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ZahnsReboot Tagebuch
#1
Hallo Alle,

ich habe mich jetzt auch mal hier angemeldet und verfolge das Ziel hier ein aktives Tagebuch zu führen - vielen soll das ja schon geholfen haben und ich glaube dass es ein gutes Mittel um eine zusätzliche Kontrollinstanz für den Reboot zu installieren und mich auszutauschen. Mal sehen wie es läuft. 

Erster Eintrag, daher also hier mal die hard facts und die Geschichte, die zu diesem Tagebuch geführt haben: 

M, 24 J, in einer Beziehung, ansonsten absolutes Mülleben auf Staatsknete, aber dazu (vielleicht) später. 

Erster Pornokonsum mit 11-12, so richtig weiß ich das gar nicht mehr genau. Dann auch relativ schnell Verbindung mit Masturbation. Anfangs war das alles natürlich enorm schwer ranzubekommen, Du musstest dir halt alles auf dem Schulhof holen, teilweise noch mit Infrarotübertragung (Das I Phone war noch nicht erfunden bzw. wir Stifter hatten halt noch keinen Zugang zu sowas), aber natürlich gibt es immer Wege und Mittel. Da war es aber halt noch nicht so schlimm. Richtig angefangen hat alles mit Zugang zum Internet und damit zu Highspeed Tube Sites. Seit 10 Jahren also ca. heftiger, täglicher Pornokonsum, "natürlich" immer mit Masturbation verbunden. So richtig hinterfragt habe ich das alles eigentlich schon recht früh, aber da hatte mich die Sucht bereits vollkommen im Griff und die Hürde zum aufhören einfach schon zu groß. Allgemein ist es so, dass ich Probleme in meinem Leben schon ganz gut erkenne, sie allerdings aktiv anzugehen ist dann aber ein völlig anderes Thema. 

Vor einem Jahr habe ich meine derzeitige Beziehungsperson kennengelernt. Vollkommener Wahnsinn, sich in meinem damaligen (eigentlich auch noch jetzigen) Zustand auf eine Beziehung einzulassen, aber wieder erwarten einiger wirklich hart toxischer Erfahrungen habe ich seitdem eigentlich eine wirklich schöne Beziehung genießen dürfen. Es gab schon immer viele Probleme, die aber offen kommuniziert werden. Eines davon war dann halt auch irgendwann die Pornosucht. Für meine Beziehungsperson ein echt hartes Thema, da hier eine Vorgeschichte mit sexuellem Missbrauch, bei dem auch Pornos eine Rolle spielten existiert. Da bin ich das erste mal wirklich damit konfrontiert worden aufhören zu "müssen" -  aber eben meiner Liebe wegen.

Die Reeboots, die darauf folgten, waren natürlich echt kaum erfolgreich. Ich habe mir vorgenommen einen Reboot nur mit Pornos zu machen - also masturbieren war ok und selbst in diesem "super easy Mode" war es mir kaum möglich, länger als 2 Wochen durchzuhalten. Anfang des Jahres hat meine Beziehungsperson dann wieder einmal einen Rückfall von mir aufgedeckt. Wieder ein Riesen Verletzungsmoment. Wieder ein Moment, in dem ich ihr so unfassbar weh getan habe. Aber hey: ich konnte mich wenigstens mit meinen Erfolgen "rausreden". 

Dennoch war das ein ziemlich heftiger Knall, der mir einen gewissen Motivationsschub gegeben hat. Immer noch war ich hauptsächlich von meiner Beziehungsperson motiviert worden -  aber jetzt sollte es endlich mal gelingen. Ich begann, den Reboot ernster zu nehmen. Die Gleichgültigkeit begann zu schwinden. Es ist halt einfach nicht möglich, den kram durchzuziehen, wenn der Antrieb, das tief in dir verwurzelte Ziel fehlt. Aber die Angst um meine Beziehung war ein recht guter Antrieb. Nach einigen Rückfällen schaffte ich dann meinen absoluten Rekord: 2 Monate und 12 Tage ohne Pornos. In dieser Zeit hat sich einiges getan, ich versuche jetzt Dinge in meinem auch sonst sehr beschissenen Leben aktiv anzugehen und hab mich um einen Therapieplatz bemüht. Aber irgendwann kommt halt einfach der Moment, in dem du Schwach wirst. 

Meine offene Flanke war Twitter. eine Person aus meiner Bubble twitterte über den Hashtag "Brüste", unter dem gerade eine ziemlich heftige misogyne Diskussion über die modische Selbstbestimmung von FLINTA* tobte. Ich habe den Tag angeklickt. Und wer Twitter kennt, kann sich den Rest denken. 

2 Monate für den Arsch. Heftiger Rückfall. 5 Tage auskosten. Dann entdeckte meine Beziehungsperson am 5. Tag einen Thread, zu dem ich Masturbiert hatte. Das war dann ein richtig großer Knall. Wieder das Verletzungsmoment. Und dann das schweigende herumliegen nebeneinander im Bett. Und dann die Worte "Ich weiß echt nicht mehr, warum ich noch mit dir zusammen bin". 

Natürlich ist mein Pornokonsum nicht das einzige Thema, dass zu dieser Aussage führte. Aber es ist ein großes. Ich war in Schock, hatte Angstzustände. Einfach noch mal ein größerer Motivationsschub, der mich am Tag danach zu einem wichtigen Schritt trieb. Ich habe mir das Buch "Your Brain on Porn" gekauft. Ich habe es innerhalb von 6 Stunden förmlich verschlungen. Es war eine echt gruselige Erfahrung dieses Buch zu lesen. Aber es war gut, dass ich sie gemacht habe. 

Klar, ich wusste schon früh über mögliche folgen des Konsums bescheid, ich wusste Grob über die Funktionsweise des Synaptischen Spalts und die Rolle von Dopamin bescheid. Ich dachte mir einfach, das würde schon ausreichen. Natürlich lag ich falsch. Was ich da las, das sprach mich einfach so direkt an - das machte so viel mit mir, weil ich direkt davon betroffen bin - es fühlte sich an wie ein richtig schlimmer, intensiver Horrortrip. Aber ich wollte nicht aufhören. Und seitdem habe ich nur noch einen Gedanken im Kopf: Du weißt, dass das, was du da tust scheiße für dich und für deine Mitmenschen ist. Du weißt jetzt auch, und zwar wirklich viel Detaillierter dass du dein Gehirn und insbesondere dein Belohnungssystem aufs übelste zerstört hast. Du musst es neu verschalten. Du musst versuchen, die Dopaminquellen, die deine Verbindungen zu so unfassbar schädlichen Verhaltensweisen verstärkt haben abschalten und versuche, neue Verbindungen aufzubauen. Auch wenn das jetzt schon echt zu spät ist. 

Und jetzt ist es anders. Jetzt mache ich meinen Reboot nicht mehr nur meiner Beziehungsperson zu liebe. Klar, das ist noch immer ein entscheidender Faktor, aber jetzt ist ein neuer hinzugekommen. Ein Entscheidender. Ich mache das jetzt auch für mich. Weil ich keinen Bock mehr habe, mein neuronales System derart anzugreifen. Weil ich erkannt habe, dass es ein Problem ist dass ich aktiv angehen muss. 

So bisher also meine Geschichte bisher. Seit 3 Tagen befinde ich mich jetzt in einem "neuen Reboot". Ich habe vorher wirklich viel masturbiert, wir reden so von 5 - 10 mal am Tag. Ich habe bisher wirklich einfach nur versucht, die Pornos wegzulassen, aber ich denke dieses ständige Masturbieren gehört zu einem Copingmechanismus, der mir Pornos begonnen hat dazu. Deshalb jetzt also dieses neue Ziel: Keine Pornos, keine Masturbation mehr. Das ist echt schwierig für mich und fühlt sich fast unerreichbar an. Aber genau darum geht es ja. 

Dieses Tagebuch soll mir dabei helfen und vielleicht anderen auch eine Stütze sein können - aber darüber kann ich sprechen, wenn es vorbei ist. Jetzt gilt es erst mal anzufangen und zu handeln. Viel Spaß und Erfolg allen, die sich das hier durchlesen.

Tag 1. 

