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Das Ende der Selbstlimitierung
(17.03.2018, 13:29)Malte schrieb: In diesem Forum scheinen viele "Erfolgreiche" Nofapper der Auffassung zu sein, dass Blockierungssoftware für einen erfolgreichen Reboot nicht erforderlich sei. Sehr interessanter Ansatz, der für meine Zwecke jedoch nicht besonders hilfreich wäre. Kann man bei einer Person, die in Besitz eines Selbsregulationsmechanismusses hinsichtlich Internetpornografie ist, überhaupt von einer Sucht sprechen? Ich weiß nicht wie es bei den mitlesenden Betroffenen ist, aber bei mir führt ein unregulierter
Internetanschluss mittelfristig zwangsläufig zu einem Rückfall, weshalb ich über eine MAC-Sperre alle mir verfügbaren internetfähigen Endgeräte ausgesperrt habe. Der Gedanke dahinter ist trivial: Sperre den Internetanschluss an den Orten wo du normalerweise immer einen Rückfall hast und du gibst der Sucht keine Chance sich wieder einzuschleichen. Weitere positive Punkte sind die Exklusion von Youtube und Co. genauso wie von Onlinespielen. Es mag für Außenstehende der Eindruck entstehen,
dass ich einen Feldzug gegen die Neuen Medien führe und genau das ist der Fall. 


Hierzu wollte ich kurz etwas anmerken, da ich selbst der Meinung bin, dass eine Internetsperre nichts hilft, solange einschlägige Verhaltensänderungen nicht stattfinden. Das schließt aber keineswegs den Verzicht auf Internet aus. 
Man liest aber häufig Aussagen wie "der Block funktioniert nicht, immer gibt es eine Lücke, wie soll ich denn da abstinent bleiben können" - und dieser Geisteshaltung muss man entgegentreten.
Natürlich ist es hilfreich, gerade in der Anfangsphase, sich selbst ein wenig zu "schützen", sodass man im Internet nicht unerwartet auf Trigger stößt. Meist sind sie aber selbstverschuldet, wenn man ehrlich ist.

Sagen wir es mal so: Wenn ich meiner Mutter ein Smartphone schenke, und sie das ab und zu für Whatsapp, als Navi und für Google verwendet, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass sie ausgesprochen selten "aus Versehen" über Bilder von nackten Frauen stolpert.
Klar ist das Internet voll mit sexualisiertem Material, aber wenn man es nicht (unterbewusst) darauf anlegt, dann kommt man gut drum herum. 

Gleichzeitig ist keine Sperre ausreichend, wenn man in einem Moment wirklich rückfällig werden möchte (die gesamte Verbannung internetfähiger Geräte mal ausgenommen, aber selbst dann gibt es noch Mittel und Wege).

Ich denke also niemand hier ist dagegen, den eigenen Internetkonsum oder -zugang einzuschränken. Das alleine hilft aber absolut nichts. 
Antworten
01.04.18
Schwierig in Wort zu fassen, was in den letzten Tagen passiert ist. Bei allen "Aufs" und "Abs" kann ich letzten Endes trotzdem
zufrieden sein mit dem Ergebnis. Heute habe ich meinen schon länger gehegten Wunsch wieder Sport zu treiben umgesetzt und in einem ortsansässigen Boxstudio an einem Probetraining teilgenommen. Das sportliche Betätigung im Kampf gegen Sucht und Depression ein wichtige Waffe sein kann war mir schon länger bewusst, doch ideenlos wie ich bin, habe ich die anderweitigen sich bietenden Möglichkeiten neben Fußball und Fitnessstudio nicht wahrgenommen. Nachdem ich eines Nachts Zeuge eines Boxkampfes im Fernsehen geworden bin hatte ich mich über die Möglichkeiten in meinem Umfeld informiert, was mich letztendlich zum Probetraining gebracht hat.

Einen weiteren Durchbruch kann ich auf der sozial-interaktiven Ebene vermelden, da ich auf eigene Initiative hin ein ausgiebiges und ehrliches Gespräch mit meinem Vater geführt habe. Besonders hieran ist, dass ich im allgemeinen die Beziehung zu meinem Vater als schlecht bezeichnen würde. Mir ist es sehr oft so erschienen, als wenn er gar kein Interesse an meinem Leben hat, was mich sehr traurig gestimmt hat. Mehr hätte ich mich über eine freundschaftliche Beziehung zu ihm gefreut und das er mir ein Vorbild sein würde. Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass ein Vater in einer Vater-Sohn-Beziehung eine Bringschuld hat, bin ich Gestern über meinen Schatten gesprungen und habe das Gespräch gesucht. Denn nur wer mit dem Gegenpart kommuniziert kann beidseitig betreffende Probleme aus der Welt schaffen. Insgeheime unausgesprochene Wuttiraden bringen nur Frust mit sich und keine Lösungen. Wir werden sehen, ob uns dieses Gespräch geholfen hat, aber in jedem Fall kenne ich nun seine Sicht der Dinge und beidseitig
konnten Sympathiepunkte gesammelt werden.

Ansonsten ist es momentan etwas komisch. Meine Libido ist gefühlt bei -1 und das schon seit mehr als einer Woche. Diese Phase ist uns Allen nur zu gut bekannt, aber trotzdem ein bisschen gruselig. Laune ist ok und depressive Anfälle kommen
schon noch vor, aber meiner Meinung nach auch weniger geworden. Meine Motivation Menschen zu treffen ist auch nicht vorhanden, was vielleicht auch mit der eben angesprochenen "Flatline" zusammenhängt. Ich fühle mich in letzter Zeit mehr als eine Art "Fremdkörper" in dieser Gesellschaft, was es weiter zu beobachten gilt.

Wir werden sehen, wie es weitergeht.

@Redblob: Kurzgesagt: Unistress und Leichtsinnigkeit, vor allem Leichtsinnigkeit. Nein, auch nach 40 Tagen kannst du diese Sucht nicht kontrollieren und auch nach 50...100... und möglicherweise 200 Tagen nicht vollends. Solange du dich als "süchtig" bezeichnest muss es oberste Priorität sein, dich vor Situationen zu schützen, die ein Rückfallpotential birgen. Eine der letzten Rückfälle ist dadurch entstanden, dass ich einen neuen Laptop gekauft habe, den ich noch nicht vom wohnungsinternen WLAN ausgeschlossen hatte und der deswegen noch freien Zugriff auf das Internet hatte. Normalerweise lerne ich nur in der Bibliothek, doch in Klausuren Phasen muss ich manchmal Abends nochmal ran. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich wieder mal selber belogen und den Laptop nicht gesperrt, was sich letztendlich als großer Fehler entpuppt hat. Es ist schon so oft Zuhause passiert und es wird auch immer weiter passieren, wenn ich nicht akribisch jede Möglichkeit des Internetzugriffs konsequent beseitige. Der zu zahlende Preis für ein paar Minuten Triebbefriedigung ist zu groß.

14.04.18
Es geht aufwärts! Ich bin dabei die Früchte zu ernten gleichwohl ich das in manchen "schwierigen" Momenten immer wieder vergesse. Kann ich an dieser Stelle schon glaubhaft erklären, dass Pornosucht das Hauptproblem im meinem Leben ist? Auf Grundlage der schon jetzt bemerkten Veränderungen muss ich stark davon ausgehen.

Meine Selbstmordgedanken sind verschwunden. Jahrelang haben sie mich vom Aufstehen, über den Tag und bis zum Zubettgehen begleitet und waren dauerhaft präsent. Schwierig zu beschreiben wie ich darüber denke. Kurzgesagt: Es ist einfach schön! Meine Laune ist konstanter geworden und meine Stimmungsschwankungen passen sich immer mehr denen eines "Normalen" Menschen an. Zusätzlich hat sich der Radius meiner Interessen stark vergrößert. Ich lese nicht mehr halbherzig, sondern bin teilweise so fasziniert von der Thematik, dass ich hunderte Seiten dicke Bücher in wenigen Tagen verschlinge. (Vergleicht diese Aussage mit den älteren Posts, bei denen ich versucht habe auf meine "Interessenlosigkeit" einzugehen) Ich schaffe es meinen Tag zu koordinieren und komme früh aus dem Bett. (10 Stunden Schlaf waren
bei mir ohne Wecker nicht außerordentlich!) Ich habe Interesse an anderen Menschen und kommuniziere auf einer Ebene, die mir vorher nicht bekannt war. Ich transformiere vom Zombie zum Menschen und es gefällt mir sehr gut!

Trotz allem möchte ich euch nicht nur einseitig mit den festgestellten positiven Veränderungen abspeisen, sondern an dieser Stelle die noch vorhandenen Schwächen herausstellen. Im Bezug auf meine Libido kann ich weder ein gutes Signal noch schlechtes Signal geben. Ich habe ungefähr 2 Wochen gehabt, in denen sich absolut gar nichts geregt hat. Die Frauen im Alltag konnten sich noch so schön machen und die engsten Klamotten aus ihrem Kleiderschrank herauskamen, es hat mich nicht interessiert. Klar habe ich mir manchmal Sachen gedacht wie: "Die sieht aber gut aus" oder "Wow, toller Körper" aber selbst eine weibliche Offerte hätte ich mich zu nichts bewegen können. Diese Phase scheint momentan vorbei zu sein, obwohl ich mir sicher bin immer noch nicht bei 100% zu sein. Normalerweise konnte ich im Prozess immer wieder Phasen beobachten, in denen ich nach außen mit Körpersprache und Blick Selbstbewusstsein signalisieren konnte. Diesen Effekt vermisse ich seit mehreren Wochen. Die mir von Frauen zuteil werdende Aufmerksamkeit ist deutlich gestiegen, manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass mir deutlich signalisiert wird den ersten Schritt zu machen. Es sind zum Großenteil genau die Frauen, von denen ich mir immer erträume sie kennenlernen zu dürfen. Problem hierbei: Ich gehe nicht darauf ein, vielmehr fahre ich die Gleiche Schiene wie schon seit jeher. Ich erwarte nicht weniger, als dass sich mein komplettes Verhalten gegenüber Frauen durch die
Bekämpfung der Sucht ändert. Bin ich zu naiv? Gehört dieses "schüchtern sein" zu meinem Charakter? Wird es für mich selbst ohne Sucht sich als schwierig gestalten eine Partnerin zu finden? Zu einem früheren Zeitpunkt des Abstinenzprozesses würde ich an dieser Stelle wieder die Depression befeuern und mir Vorwürfe machen, weshalb ich nicht aus mir
rauskommen kann, selbst wenn die Chancen gefühlt bei 100% stehen. Ich würde mich fragen, wie viel Wut und Schmerz ich noch ertragen muss, bis ich die junge Dame die sich Heute im Pausenraum verdächtig nah neben mich gesetzt hat, obwohl der Raum fast leer war und nicht mit ihrem Handy gespielt hat, endlich ansprechen werde oder die andere junge Dame beim Einkaufen, die nicht nur einmal rüber geschaut hat. Ich schaffe es immer mehr die Sachen nicht mehr so nah an mich ranzulassen und eine gewisse "Haltung" zu wahren. Trotzdem lässt sich diese Liste sich beliebig weiterführen und ich werde dran arbeiten müssen. Wie ihr wisst stehen bei mir auf der Sollseite noch keine nennenswerten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, deshalb kann es sich hierbei auch schlichtweg um pure Einbildung handeln. Ich werde aufmerksam bleiben in den nächsten Wochen und die Veränderungen beobachten.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit, lieber Leser.
Malte

(29.03.2018, 16:50)tennessy3000 schrieb: Ich denke also niemand hier ist dagegen, den eigenen Internetkonsum oder -zugang einzuschränken. Das alleine hilft aber absolut nichts. 

Vielen Dank tennessy3000 für deinen wertvollen Input!
Möchte dir vollständig zustimmen wenn du sagst, dass eine Internetsperre alleine die Problematik auf Dauer nicht lösen wird.
(29.03.2018, 16:50)tennessy3000 schrieb: Natürlich ist es hilfreich, gerade in der Anfangsphase, sich selbst ein wenig zu "schützen", sodass man im Internet nicht unerwartet auf Trigger stößt. Meist sind sie aber selbstverschuldet, wenn man ehrlich ist.
Meiner Meinung nach sind Rückfälle immer selbstverschuldet. Niemand zwingt dich im Internet bestimmt Sachen anzuschauen.
Die Intention hinter der Internetsperre ist mein konditioniertes Verhalten aufzubrechen. Es gibt immer Momente ich denen ich schwach
geworden bin und alle vorher erdachten Lösungsansätze plötzlich nicht mehr relevant waren. Die Internetsperre bietet mir die Möglichkeit
diese Momente gar nicht erst aufkommen zu lassen.

(29.03.2018, 16:50)tennessy3000 schrieb: Sagen wir es mal so: Wenn ich meiner Mutter ein Smartphone schenke, und sie das ab und zu für Whatsapp, als Navi und für Google verwendet, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass sie ausgesprochen selten "aus Versehen" über Bilder von nackten Frauen stolpert.
Klar ist das Internet voll mit sexualisiertem Material, aber wenn man es nicht (unterbewusst) darauf anlegt, dann kommt man gut drum herum.
Deine Mutter hat aber höchstwahrscheinlich auch kein Problem mit Internetpornographie, weshalb zufällig aufpoppende sexualisierte
Werbung auch keinen Trigger auslöst. Erfüllt es deine Definition von "Es unterbewusst darauf anlegen", wenn ich beim durchstöbern von SPON mit sexuellen Inhalten von Bento konfrontiert werde, oder wie genau sieht es bei Bildern von Frauen in Reizwäsche auf der Onlinepräsenz vom Stern aus? Bild, GMX....... diese Liste könnte ich endlos weiterführen. Grund genug für mich Reißleine zu ziehen, weil ich es dauerhaft nicht kontrollieren kann. Ein Moment der Schwäche und schon ist findet man sich in dem Teufelskreis wieder.

(29.03.2018, 16:50)tennessy3000 schrieb: Ich denke also niemand hier ist dagegen, den eigenen Internetkonsum oder -zugang einzuschränken. Das alleine hilft aber absolut nichts.
Doch, genau das habe ich vor. Der dort latent propagierte Negativität bin ich überdrüssig geworden und ich möchte meinen Fokus in der Zukunft lieber auf mich voranbringende Sachen legen. Netflix, Facebook, Instagramm und co. gehören nicht dazu.
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=12558]
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20.04.18
Tag 54, es ist fucking Tag 54! Erstmalig konnte ich die 50 Tage Grenze überschreiten und auch vom Fortschritt her damit in noch nie da gewesene Höhen vorstoßen. Im Bezug auf meinen letzten Post muss ich die Aussage, dass meine Selbstzweifel und Depression nicht länger präsent ist relativieren. Wahrscheinlich war es zu naiv zu glauben, dass nach einer so kurzen Phase mein Kopf wieder "Normal" wird.

Weitermachen, einfach nur weitermachen. In den letzten Tagen konnte ich mich erstmalig meiner Existenz und dem Leben vollständig erfreuen und mit dem Gedanken im Hinterkopf muss ich mich weiter motivieren, selbst wenn sich meine Depression zurückmeldet, wie es am gestrigen Abend geschehen ist. Ich möchte der suchtfreien Version meiner Selbst die Möglichkeit geben sich zu entfalten, koste es was es wolle.

Lieben Gruss,
Malte
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=12558]
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Super Malte, mach weiter so. Du schaffst es!
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=17732]
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(20.04.2018, 09:17)Malte schrieb: (....)...... Ich möchte der suchtfreien Version meiner Selbst die Möglichkeit geben sich zu entfalten, koste es was es wolle.

DAS ISSER..... DER Satz, genau DER, der Euch weiterbringt, danke Malte!!!  Idea Smile
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Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle für die netten Worte von @Ungläubige @Schokiprinz bedanken. Es ist wirklich schön zu sehen und sich dabei bewusst zu machen, dass sich etwas positiv verändert. Habt vielen Dank für die Hilfestellung, ohne dich ich diesen kurzen Momente des Glückes nicht hätte erleben dürfen.

Zu momentanen Lage lässt sich leider nichts außergewöhnliches sagen. Ich schreibe mehr oder weniger erfolgreich an meiner Arbschlussarbeit, habe meine Sozialleben heruntergeschraubt und treibe auch keinen Sport. Trotzallem schaffe ich es gesund zu Essen und tagsüber emotional relativ konstant zu bleiben. Das Thema mit den leider in letzter Zeit immer häufiger werdenden Depressionen die meistens am späten Abend vorbeischauen ist leider immernoch deutlich präsent. Gedanklicher Einstieg, wie schon sooft hier thematisiert, erfolgt meistens durch das Thema Frauen. Manchmal wünsche ich mir Asexuell zu sein, um diesen großen Strudel aus negativen Gedanken endlich entfliehen zu können. Da mir gerade irgendwie nicht danach ist abermals Mutmaßungen über die potentiellen Faktoren meiner Inkompetenz anzustellen, überspringen wir diesen Teil. Halten wir stattdessen fest, dass es noch viel zu tuen gibt und die Hoffnung nicht aufgeben werde. Auch ich bin es wert geliebt zu werden und ein erfüllendes Leben zu führen.

Lieben Gruss,
Malte

PS: Nach langer Zeit am heutigen Tag wieder Lust auf einen Porno. "Sucht, wenn deine Mutter mit einem gelben Regenmantel morgens auf einen Berg steht, glaubt Jeder die Sonne geht auf!" Wink
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=12558]
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