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Neuer Versuch
#11
Hallo liebe Geduldige, hallo Zusammen,

heute auf der Autofahrt ist so einiges an Trauer hochgekommen wegen, auch wegen der besagten Dinge. Ich war teilweise fast dem Weinen nah.
Dadurch dass ich heute gut beschäftigt war (Packen, Auto fahren, ankommen und das Zimmer beziehen, hatte ich keine von mir ausgehende Versuchung. Allerdings bemerke ich jetzt meine äußeren Trigger. An den Raststätten waren heute schon so einige gut aussehende Typen. Ich versuche aktuell zu lernen, nicht in den Reiz einzusteigen, sondern lieber meinen Blick loszureißen und mich mit was anderem zu beschäftigen.

Danke für die Erklärungen zum Prozess, das macht Sinn. Freue mich schon auf die Zeit, in der meine Sucht mich nicht mehr beeinflusst, sondern ich alles von mir selber aus mache. Es ist echt gut jetzt zu sehen, wo die Sucht einen beeinflusst, damit man achtsamer solche Entscheidungen treffen. kann.

Danke dir, liebe Geduldige. Ich werde ab und zu mal von mir hören lassen.
[Bild: nfc.php?nfc=29471]
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#12
Hallo Zusammen,

habe den heutigen Tag aus Sicht der Sucht-Bekämpfung gut gemeistert, es kracht jedoch gerade emotional ordentlich.

Heute musste ich mich kein einziges mal von Versuchungen abbringen, weil da keine waren. Ich kann mich hier im Urlaub gut beschäftigen mit den Dingen die ich mag und gleichzeitig habe ich nur wenig bis gar keine Möglichkeit, rückfällig zu werden. Nichtsdestotrotz bleibe ich achtsam, damit ich nicht in einem unbewussten Moment doch wieder rückfällig werde.

Emotional ist gerade so einiges in mir los. Vor mehr als 10 Jahren war ich mal in einen Klassenkameraden mehr als verknallt. Bei allem was danach kam war ich nicht im entferntesten so offen wie ihm gegenüber und konnte mir seitdem auch nicht mehr vorstellen, mit jemand anderem mein Leben so zu teilen. Ob es was geworden wäre weiß ich nicht, ich war damals zu schüchtern etwas in der Richtung aus Eigeninitiative zu unternehmen und die (in meinen Augen) Annäherungsversuche seinerseits, also als er mir körperlich nahegekommen ist (kann was heißen oder auch nicht) habe ich aus irgendeinem Grund immer unbewusst abgeblockt. Wir hatten uns in der 8. Klasse angefreundet (zu der Zeit war ich schon in ihn verknallt) und wir hatten eine echt tolle Zeit auf freundschaftlicher Basis. Nur nachdem ich mehr und mehr diese (gefühlten) Annäherungsversuche abgeblockt habe (ich könnte mir so selber in den Hintern treten dafür) ist der Kontakt beiderseits immer und immer loser geworden, das war dann in der 9. Klasse.

Aber wieso kommt das gerade jetzt in mir hoch?

Als ich in der 8. Klasse war, haben wir Zuhause Breitband-Internet bekommen und ich ein eigenes kleines Netbook. Ich sah mir auch 2-3 mal Pornos an, konnte dem aber nichts abgewinnen. Als abzusehen war, dass das mit uns beiden nichts mehr wird, änderte sich das. Ich fing an die Pornos zu nutzen um den emotionalen "Verlust" in mir aufzufüllen. Ich kann mich nicht daran erinnern, damals traurig gewesen zu sein, da waren die Pornos schneller. 

Und was für Gefühle haben sich heute gezeigt?

Ich beschreibe es einfach mal als endloser Schmerz. Die starke Offenheit, die ich damals ihm gegenüber hatte, tut mir heute im Herzen weh, weil ich weiß dass wir nicht mehr zusammenkommen werden. Ich fange schon fast an es zu bereuen, so offen ihm gegenüber gewesen zu sein, obwohl es Quatsch ist das zu sagen. Denn es war eine wunderschöne Zeit, auch wenn mehr auf einer platonischen Ebene. Vor allem bereue ich die Dinge, die ich damals (nicht) getan habe. Dass ich seine Annäherungsversuche blockiert habe (auch wenn es unterbewusst war, wenn er einen Annäherungsversuch wiederholt hat, konnte ich meinen Reflex unterdrücken und hab es selber genossen) und dass ich nicht selber aus Eigeninitiative mehr unternommen habe. Ich stelle mir auch den Schmerz vor, den er durchleiden musste (wenn er denn wirklich auch an mir interessiert war), durch das Blockieren seiner Annäherungsversuche.



Was ich in diesem Zusammenhang interessant finde ist, dass ich auch so einiges an Schmerz erlebt habe bei der Trennung von meinem Freund, die jetzt ca. 6 Wochen zurückliegt. Aber so offen wir meiner ersten Liebe gegenüber war ich meinem jetzt Ex-Freund lange nicht, es hat sich nach der Phase des Verknalltseins tatsächlich eher entwickelt in die Richtung "Leben und Leben lassen". Wir haben uns weiterhin gegenseitig bei allem unterstützt, aber da war nicht mehr so das Bedürfnis da, das Leben und die Erlebnisse miteinander zu teilen. Da haben die Pornos/das Dating aber sicherlich auch eine Rolle gespielt.

Für meine Zukunft wünsche ich mir einfach, dass ich wieder einen Partner finde, für den ich so eine Offenheit entwickeln kann wie für meinen Klassenkameraden vor über 10 Jahren. Da ich erst so kurze Zeit getrennt bin und auch noch so einiges an emotionalen Ballast verarbeiten muss (und auch PMO frei werden) wird es aber noch einen Moment dauern, bis ich anfange, nach dem Richtigen zu suchen. Sollte er eines Tages an meine Tür klopfen, würde ich aber auch nicht nein sagen  Wink

Ein weiteres Problem von mir, bei dem ich die Verdrängung der Gefühle von damals Verbindung sehe ist mein Brain Fog. Dieser drückt sich aber nur selten (erst nach längeren Sessions) bei intellektuellen Tätigkeiten aus. Viel mehr bemerke ich ihn in meinem Erleben. Es ist so, als würde ich die Welt durch dicke Schleier sehen, als wäre eine große Distanz zwischen meinem Bewusstsein und dem Erlebten. Fast so wie ein Film, den ich auf einem kleinen Fernseher angucke. Ich halte mich viel mehr in meinen Gedanken auf und habe ich irgendwie in meinen Kopf zurückgezogen. Tatsächlich hat das auch in dieser Zeit in der 9. Klasse angefangen und war seitdem mal mehr mal weniger stark. Durch meinen Pornokonsum konnte ich dies nur geringfügig beeinflussen. Jetzt, durch das bewusste Erleben der Gefühle, die ich damals verdrängt hatte, erlebe ich auch meine Umwelt wieder direkter. So als würden jetzt nach und nach die Schleier fallen und ich öffne mich wieder mehr für den Moment. Das ist natürlich ein extremst positiver Nebeneffekt. Auch wenn ich mich mehr oder weniger mit dieser Form des Erlebens abgefunden hatte, ist es doch schöner, alles bewusst wahrzunehmen und nicht so sehr dauernd im Kopf zu sein. Je mehr ich mich meinem Schmerz öffne, desto mehr öffne ich mich auch der Realität.
[Bild: nfc.php?nfc=29471]
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#13
@Lieber arexun,

das hast Du wirklich schön geschrieben. Und Du hast es genau erkannt. So vieles kommt jetzt hoch, was Du in der Vergangenheit mit Pornos betäubt hast.

Es ist richtig und sehr mutig, wie Du den Schmerz annimmst. Durch dieses bewusste Zulassen und Ausreinandersetzen kann er endlich heilen. Danach wirst Du Dich erleichtert fühlen und einen klaren Kopf haben.

Dass das schwer ist, weiß ich nur zu gut. Aber Du machst das wirklich sehr gut, und ich bin sicher, dass Du Dich irgendwann wieder einem Partner so öffnen kannst, wie Du es damals getan hast. Der Richtige wird kommen, ganz bestimmt.

Genieße Deinen Urlaub.

Geduldige
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#14
@Liebe Geduldige,

danke für die aufmunternden Worte.

Hier so offen zu schreiben hilft mir selber stark bei der Verarbeitung meiner Gefühlswelt. Und hilft mir vielleicht auch, offener gegenüber mir selber zu sein.

Gestern hat sich folgendes ereignet: Ich habe das erste mal seit langer Zeit mal wieder jemanden getroffen, dem ich vor einiger Zeit auch mal "hinterhergerannt" bin. Er war gerade in der Nähe meines Urlaubsortes und als er schrieb, ob wir uns nicht mal treffen sollten, war ich so aufgeregt, dass ich fast nichtmals antworten konnte. Wie auch immer - bis zum Treffen konnte ich die (positive) Aufregung in den Griff bekommen. Das Treffen lief sehr "freundschaftlich" ab, also ohne irgendwelche Annäherungsversuche. Und ich muss sagen - auch wenn ich eher der Typ von Mensch bin, der lieber alles vorplant, kann ich mich auch langsam damit anfreunden, die Dinge einfach mal auf mich zukommen zu lassen. Das tolle ist, dass ich die mit ihm verbrachte Zeit als sehr wertvoll wahrgenommen habe, zum einen weil wir uns lange nicht mehr gesehen haben, aber auch weil mich dieser Mensch einfach so beeindruckt und fasziniert. Und daher würde ich mich auch sehr freuen, ihn auch dauerhaft auf freundschaftlicher Basis in meinem Leben willkommen zu heißen, ohne Erwartungshaltung dass da mehr passieren könnte.

Dann hat auch noch ein alter Datingkontakt, der noch meine Nummer hat, wieder mit mir Kontakt aufgenommen. Ich könnte theoretisch Sex mit ihm haben aber ich bemerke, dass ich meinen Fortschritt keinesfalls gefährden möchte. Dafür stecke ich schon viel zu sehr in dem Heilungsprozess drinnen. Ich will lieber erst einmal die vollen 90 Tage ohne jegliche sexuelle Interaktion durchhalten und dann mal gucken.

Bis auf 2, 3 Momente mit starkem Verlangen war ich bisher gut abgelenkt in meinem Urlaub und bin daher zuversichtlich, dass ich es schaffen werde.
Morgen geht es leider schon wieder zurück nach Hause, das restliche Wochenende ist jedoch schon gut durchplant. Nächste Woche habe ich noch frei und lerne noch die abschließenden Sachen für eine Prüfung, die ich am Donnerstag habe. Da ich dank Notebook mobil bin, überlege ich, mich an einen öffentlichen Ort zu setzen zum lernen.

Während meines Urlaubs habe ich festgestellt, dass ich Lust habe auf das Leben in einer WG. Bislang wohne ich alleine und denke dass auch das WG-Leben mich gut ablenken kann von der Sucht und anderen schlechten Angewohnheiten. Es gibt da eine befreundete WG in der Nähe, in der auch noch etwas frei wäre. Ich werde da nach meinem Urlaub mal vorfühlen.

Folgende Einsicht ist mir gekommen: Jetzt ohne die üblichen Ablenkungen (Pornos/Online-Dating) renne ich wieder Leuten hinterher, die für eine potentielle Beziehung in Frage kommen (oder auch in Vergangenheit waren) - siehe weiter oben und auch in meinem vorherigen Beitrag. Ist das mit dem Beziehungen hinterherzurennen evtl. auch nur das Symptom des eigentlichen Problems? Mir kommt es so vor, als würde ich andauernd versuchen etwas im Äußeren zu suchen, um Inneres zu kompensieren. Ich bin da auf das Thema Selbstliebe gekommen. Ich prügel mich selber oft durch vieles durch und passe auch manchmal nicht gut auf mich auf (Ernährung / Ausnutzung durch andere, die meine Hilfe in Anspruch nehmen). Vielleicht ist das ein Thema für die nächste Zeit, an dem ich arbeiten kann.
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#15
@Hey arexun,

also für mich klingt Dein letzter Beitrag sehr positiv, allem voran das Wiedersehen, das so so super gelaufen ist und auch Deine Idee mit der WG.

Dieses von Dir erwähnte Hinterherrennen kann ich zwar nicht daraus erkennen, aber vielleicht ist das noch ein Überbleibsel Deiner Datingseiten-Zeit oder einfach ein Bedürfnis (vielleicht nach Bestätigung), das der Entzug gerade mit sich bringt. Wahrscheinlich kannst Du das besser einschätzen als ich, aber vielleicht gibt sich das von ganz allein. Schau ruhig darauf, mach' Dir jedoch nicht zuviel Druck.

Ich kann mir vorstellen, dass in Deinem Kopf gerade einiges vor sich geht und Du vieles wahrnimmst, was durch die Sucht so nicht möglich war. Das kann einen ganz schön durcheinander bringen, verunsichern und manchmal auch Angst machen.

Wenn Du allerdings anderen immer hilfst und nichts zurück bekommst, wäre das ein wichtiger Grund, nochmal genauer hinzusehen, warum Du öfter in solche Situationen gerätst. Hier gilt es, auch mal Nein zu sagen und abzuwägen, wo das Ausnutzen beginnt. Ein Grund für Dich könnte Anerkennung und Akzeptanz sein aber auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Gibst Du aber immer nur und bekommst nichts zurück, ist jede emotionale "Belohnung" von kurzer Dauer und es bleibt ein schlechtes Gefühl. Hier solltest Dir Grenzen setzen.

Die Ernährung ist auch ein Punkt, die großen Einfluss bei der Bekämpfung von Süchten haben kann. Bei mir war es jedenfalls so (Rauchen, Schokolade). Ich hätte nicht gedacht, dass es mit gesunder Ernährung so viel leichter fällt, geschweige denn, daran geglaubt. Ich hätte mir die Jahre, in denen ich mich durch zich Entzugsversuche gequält habe, schlichtweg sparen können.

Aber egal, was Du Dir vornimmst: mach' es Stück für Stück und nicht alles aufeinmal. Zuviel Druck führt nur zu Überforderung und Enttäuschung.

In diesem Sinne, sei stolz auf Dich, glaub an Dich und mach' weiter so.

Deine Geduldige
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