Der erste Tag ist erfahrungsgemäß nie so wirklich schlimm. Die Sucht ist ja "noch" ziemlich frisch befriedigt, mein Gehirn wird die nächsten Tage weitaus lauter schreien. Es geht also. Ich habe gegen Abend das erste mal wirklich das Gefühl gehabt, mich unterstehen zu müssen zu masturbieren. Ich habe ein paar Liegestüze gemacht, ansonsten habe ich etwas mit meiner Beziehungsperson unternommen, die gerade zu besuch ist (wir sind in einer art short distance Fernbeziehung, wenn ich also "Besuch" habe ist es recht einfach, etwas anderes zu machen als allein einfach herumzusitzen. Von daher war dieser Tag keine wirklich große Herausforderung. Wir haben viel geredet. Auch meine Beziehungsperson hat anscheinend nicht das dringende Bedürfnis Schluss zu machen. Das ist schon mal sehr gut. Es liegt jetzt vor allem erst mal an mir, mein Problem wirklich anzugehen. Schwerere Tage werden folgen. 

Derzeitige Streak: Pornos 1 Tag, Masturbation 1 Tag

Tag 2

Meine Beziehungsperson und ich haben wieder den ganzen Tag etwas unternommen. Ich konzentriere mich jetzt auf Ablenkung, mein künstlerisches Hobby, das wir beide teilen und dem wir heute wieder nachgegangen sind. Schon echt mächtig, einfach etwas zu schaffen und sich so abzulenken. Der Drang war heute natürlich viel stärker als am ersten Tag. Heute hat meine Beziehungsperson wieder etwas mehr körperliche Nähe zugelassen. Das ist gut, es zeigt mir, dass der Verletzungsmoment von vor 3 Tagen nicht mehr allzu präsent ist. Aber es ist auch eine Herausforderung. Verdammt, jede Berührung verschafft mir eine intensive und lang anhaltende Erektion. Ich sag, wie es ist: Ich hätte so gern Sex, das letzte mal ist schon fast eine Woche her. Ich frage mich die ganze Zeit, ob es nicht gut wäre komplett auf Orgasmen zu verzichten. Aber ich möchte eigentlich nicht auf Sex mit meiner Beziehungsperson verzichten. Das Ziel, jetzt auch noch Masturbation, also dieses "Auf den Knopf drücken, damit es mir gut geht"  wegzulassen ist so schon hoch genug für mich. Trotzdem, ein fader Beigeschmack bleibt. Morgen will ich mich in einem Forum anmelden, ich denke es ist schlau dieses Tagebuch nicht nur für mich selbst zu führen. Eine Kontrollinstanz und Austausch könnten hilfreich sein. Heute habe ich aber keine Zeit mehr dafür. 

Derzeitige Streak: Pornos: 2 Tage, Masturbation 2 Tage
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#2
Danke für deinen ausführlichen Beitrag! Ich erkenne mich an einigen Stellen sehr deutlich wieder, insbesondere, wenn du beschreibst, wie du an gewissen Stellen immer gedacht hast "so, das muss jetzt als Weckruf dienen" um dann doch wieder gegenteilig zu handeln. Ich suche seit kurzem eine Beratung auf werde mich in Kürze mit einer Gruppe zu diesem Thema treffen. Wenn es wirklich das größte Ziel ist die Sucht zu besiegen muss man sich auch wirklich drum kümmern. Und zwar nicht alleine. Das habe ich auch erst jetzt verstanden

Ich wünsche dir viel Erfolg und Kraft
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#3
Tag 3 

Heute also der erste Wochentag, den ich im neuen Reboot überstehen muss. Heute habe ich mich auch hier angemeldet, von jetzt an ist alles sozusagen "live" 


Besondere Grüße Gehen raus an fokusfinden, ich wollte dir eigentlich Antworten, hab dann aber was falsches Gedrückt und jetzt steht hier mein Eingangspost 2 Mal, voll schade, macht auch optisch nichts her jetzt, aber ich finde auch keine Option Beiträge zu Löschen... Der ganze scheinbar aus den 90ern stammende Seitenaufbau hier ist allgemein ein gewisses Abenteuer für mich. Hoffe dass ich die Struktur jetzt gut verstanden habe, es ist schon ein bisschen Komisch jedes mal ein neues "Thema" beginnen zu müssen um einen neuen Beitrag zu posten, ich dachte das funktioniert mehr wie Threads bei Twitter. Egal. 

Heute hab ich zum ersten mal seit Monaten wirklich mal was sinvolles, produktives vorgenommen und auch so durchgezogen, ich war tatsächlich 3h produktiv. Ok, das klingt jetzt nicht viel aber in den letzten Jahren habe ich mich echt einfach so verkommen lassen dass ich eig immer nur exakt dass mache, worauf ich gerade Lust habe, bzw. worauf mein Dopaminhaushalt Lust hat. Ich hab mich allerdings, (nicht zuletzt weil ich mich ja gerade im Reboot Modus befinde und mich einfach nur ablenken muss) dann heute wirklich zu einer geplanten Arbeitssession motivieren können, das fühlt sich echt gut an und zeigt mir zumindest mal, dass ich auf einem guten, verbessernden Weg zu sein scheine. Dann noch draußen gewesen, mit meiner Beziehungsperson und die Sonne genossen. Insgesamt echt gut. 

Gestern Nacht hatten meine Beziehungsperson und ich dann tatsächlich Sex. Die Initiative ging tatsächlich von meiner Partnerperson aus, deswegen fühle ich mich auch echt gar nicht schlecht, es irgendwie "erzwungen zu haben". Es war sehr schön, allerdings bekam ich keinen Relief, da ich nicht gekommen bin. Das passiert häufiger und eigentlich ist das echt gut so. Gleich mal vorweg: Ich hatte nie ED, im Gegenteil und ich würde mein Sexualleben, zumindest in meiner aktuellen Beziehung auch als erfüllt bzw. liebevoll beschreiben. Horrorszenarien mit extremer Nullinie oder enorm frühe/gar keine Möglichkeit zum Orgasmus, wie hier von einigen berichtet wird hatte ich zum Glück noch nie. Jedenfalls wars echt schön und ich bin stolz auf mich, nicht noch mal explizit bei meiner Partnerperson nachgefragt zu haben, ob sie mir auch einen Orgasmus verschaffen kann. 

Richtiges Problem war dann aber heute der Chasing Effect. Meine Morgenerektion war und ist mein schlimmster Gegner. Vor meiner Reise habe ich mir wirklich einfach jeden Morgen vor dem Aufstehen einen Orgasmus ergaunert, manchmal 2, aber ich bin eh immer ziemlich lang im Bett liegen geblieben und habe mich meinen Süchten hingegeben. Fast schon peinlich, dass jetzt so zu schreiben. Aber eben die traurige Wirklichkeit. Allgemein denke ich nach meinem letzten Rückfall viel über solche Verhaltensweisen nach. Ich habe dann das erste mal kalt geduscht, auch so eine Strategie die ich hier vermehrt gelesen habe. Für mich als passionierten Heißduscher eine echt krasse Herausforderung. Ich war absolut fertig danach aber es hat sich auch gut angefühlt. Alles in mir schreit, dass nicht noch einmal zu tun aber ich denke, genau deswegen wäre es noch einen Versuch Wert. Geholfen hat es jedenfalls, danach waren meine Gedanken an die Masturbation weg. 

Meine Sucht nach Pornos und Masturbation ist tatsächlich der erste Fall, bei dem ich ein Problem derart konsequent angehe. Das ist natürlich zum einen gut, zum anderen macht es mir auch gehörig Angst, da ich mich schon ganz gut kenne und weiß, dass ich am Anfang sehr sehr motiviert bin und dann aber schnell nachlasse. Das macht mir am Ende dieses Tages echt ein bisschen Angst. 

Wie dem auch sei, erst mal den Tag als guten abhaken und stark bleiben. 

Derzeitige Streak: Pornos 3, Masturbation 3
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#4
Ich wünsch dir viel Glück und Durchhaltevermögen. Hab mir deinen Beitrag durchgelesen und habe einige Parallelen zu mir entdeckt Smile
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#5
Tag 4


Gestern hatten meine Beziehungsperson und ich wieder Sex. Keine Ahnung was da los ist, sonst ist so eine Frequenz bei uns nicht der Fall. Die Initiative ging aber wieder von meinem Lieblingsmenschen aus, und ich habe es enorm langsam angehen lassen. Es muss meiner Liebe wohl auffallen dass ich ziemlich lange hier im Forum Zeit verbringe und mich auch sonst echt reinhänge, was ihm/ihr wohl gefällt und mich anziehend macht oder so (Meine Beziehungsperson ist Nonbinairy, deswegen tu ich mich mit Pronomen noch enorm schwer, daher auch die vielen "Vermeidungsbegriffe" von Freundin etc. , ich versuche da in den kommenden Tagen mal eine elegantere Lösung zu finden, da ich ja doch dass ein oder andere Mal über diese Person schreiben werde). Auf jeden Fall war es eine der Intensivsten sexuellen Begegnungen, die wir seit langem hatten und ich habe da auch meinen ersten Höhepunkt seit Anfang des Reboots gehabt. Irgendwie fühle ich mich guilty, dass ich durch die Tatsache meiner Beziehung trotz Reboot Orgasmen Erfahren kann, andererseits hat Sex für mich absolut nichts mit Masturbation, insbesondere in der Form wie ich sie bisher praktiziert habe zu tun hat, es fehlt halt einfach die Komponente des schnellen, immer und einfach verfügbaren Auswegs. Ja, das ist auf jeden Fall ein Thema.

Positiv lässt sich aber bei solchen Abenteuern vermerken: Auch wenn sie mir einen gewissen Relief verschaffen, Stellen sie mich danach auf eine echt harte Chasing Effect Probe. Meine Erektion ist gestern einfach nicht verschwunden, ich habe gemerkt dass ich verdammt noch mal MEHR will, nicht zuletzt weil ich von meinen Masturbationsgewohnheiten mehr gewöhnt bin.

Der Tag begann also sehr sehr mies. Das verlangen nach Masturbation steigerte sich immer weiter. Jetzt geht es los. Ich habe die ganze Zeit dieses kribbeln im Unterleib, dieses unglaublich schreiende Verlangen danach mich und meine Sucht und mein kaputtes Gehirn zu befriedigen. Ich wollte unbedingt meine Beziehungsperson anspringen und noch mal mit ihr Sex haben, die ganze Zeit hatte ich Gedanken an Sex. Meine Beziehungsperson zu "verführen" kam aber nicht in Frage und so wäre Masturbation ein Ausweg gewesen, das geht aber nicht. Es ist dieser ewige Gedankenkreis der es schwierig macht. Eine kalte Dusche und Aktivität hier im Forum konnten es zumindest lindern und ich habe mich daran gemacht, ein bisschen produktiv zu sein bzw. "sinnvolle Dinge", also was anderes als rumhängen und deprimiert sein zu tun. Trotzdem einfach nur krass. Obwohl ich vom kalten Wasser fast einen Herzinfakt bekomme habe ich eine steinharte Erektion, und meine Gedanken drehen sich nur darum was ich damit machen könnte. Die Ganze Zeit nur Gedanken an sexuelle Dinge, und es ist schwer sie loszuwerden, sie vernebeln den Kopf.

Ich suche gerade einen Therapieplatz, das habe ich heute auch mal wieder in Angriff genommen. Leider bin ich dabei nicht sonderlich erfolgreich. Die 116117 kannst du außerhalb von Großstädten echt wegschmeißen, ich bin echt ziemlich verzweifelt. Ich habe mich lange nicht mehr aufraffen können, Listen durchzutelefonieren weil mir beim letzten mal ernsthaft meine Einzeltherapeutin aus meiner letzten stationären Therapie, bei der einige Dinge richtig mies schief gelaufen sind. Das war literally das einzige Angebot in meiner Stadt, dass in Frage kam.

Auch so weis ich eigentlich nicht wie ich mein Leben weiter gestalten will. Ich werde bald 25, dann ist meine Unterhaltszahlung futsch, ein Urlaubssemester kann ich nicht mehr anmelden, da ich keine behandelnde Therapeut*in habe. Es ist ein ewiger Teufelskreis. Alles ist echt einfach nur hoffnungslos und verzweifelt. Ich dränge sowas dann immer aktiv weg, jezt bin ich gerade dabei meine ganzen Mechanismen aufzugeben. Die Gefühle, die da kommen bzw. jetzt halt wieder viel stärker sind sind einfach nur abgefuckt. Und da hab ich als chronisch Depressive Person eigentlich schon nicht mal so wirklich die Erwartung dass es mir überhaupt mal einen Tag gut geht. Trotzdem. Einfach nur krass und überwältigend alles.

Nachdem ich mich dann doch irgendwie zur Weiterarbeit an meinem Aktuellen Projekt zwingen konnte, bin ich dann noch mit meiner Beziehungsperson skaten gewesen... Hm Sport, einfach nur sick sowas, eigentlich hätte ich mich schon längst mal wieder dazu aufraffen sollen, sowas zu machen, die Gedanken vom Vormittag waren komplett weg.

Ansonsten hab ich mich, wie an der länge dieses Posts vielleicht erkennbar sehr auf mein Tagebuch konzentriert. Solls für heute erst mal gewesen sein. Ich bin trotzdem stolz diesen Tag hinter mich gebracht zu haben und bin motiviert, weiter an mir zu arbeiten.
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#6
Trigger sind immer das gefährlichste beim Entzug, dass habe ich inzwischen auch gelernt Smile Selbst wenn man gerade nichts sexuelles im Kopf hat, kann ein Bild, bei mir reicht sogar nur ein bestimmtes Geräusch, dafür sorgen, dass man an nichts anderes mehr denkt. Du hast aber jemanden, mit dem du Gefühle austauschst, also etwas echtes. Da ist es natürlich noch schwieriger, sich einfach fern zu halten, denn man möchte seine/-n Partner*in natürlich Glücklich machen. Ich würde da gerne Tipps geben, habe aber leider selber noch kein wirksames Mittel dagegen gefunden.

Was den Therapieplatz angeht: Ich habe damals natürlich Glück gehabt, da ich gleich beim ersten Therapeuten, den ich angeschrieben habe, einen Platz gefunden habe. Vorher war ich aber bei der Psychosozialen Beratungsstelle meiner Uni habe dort mehrere Adresse bekommen und die Möglichkeit, an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. Die Angebote variieren natürlich je nach Universität, aber sind dennoch häufig hilfreich.
"Ah shit... here we go again!"
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#7
Tag 5

Heute war wieder ein echt schlimmer Tag. Drang nach Masturbation natürlich sehr stark. Zum Glück muss ich eigentlich gerade sehr viel an einem Projekt arbeiten, dass diese Woche noch fertig werden muss, daher wird dieser Eintrag wohl auch nicht so lang. An und für sich gut weil ich so viel abgelenkt bin, auf der anderen Seite aber auch eine enorme Herausforderung da ich mit Leistungsdruck echt nicht so gut klarkomme, kaum weiß wie ich das schaffe soll und allgemein hab ich einfach diese Stimme in mir, die mich auffordert alles wieder hin zu schmeißen so wie immer und es einfach nicht zu machen. Darauf möchte ich mich auf jeden Fall die Tage konzentrieren.

Am morgen hatte ich einen echt guten Start, das ewige Herumtelefonieren hat endlich mal dazu geführt dass ich in 2 Wochen einen Termin zu einem Erstgespräch für eine Psychotherapie habe. Das hat mir echt das Gefühl eines kleinen Sieges gegeben. Dann habe ich mich noch mit einem ehemaligen Freund getroffen und wir sind kurz spaziert. Soziale Interaktion ist bei mir in den letzten Jahren echt eigentlich eher Fehlanzeige, und das möchte ich verändern. Ich hab einen Vorwand benutzt, die Person musste mir noch ein geliehenes Magazin zurückgeben, vielleicht schaffe ich es ja beim nächsten Mal ohne solche Vehikel.

Ansonsten war heute aber sehr negativ, dass meine Beziehungsperson auf ein Date mit einer anderen Person hatte. Es hatte mir schon echt oft gesagt, dass es polyamorös veranlagt ist. Das ist für mich eigentlich ein Problem, da mein geringes Selbstwertgefühl und mein eigentlich großes Bedürfnis nach Sicherheit in einer Beziehung solche Experimente als sehr gefährlich und für mich potenziell verletzend erscheinen lassen.Ich habe deswegen große Angst meine Beziehung gerade vor einem Ende steht. Ich kann ja, nicht zuletzt wegen meiner Sucht auch nicht so recht für einen Safespace sorgen. Beziehungsgestaltung ist für mich als angelernten Hänger auch eine gewisse Herausforderung. Es ist einfach ein Druck auf der Brust, eine nie Endende Panikattacke, dieses Gefühl, dass das was ich Liebe nicht mehr sein wird. Das dieses eine positive Element in meinem Leben jetzt verblasst, und dass nur weil ich nicht die menschliche Größe habe, das Format, mich in meiner Beziehung zurechtzufinden, zu verorten, sein zu können. Es fühlt sich einfach an, als sei ich dem noch nicht gewachsen und bin so richtig fehl am Platz. Aber ich kann es einfach nicht über mich bringen zu sagen: Ok, dann ist jetzt halt Schluss. Dafür ist mir dieser wunderbare Mensch zu wichtig. Ich bin also mal wieder in einer Situation eingesperrt. Gar nicht gut. Und dieser Druck, dieses unsichere Miese Gefühl schlägt auf mich und meine Gefühle ein und spielt natürlich eine Rolle beim Suchtdruck.

Nach dem Date hatten wir aber noch ein relativ gutes Gespräch, in dem wir uns darauf geeinigt haben dass diese polyamoröse Seite meiner Beziehungsperson ausgelebt werden will, dass er da support braucht und dass ich, aus Liebe auf diesem Weg mit dabei sein möchte und einfach mal schaue, wie sich das ganze anfühlt, also wir unsere Bedürfnisse kommunizieren. Und wenn sich zeigt, dass es nicht geht, dann geht es eben nicht. Schmerzhaft für mich, klar, aber ich möchte keine Ansprüche auf andere Menschen erheben. Dieses „auf den Weg machen“ fühlt sich für mich auf jeden Fall nach einer Sichtweise an, mit der ich klarkommen kann. Ich fühle mich, als hätte ich die Verarbeitung der Situation angenommen. Nicht mehr nur bloßes Verstecken und abwarten. Das ist auch das Ziel meines Reboots, und das möchte ich in so viele Bereiche meines Lebens übertragen wie möglich.

Ich hab mich während des Dates bei krassen Suchtdruck erwischt. Habe mich aber einfach durch aufräumen und sauber machen abgelenkt. Das ist das einzige was ich momentan tun kann. Eine kalte Dusche war dann noch auf dem Programm. Hat auch ganz gut geholfen.
Ansonsten ist noch ein weiters Thema beim Reboot, dass ich beim Sex gerade enorm früh zum Orgasmus komme, was mich echt belastet da es natürlich fast verhindert, dass ganze zu genießen. Mir ist klar, dass das eine Folge des Reboots ist. Mein Gehirn und mein Körper sind wohl durch die ständige Masturbation einfach darauf trainiert, es schnell passieren zu lassen bzw. wenn ich nicht die ganze Zeit ein gewisses Level an sexueller Befriedigung künstlich aufrecht erhalte, dann passiert eben so etwas. Ist nervig, aber ich versuche es so zu sehen dass es teil meines Weges aus der Sucht heraus ist, sozusagen wachstumsschmerzen, die ich eben annehmen muss.

Uff, ist dann doch wieder etwas länger geworden. Aber was will mensch machen. Ich habe den Tag auf jeden Fall hinter mich gebracht. Und das ist die Hauptsache. Jeder Tag, in dem ich mein Comittment einhalte, ist ein gewonnener Tag.
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#8
Tag 6
Wieder mal ein schwerer Tag heute. Viel Arbeit, damit verbunden sehr viel Stress, auch sonst Depressive Stimmung, Angst. Angst. Angst. Angst. Das Gefühl das mein Leben bestimmt, dass das Wespennest in meinem Körper macht und mich so unfassbar lähmt. Manchmal, wenn der Leistungsdruck stark ist, kann ich echt einfach nur noch sinnlos in der Gegend herumlaufen und sinnlos aus dem Fenster starren, dann wieder den Ort Wechseln. Wieder starren. Stunden die in kleine Abschnitte aus wenigen Sekund eingeteilt werden. Wie ein wildes Tier in einem viel zu kleinen Käfig, gefangen in einem ewigen Strom aus Sinnlosigkeit.

In solchen Phasen waren Pornografie und vor allem Masturbation immer wieder „Druckventile“ für mich. Einmal hatte mich meine komplette Seminargruppe im Stich gelassen und ich musste allein den Workload von 3 Personen stemmen. Ich bin in den oben beschriebenen Modus verfallen, und weil ich einfach immer wieder Druck hatte, habe ich dann meinen echt traurigen „Rekord“ von 35 (!) Mal PMO innerhalb eines Jahres aufgestellt. Ich versuche mich jetzt an diesen Horrortrip zu erinnern, als etwas, dass nicht mehr passieren soll. Dennoch, die Muster sitzen tief. Heute habe ich meine Erektion sogar ein bisschen angefasst. Gelbe Karte Junge. Es ist einfach nur ein einziger heftiger, pochender Schmerz aus Geilheit und Verzweiflung und Sucht. Außerdem schlafe ich enorm schlecht. Ich bin eigentlich einfach nur noch ein wandelnder, trauriger Zombie.

Außer der Arbeit an meinem Projekt habe ich dann heute nicht mehr viel gemacht. Ich war noch mit meiner Beziehungsperson im Baumarkt und habe da einen Eimer Farbe für den Umzug gekauft, den ich mir schon so lange wünsche. Ich habe hier eine wirklich toxische Wohnsituation mit meinem Mitbewohner, die vielleicht noch mal an anderer Stelle zur Sprache kommen wird.
Ansonsten einfach nur die Hölle gerade. Nichts Positives. Alles nur Kampf. Keine Entspannung. Kein Zuhause. Einfach nur Kampf.
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#9
Tag 7

Das Projekt verhindert gerade längere Einträge hier. Mir geht es auf jeden Fall nicht so wirklich gut, harte Schlafstörungen plagen mich. Heute Nacht hatte ich einen richtigen Zusammenbruch, ich hatte einen Albtraum, bin aufgewacht und ehrlich gesagt war nichts besser, ich war nicht einmal wirklich glücklich, dass ich aufgewacht bin, und dass obwohl ich in meinem Traum aufs übelste ermordet wurde. Ich kann nicht so recht sagen, inwieweit dass mit meinem Reboot zusammenhängt. Auf jeden Fall macht es mich fertig. Ich bin dann einfach aus dem Bett, habe mich 2 Stunden in die Leere gekauert und geheult. Zu etwas anderem war ich nicht handlungsfähig, es ging einfach nicht.

In meiner Beziehung ist noch immer dieses Polythema. Es ist sehr präsent. Es legt einen Schleier um unsere Beziehung, der schwer zu beschreiben ist und der mich absolut fertig macht. Ich versuche wirklich und ehrlich, zu kommunizieren, mir Wissen anzueignen, zu verstehen und zu reflektieren. Dennoch, momentan tut es einfach nur weh und ich kann nicht sehen, dass ich das schaffen werde. Viel hängt mir meinem beschissenen Selbstbild zusammen. Mit meiner nicht vorhandenen Beziehung zu mir selbst. Das schlägt ziemlich auf die Stimmung., ich renne in ewigen Gedankenkreisen.

Bei allem schlechten gerade gilt es sich aber auf das positive zu konzentrieren. 7 Tage Reboot sind erfolgreich durch. Eine Woche ohne Pornos und Masturbation. Ich sage mir zwar immer wieder in meinem Kopf, dass das noch nichts ist, aber ich will eigentlich auf der anderen Seite ein bisschen stolz sein. In jedem Fall ist es ein Teilziel, aber ich möchte noch viel mehr erreichen. Das fühlt sich gerade sehr gut an und gibt mir wenigsten ein kleines bisschen Kraft.
Ansonsten habe ich gerade einfach nicht viel Zeit. Als Pause heute Klimastreik als „Mittagspause“, als Druckabbau ist Rumschreien echt auch ganz gut, außerdem ein bisschen die friede Freude Eierkuchen Stimmung von FFF vernebelt. Auf der Demo dann mal wieder gemerkt, wie allein ich eigentlich bin und wie sehr mir diese Einsamkeit mir schadet. Alle haben Bezugsgruppen, kennen sich unter einander und sind freundschaftlich und verbunden. Es schmerzt ein bisschen das zu sehen, ich wünsche mir das eigentlich auch, haben meine diversen Suchtproblematiken aber die letzten Jahre verwehrt bzw. mich davon abgelenkt. Aber ich schweife schon wieder in Negative ab.

Kopf hoch und weiter durchbeißen, es muss ja einfach irgendwann besser werden.
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#10
Hey Zahn,
zwei Punkte die mir beim Lesen deines Tagebuches einfallen:
1) Warum verbietest du dir eigentlich das Masturbieren? Ich finde es ist absolut nichts wildes daran, mal Hand anzulegen, solange dabei eben keine Pornos konsumiert werden sondern der Fantasie freier Raum gelassen wird.
2) Dein Tagebuch zu lesen macht viel Spaß, trotz deiner Depression. Du kannst dich gut ausdrücken und man merkt dir deine Selbstreflexion an! Smile
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