Jungs und Pornos: die Wahrheit aus Expertenhand

Therapeuten können ein wenig verwirrend sein, wenn es um die Bewertung von Risiken der Pornosucht geht. Einige wollen uns glauben lassen, dass nur Jugendliche mit einer erhöhten Anfälligkeit süchtig werden, auch wenn die Suchtforschung mittlerweile Gegenteiliges herausgefunden hat. Diese zeigt nämlich auf, dass früher Kontakt mit übernatürlicher Stimulation – und so dürfen wir die gängigen Hardcore-Streifen vorbehaltlos nennen- das Risiko einer Sucht extrem erhöht.

Auf der Suche nach einem anderen Blickwinkel wurde kürzlich der Wissenschaftler und Autor Gary Wilson interviewt, der viel über die einzigartigen Risiken der heutigen Internet-Pornographie in seinem neuen Buch „Your Brain on Porn“ präsentiert. Wilson hat sich umfassend mit dem Thema beschäftigt, tourt erfolgreich mit Seminaren über die Pornosucht durch Amerika. Seine Videos auf Youtube wurden bereits millionenfach angeklickt.

Auf der Online-Plattform „Huffington Post“ war kürzlich ein interview mit ihm zu lesen. Die interessantesten Gedanken des Owen Wilsons wollen wir Ihnen in diesem Artikel präsentieren.

Eine Einschätzung zum Gefahrenpotenzial

Ein Aspekt, über den noch viel gestritten wird, ist die Höhe der Wahrscheinlichkeit, um von der Pornosucht betroffen zu sein. Ist sie bedenklich oder gar nicht so schlimm? Gary Wilson hat eine klare Meinung dazu und bezieht Stellung zu diversen Stimmen, die behaupten, dass das Risiko auf Internetpornosucht minimal ist. Seine Argumentation lautet dabei wie folgt:

„Ich habe einige Probleme mit derartigen Verharmlosungen. Zuerst wird fälschlicherweise impliziert, dass die Sucht an sich der einzige potenzielle Gefahrenherd für den heutigen Porno-User ist. In der Tat ist es aber so, dass viele Jugendliche unter schweren sexuellen Funktionsstörungen leiden, obwohl sie nicht als süchtig gelten. Zweitens wird fälschlicherweise von ausgegangen, dass übermäßiger Konsum von Pornos komplett vergleichbar mit Alkohol- oder Drogenkonsum ist. Dabei wird eine primäre Funktion des Erwachsenwerdens, nämlich die verstörte Entwicklung der Sexualität, völlig ignoriert. Drittens ist es so, dass die angeblich normalen Arten der Belohnungsmechanismen im Gehirn, ausgelöst durch Junkfood, Internet-Pornografie und sogar Internet-Nutzung, im Allgemeinen anscheinend extremer sind als bei Drogen.“

Etwas größeres als „nur“ Sucht?

Vor Allem der oben wiedergegebene Auszug lässt aufhoren. Wilson ist nicht nur der Meinung, dass der dauerhafte Konsum von Pornos schädlich ist. Nein, er geht sogar so weit, dass er die Pornosucht sogar auf eine andere Stufe als die Drogensucht stellt. Wie er das genau meint, erklärt er im folgenden Abschnitt des Interviews mit der „Huffington Post“:

„Es ist selbstverständlich, dass junge Männer gefesselt sind von Bildern mit Menschen, die Sex haben. Aber anstatt zu harmlosen Fotos zu masturbieren, wie es vielleicht ihre Väter noch getan haben, können Jungen nun unbegrenzte Streaming-Videos von realen Menschen, die „echten“ Sex haben, beobachten. Anders als Bilder ersetzen Videos komplett die Fantasie. Die jungen Leute sind fortan also einzig und allein Voyeure.

Wenn sie dann ca. 10 Jahre später echte Partnerinnen finden, merken sie, dass sie intensiv trainiert haben… für die falsche Sportart. Und diese jungen Männer sind nicht alle zwangsläufig abhängig; sie haben einfach nur ihre sexuelle Reaktion auf Bildschirme beschränkt und bestärkt. Die äußeren Umstände waren dabei von Isolation, konstanter Suche nach neuen Kicks und dem beobachten anderer Menschen beim Sex geprägt. Die daraus resultierenden Erektionsprobleme mit echten Partnerinnen können nur nach mehrmonatiger Porno-Abstinenz gelöst werden.“

Das unangenehme Umdenken

Wenn man nun einmal von vorne bis hinten diesen Gedanken eines Menschen folgt, der sich intensiv mit der Pornosucht auseinandergesetzt hat, dann macht es alles Sinn. Die beschriebenen Probleme finden sich in einer Vielzahl von Erfahrungsberichten wieder.

Internet SuchtDie Tragödie ist dabei, dass aufgrund der weit verbreiteten Fehlinformationen, die Betroffenen oft schon auf eine gewisse Art und Weise für ihr Leben geprägt sind. Kein junger Mann sollte jemals mit solchen Ängsten fertig werden müssen, ohne davor gewarnt zu werden. nd. Aus einer Studie aus dem letzten Jahr ging hervor, dass 54 Prozent der sexuell aktiven männlichen Jugendlichen aus Kanada im Alter von 16 bis 21 mit sexuellen Problemen zu kämpfen haben: erektile Dysfunktion (27 %), verminderte Libido (24 %) und Probleme, zum Orgasmus zu kommen (11 %) waren dabei die am häufigsten angegebenen Probleme.

Es ist also an Zeit, um endlich umzudenken. Es sollte Schluss sein mit vagen Vermutungen und Verharmlosungen, die das Thema unter den Teppich kehren. Die Problematik ist mitten in der Gesellschaft und omnipräsent. Politik, Medien und Experten sollten an einem Strang ziehen, der Pornosucht ins Auge sehen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Nur so kann man präventiv und akut hilfreiche Arbeit leisten, um betroffenen und gefährdeten Personen schnell zu helfen.