Er dann beleidigt, ab ins Bad und ins Bett. Es gab fast streit. Weil ich natürlich dann auch nicht stillhalten kann...zu sehr wühlt mich das alles auf.
Es ist unglaublich oder, wenn man sich vor Augen hält welche Kleinigkeiten ausreichen um doch wieder 'rückfällig ' zu werden. Eine hübsche Frau im Fernsehen. Nackte Brüste die man heutzutage leider in jeden Tatort zu sehen bekommt. Selbst vor Werbung macht man nicht halt...
Ehrlich gesagt, weiß ich für meinen Teil nicht wie ich in der Zukunft damit umgehen soll.
Mein Partner ist wohl leider nicht soweit wie du.
Trotz allem bewundere ich dich für deine Selbstreflexion. Du kennst deine trigger. Arbeite weiter daran...

Ich wünsch dir viel Kraft.
Crow
Zitieren
#9
Danke crow für deinen schönen Worte. Ja, das ist echt schwierig, gestern die selbe Situation gehabt, es waren für weniger als 2 Sekunden Brüste im Bild und ich hab sofort gespürt wie ich getriggert wurde. Die Szene hat mir auch den ganzen Abend und teilweise heute früh noch im Kopf rumgespukt. vorhin auf der Arbeitstoilette hat die Sucht dann wieder überhand genommen. Es war nur Fantasie aber es ist passiert...

Tag 14:
Auch wenn ich mir "druckabbau" im Notfall erlaube, will ich das ganze nicht aufweichen oder auf die leichte Schulter nehmen.Daher beschließe ich meinen Zähler zurückzusetzen, sollte es diese Woche zu noch einem Vorfall kommen.

Die Flatline ist wirklich ätzend.
Nichtsdestrotrotz bin ich stolz auf mich, es bis hierher geschafft zu haben. Meine anfängliche Überheblichkeit ist komplett gewichen, der Entzug trifft mich mit Härte.
Trotzdem bin ich die letzten Tage Standhaft geblieben.
Die stunden die ich am Wochenende alleine zuhause war (normalerweise mind ne Std nacktbildchen schauen) konnte ich mich sehr gut mit produktiver Arbeit ablenken.
Ich glaube dieser Doku Vorfall hatte mich nur so hart erwischt, da ich dösend im Bett lag und sogesehen unvorbereitet war. Und das gestern zeigt mir, dass ich noch einen Plan für äußere trigger brauche. Eigentlich habe ich meine Triebe im Griff, aber diese Frau oben ohne zu sehen, hat mich sofort gepackt...
Lag aber vielleicht auch mit dran, dass Sex auch kein Thema war, seit meine Libido an Tag 9 eingebrochen ist.
Seit vorgestern ist sie wieder da.

Vielleicht sollte ich mich aber auch nicht so mit Kleinkram stressen, schließlich sind sex und masturbation was ganz natürliches. Andererseits ist es gut hier schon genau hinzuschauen. Ich glaube es kommt auf den Kopf und den Umgang mit diesen Dingen an.
Andererseits gibt es wohl nichts, was mich schneller zu pornos zurücktreiben würde als der "hardmode". Von alles oder nichts halte ich nicht viel. Schließlich ist das Ziel mich zu verändern, nicht nur 90 Tage die Finger von mir zu lassen.

Habt ihr vielleicht Ratschläge, ich fühle mich da etwas orientierungslos weil man keine harten Grenzen ziehen kann.

Ich bin nur froh wenn diese down phase vorbei ist.
Gruß Fitzsimmons
Zitieren
#10
Tag 15 gestern Abend find mein Kopf wieder an durchzudrehen. Ich fühlte mich mental erschöpft und merkte, dass meine Willenskraft nachlässt.
Ich habe mir die laufschuhe geschnürt und bin einfach losgelaufen. Eigentlich bin ich kein fitter Mensch und laufe erst seit einem Monat aber gerade wenn der Kopf voll ist wirkt das Wunder.
Ich merke ich muss das Laufen nutzen, nicht erst wenn ich durchdrehe.
Zitieren




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste