Neue Tests zur Diagnose: Das Phänomen Pornosucht etabliert sich in der Wissenschaft

Die Pornosucht hat immer wieder damit zu kämpfen, endlich anerkannt zu werden. Um dies aber zu erreichen, ist der Bezug zur Wissenschaft unbedingt nötig. Wir haben in letzter Zeit oft von aktuellen Studien berichtet, die das Thema Pornosucht aufgreifen (z.B. den Zusammenhang von Pornokonsum und Sexualverhalten). In der Fachliteratur finden sich immer mehr Interessensfelder rundum die Pornosucht. Vor Allem in Amerika wird das Thema derzeit immer mehr in den Fokus gerückt.

Und so knüpft auch eine neue Studie aus Ohio, die von Joshua B. Grubbs und seinen Kollegen durchgeführt wurde, an die Thematik an. Mithilfe eines neuen interessanten Tests zur Pornosucht, dem so genannten “32-item Cyber Pornography Use Inventory“, wurde untersucht, inwiefern Pornosucht mit generell abweichendem Sexualverhalten und anderen psychischen Beeinträchtigungen zusammenhängt. Letztendlich konnten sie aufzeigen, wie relevant die Pornosucht ist im Zusammenhang mit anderen psychischen Krankheiten. Die Ergebnisse bestätigen unsere Annahmen und lassen die Alarmglocken ein weiteres Mal laut läuten.

Wer und was wurde gemessen?

In einer Stichprobe von 532 Testpersonen (etwa zwei Drittel Männer) mit einem Durchschnittalter von 19,5 Jahren wurden verschiedene psychologische Tests und Fragebögen zum eigenen Verhalten angereicht. Der 32-item Cyber Pornography Use Inventory (ein Fragegoben mit Statements, auf die die Teilnehmer mit „wahr“ oder „falsch“ antworten können) und ein paar weitere Fragen zum Pornokonsum halfen dabei, das Konsumverhalten festzustellen. Außerdem wurden wichtige Aspekte der Persönlichkeit und der mentalen Gesundheit (u.a. depressive Symptome und diverse Ängste) gemessen.

Im zweiten Teil der Studie wurden nur Teilnehmer mit einbezogen, die im vergangenen Monat häufiger Pornos konsumiert hatten. Jene Teilnehmer machten dann auch noch einmal Angaben zu ihrem geistigen Wohlbefinden und ihem generellen Sexualverhalten. Generell wurde danach geschaut, ob Menschen aus dieser Stichprobe das Bedürfnis haben, viel öfter Sex zu haben als die „Normalbevölkerung“.

Was kam heraus?

PornosuchtZuerst einmal wurde danach geschaut, wie der neue Test sich in der praktischen Anwendung bewährt. Die Ergebnisse waren positiv und der 32-item Cyber Pornography Use Inventory stellte sich als „valides“ Messinstrument heraus.

Was in der Folge sehr aufschlussreich war, ist der Fakt, dass ein erhöhter Pornokonsum eindeutig mit einem höheren Level an psychischem Leiden verschiedenster Art zusammenhängt. Dazu gehörten erhöhte Stresslevel, depressive Symptome und diverse Ängste.

Außerdem stellte sich heraus, dass Menschen mit einem höheren Pornokonsum ein vergleichsweise niedriges Maß an Selbstkontrolle besitzen. Sie wurden als „kompulsiv“ bezeichnet. Das bedeutet, dass es ihnen schwer fällt, ihren Begehren zu widerstehen – vor Allem auch jenen, die negative Konsequenzen haben. In dem Zusammenhang stellte man ebenso heraus, dass Menschen, die oft Pornos konsumieren, auch unter einer Art „Hypersexualität“ leiden. Dies kann sich dadurch äußern, dass die Gedanken sich überwiegend nur um den Geschlechtsverkehr drehen, bis diese Gedankenspirale zu psychischen Problemen führt. Dieser Drang sorgt nämlich dafür, dass andere wichtige Lebensaspekte zu kurz kommen.

Was sagt uns die Studie?

Der Konsum von Internet-Pornografie ist ein wachsendes Phänomen, das wahrscheinlich diverse Effekte auf den Menschen ausübt. Um das festzustellen, wird auch die Wissenschaft immer aktiver und bemüht sich, die Pornosucht zuverlässig diagnostizieren zu können. Der 32-item Cyber Pornography Use Inventory wird dabei mit Sicherheit nicht das einzige Messinstrument bleiben, was in Zukunft in der klinischen Umgebung genutzt wird. Auch im Internet wurde dieser Fragebogen bereits erfolgreich getestet. So wird es bald einfach sein, sich schnell und unkompliziert einem Selbsttest zu unterziehen.

Des Weiteren können wir schlussfolgern, dass die Pornosucht allgemein durch den Mangel an Selbstkontrolle und eine so genannte „Hypersexualität“ gefördert wird. Menschen, denen es also auch generell schwer fällt, beim Konsum jeglicher Dinge etwas gemäßigter zu agieren, denen bereitet der Pornokonsum ebenfalls schnell Probleme. Und die Menschen, die sich allgemein nach übermäßig viel Sexualität sehnen, scheinen auch gefährdet zu sein.

Im Großen und Ganzen lässt die Studie zudem den Schluss zu, dass Pornokonsum mit verschiedensten psychischen Belastungen verknüpft ist. Diese Ergebnisse decken sich mit all den Erfahrungsberichten, die täglich in unseren Mailboxen und im Forum landen. Für uns ist es keine große Neuigkeit, denn wir haben immer schon dafür plädiert, dass die Pornosucht vielen anderen problematischen Suchtkrankheiten ähnelt. Bei Drogen oder Glücksspiel ist es beispielsweise auch praktisch immer früher oder später so, dass die Betroffenen eine psychische Instabilität vorweisen.

Es ist an der Zeit, die Pornosucht endlich anzuerkennen und einen Weg zu ebnen, effektiv gegen sie vorzugehen. Für Studien wie eben diese von Joshua B. Grubbs sind wir daher dankbar, denn sie sorgen dafür, dass Experten aufhorchen und sich eventuell der Erforschung des Problems Pornosucht anschließen.